Engagement: GVB-Präsident Stefan Müller spricht im Interview darüber, warum das gesellschaftliche Engagement der bayerischen Genossenschaften mehr Sichtbarkeit verdient.
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Die bayerische Kommunalwahl ist vorbei. Neu gewählte Bürgermeisterinnen, Bürgermeister und Landräte stehen vor großen Aufgaben – oft mit knappen Kassen, wachsendem Erwartungsdruck und dem Wunsch, die Menschen aktiv einzubinden. Da kommen Genossenschaften gerade recht. Denn sie sind ein bewährtes Werkzeug kommunaler Problemlösung.
Eine stabile kommunale Entwicklung braucht verlässliche Finanzdienstleistungen. Die genossenschaftlichen Banken sind in Bayern flächendeckend präsent und langfristig orientiert. Sie begleiten Gemeinden bei Investitionen in Infrastruktur, Schulen, Energieprojekte oder Wohnraum. Sie finanzieren Mittelstand und sind für Bürgerinnen und Bürger verlässliche Begleiter – partnerschaftlich, mit Kenntnis der lokalen Gegebenheiten und ohne kurzfristige Renditeerwartungen. Diese Nähe schafft Vertrauen und Planungssicherheit, gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit.
Energiewende mit Akzeptanz – durch Beteiligung
Die Energiewende ist eines der zentralen kommunalpolitischen Themen. Energiegenossenschaften zeigen, wie sie gelingen kann: Wenn Bürgerinnen und Bürger sich finanziell beteiligen können, steigt die Akzeptanz für Photovoltaik‑ und Windkraftanlagen spürbar. Wertschöpfung bleibt in der Region, Entscheidungen werden gemeinsam getragen und die Energiewende greifbar vorangetrieben. Kommunen gewinnen damit nicht nur Partner für konkrete Projekte, sondern auch Verbündete in der gesellschaftlichen Debatte.
„Wo Kommunen und Genossenschaften an einem Strang ziehen, entstehen tragfähige Lösungen – von Solarparks bis hin zu Wärmenetzen.“
Die Erfahrungen aus Bayern belegen: Wo Kommunen und Genossenschaften an einem Strang ziehen, entstehen tragfähige Lösungen – von Solarparks bis hin zu Wärmenetzen. Das kommt auch bei der kommunalen Wärmeplanung zum Tragen. Ende Juni dieses Jahres müssen Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern eine solche vorlegen – kleinere Kommunen haben noch zwei Jahre mehr Zeit. Somit können Genossenschaften auch bei der kommunalen Wärmeplanung eine wesentliche Rolle spielen, indem sie Kommunen entlasten und die Menschen unmittelbar einbinden.
Daseinsvorsorge und Treffpunkte erhalten
Lebendige Gemeinden brauchen nicht nur sichere und bezahlbare Energie, sondern auch Orte der Begegnung. Doch Nahversorger, Dorfheime oder kulturelle Einrichtungen geraten vielerorts unter Druck. Genossenschaften bieten hier pragmatische Antworten. Ob Dorfladen, lokale Brauerei, Gemeindetreff, Sauna oder Kino: Wenn Bürgerinnen und Bürger Verantwortung übernehmen, bleiben Angebote erhalten, die sonst verschwinden würden. Solche Projekte sichern nicht nur Versorgung, sondern stärken das gesellschaftliche Miteinander und die Identifikation mit dem eigenen Ort. Praxisbeispiele aus Bayern zeigen, wie erfolgreich dieses Modell sein kann.
Gesundheitsversorgung vor Ort sichern
Auch die medizinische Versorgung stellt viele Kommunen vor Herausforderungen. Medizinische Versorgungszentren in genossenschaftlicher Trägerschaft können helfen, ärztliche Angebote im ländlichen Raum zu erhalten und dem Ärztemangel entgegenwirken. Sie entlasten Kommunen organisatorisch, bündeln Kompetenzen und schaffen attraktive Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte. So bleibt Gesundheitsversorgung dort, wo sie gebraucht wird: in der Region.
Mehr als Projekte: Umsetzungskompetenz und Netzwerk
Genossenschaften bringen nicht nur Ideen ein, sondern auch Umsetzungskraft. Sie mobilisieren privates Kapital, bündeln Know-how und handeln unternehmerisch – mit dem klaren Ziel, den Mitgliedern vor Ort zu dienen. Für Kommunen bedeutet das: weniger Alleingang, mehr Partnerschaft. Der Genossenschaftsverband Bayern unterstützt bei der Gründung von Genossenschaften mit Beratung, rechtlicher Expertise und Erfahrung aus zahlreichen Projekten im ganzen Freistaat.
Die neue kommunale Wahlperiode bietet die Chance, Zusammenarbeit neu zu denken. Genossenschaften stehen bereit, Verantwortung zu übernehmen – gemeinsam mit den Kommunen. Sie sind keine theoretische Idee, sondern gelebte Praxis. Wer vor Ort Lösungen sucht, findet in ihnen verlässliche Partner, die wirtschaftliche Vernunft mit Bürgernähe verbinden.
Stefan Müller ist Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern.
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