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Herr Müller, der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) präsentiert in dieser „Profil“-Ausgabe erstmals den Engagementbericht der bayerischen Genossenschaften. Warum braucht es so einen Bericht?

Stefan Müller: Für Genossenschaften ist gesellschaftliches Engagement eine Selbstverständlichkeit. Weniger selbstverständlich ist es für sie, darüber öffentlich zu reden. Das Engagement verdient aber eine größere Bühne. Deshalb wollen wir mit dem Bericht Sichtbarkeit schaffen für die vielfältigen gesellschaftlichen Aktivitäten der Genossenschaften. Die Genossenschaften tun Gutes – und das wollen wir zeigen. 

Wie definieren Sie Engagement im Sinne dieses Berichts? 

Müller: Genossenschaften schaffen von Natur aus einen Mehrwert für ihr Umfeld – das entspricht ihrem Förderauftrag. Genossenschaftsbanken sorgen für die Kreditversorgung der regionalen Wirtschaft, Molkereigenossenschaften sichern den kleinen Milchbetrieben ein faires und verlässliches Einkommen, genossenschaftliche Dorfläden gewährleisten die Nahversorgung mit Lebensmitteln im ländlichen Raum, um einige Beispiele zu nennen. Doch das Engagement von Genossenschaften geht weit über das Wirtschaftliche hinaus – sie übernehmen gesellschaftliche Verantwortung für ihre Region. Um diese zusätzlichen Aktivitäten soll es in diesem Bericht gehen. Wir zählen alles als Engagement, was die Genossenschaften über ihren Unternehmenszweck hinaus für die Gesellschaft leisten. 

Könnten Sie konkrete Beispiele für das Engagement der Genossenschaften geben?

Müller: Genossenschaften unterstützen lokale Vereine, engagieren sich in Stiftungen und fördern soziale Projekte. Basis dafür ist bei den Banken insbesondere das Gewinnsparen. Das ist ein Sparprodukt, bei dem man gleichzeitig Geld anlegen, Gewinne generieren und Engagement fördern kann. Viele Banken ergänzen ihre Spenden durch Crowdfunding und aktivieren damit auch private Spenden aus der Region – ganz nach dem genossenschaftlichen Motto ‚Was einer nicht schafft, das schaffen viele‘. Crowdfunding zeigt, wie Genossenschaften den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort stärken.

Was meinen Sie damit? 

Müller: Genossenschaften bringen Menschen mit gemeinsamen Interessen zusammen und schaffen dadurch Identität und Verbundenheit. Sie erreichen damit mehr als nur die Summe ihrer Teile. Ihr Beitrag für die Gesellschaft reicht daher weit über rein monetäre Aspekte hinaus.

„Genossenschaften haben einen direkten Zugang zu den Menschen vor Ort und wissen, wo Unterstützung gebraucht wird.“

Viele Unternehmen engagieren sich regional. Was unterscheidet das Engagement der Genossenschaften?

Müller: Das Identitätsprinzip der Genossenschaften – die Mitglieder sind zugleich Kunden und Eigentümer – sorgt für eine enge Verbindung zur Region. Durch ihre demokratische Struktur und lokale Gremien haben Genossenschaften einen direkten Zugang zu den Menschen vor Ort und wissen, wo Unterstützung gebraucht wird. Sie zeigen Präsenz, ihre Vertreter sind in der Region zu Hause und engagieren sich und tragen aktiv zum gesellschaftlichen Leben bei.

Wie engagiert sich der GVB selbst? 

Müller: Zentrum unserer eigenen Förderaktivitäten ist die Raiffeisen/Schulze-Delitzsch Stiftung Bayerischer Genossenschaften. Sie wurde 1993 gemeinsam vom Verband und den bayerischen Genossenschaftsbanken gegründet und fördert Projekte aus Wissenschaft, Kultur und Sozialem. Die Stiftung hat seitdem über eine Million Euro ausgeschüttet und damit in ganz Bayern gesellschaftlichen Mehrwert gestiftet. Neben unserem eigenen Engagement tun wir auch in diesem Bereich das, wozu wir als Verband prädestiniert sind: Wir vernetzen Akteure und schaffen Plattformen, die unsere Mitglieder für ihr Engagement nutzen können. Ein Beispiel ist die Initiative „Sterne des Sports“, die dazu dient, Sportvereine zu unterstützen und ihr Engagement für die Gesellschaft zu würdigen. Es ist eine bundesweite Initiative des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Wir tragen die Idee auf bayerischer Ebene weiter, gemeinsam mit dem Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV). Darüber hinaus haben wir mit Philipp Lahm einen ehrenamtlichen Schirmherrn gewonnen, der zusätzliche Sichtbarkeit für den Wettbewerb schafft. Damit bieten wir einen Rahmen, den die Genossenschaftsbanken gemeinsam mit den Sportvereinen in ihrer Region mit Leben füllen können. 

„Genossenschaften werden weiterhin innovative Wege finden, um ihre Mitglieder und die Region zu stärken.“

Was erhoffen Sie sich von den Sternen des Sports? 

Müller: Sportvereine sind Treffpunkte, an denen Gemeinschaft entsteht, Integration gelingt und Verantwortung gelebt wird. Das passt hervorragend zu den Werten, für die auch die Genossenschaftsbanken stehen: Verantwortung, füreinander da sein und tatkräftig anpacken. Deshalb engagieren wir uns gerne für diesen Wettbewerb. Die Sterne des Sports erzielen eine große und sehr positive Medienresonanz. Von der Sichtbarkeit und der Vernetzung mit den Sportvereinen profitieren auch die teilnehmenden Banken. 

Welche Zukunftsperspektiven sehen Sie für das gesellschaftliche Engagement von Genossenschaften?

Müller: Das gesellschaftliche Engagement der Genossenschaften wird auch künftig eine große Rolle spielen. Auch angesichts aktueller Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und der Digitalisierung werden Genossenschaften weiterhin innovative Wege finden, um ihre Mitglieder und die Region zu stärken – über die reine Verantwortung eines Unternehmens hinaus. Ihr Prinzip der Gemeinschaft bietet dafür ein solides Fundament, das auch in Zukunft tragfähig bleibt.

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