Engagement: GVB-Präsident Stefan Müller spricht im Interview darüber, warum das gesellschaftliche Engagement der bayerischen Genossenschaften mehr Sichtbarkeit verdient.
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Demokratie fällt nicht vom Himmel, sie will gelernt sein. Weil das nicht früh genug passieren kann, veranstaltete das Gymnasium Bruckmühl im Oktober 2025 zum Tag der Deutschen Einheit einen „Tag der Demokratie“. In Workshops, Planspielen, Gesprächen mit Zeitzeugen und auf Exkursionen erfuhren die Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis 13, wie Demokratie funktioniert und warum sie für eine pluralistische Gesellschaft grundlegend ist. Abends gab die Band „Pam Pam Ida“ an der Schule das erste Konzert ihrer Herbsttournee.
Auch der VR Bank Rosenheim-Chiemsee Stiftung, die zur meine Volksbank Raiffeisenbank gehört, ist Demokratieförderung wichtig. Deshalb hatte sie die Veranstaltung am Gymnasium Bruckmühl im vergangenen Jahr mit 5.000 Euro unterstützt. Nachdem der Aktionstag von allen Beteiligten viel Lob erfuhr, entschloss sich VR Bank Rosenheim-Chiemsee Stiftung, ein weiteres Mal 5.000 Euro zu spenden, um eine Wiederholung zu ermöglichen. So wird die Schule im Herbst 2026 unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Ilse Aigner wieder ein vielfältiges Programm für alle Jahrgangsstufen zusammenstellen, um die Bedeutung von Demokratie für unsere Gesellschaft sichtbar zu machen.
40 genossenschaftliche Stiftungen in Bayern
Die VR Bank Rosenheim-Chiemsee Stiftung steht stellvertretend für rund 40 genossenschaftliche Stiftungen im Freistaat. Sie wurden gegründet, um soziale, kulturelle oder ökologische Projekte in ihrer Region zu fördern. Viele dieser Projekte werden von Menschen auf die Beine gestellt, die ehrenamtlich arbeiten. Ohne finanzielle Hilfe könnten sie ihr gesellschaftliches Engagement nicht umsetzen. Genossenschaftliche Stiftungen springen hier ein, so wie die Bürgerstiftung der Volksbank Regensburg bei den Schwandorf Tigers.
Bei der inklusiven Basketballgruppe des TSV 1880 Schwandorf trainieren Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam – und das sehr erfolgreich. Das Team qualifiziert sich regelmäßig für Turniere auf Landes- und Bundesebene. „Wir freuen uns riesig, wenn wir etwa zu den Special Olympics fahren dürfen. Doch die Teilnahme ist mit hohen Kosten verbunden“, erzählt Gisbert Gotz, Gründer und Initiator der Schwandorf Tigers. Um solche Reisen zu ermöglichen, hat die Bürgerstiftung der Volksbank Regensburg, die heute zur Volksbank Raiffeisenbank Regensburg-Schwandorf gehört, vergangenes Jahr 7.000 Euro gespendet.
RSD-Stiftung des GVB fördert Projekte in ganz Bayern
Auch der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) selbst engagiert sich gesellschaftlich. Kern der eigenen Förderaktivitäten ist die Raiffeisen/Schulze-Delitzsch Stiftung Bayerischer Genossenschaften (RSD-Stiftung). Sie unterstützt Projekte aus Wissenschaft, Kultur und Sozialem und hat seit ihrer Gründung im Jahr 1993 über eine Million Euro ausgeschüttet. Allein im Jahr 2025 hat die Stiftung Projekte in allen sieben bayerischen Regierungsbezirken gefördert und dafür insgesamt circa 40.000 Euro zur Verfügung gestellt. „Regionalität und Ehrenamt bilden das Herz unserer Stiftungsarbeit. Nach dem genossenschaftlichen Prinzip ,Einer für alle, alle für einen‘ unterstützen wir Menschen, die Verantwortung übernehmen, und schaffen damit Werte, die bleiben. Dank der verlässlichen Partnerschaft mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken können wir so in allen Regionen Bayerns wirken“, sagt Stefan Müller, Präsident des GVB und RSD-Stiftungsvorstand.
Einen Überblick über die von der RSD-Stiftung gemeinsam mit den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken im Jahr 2025 geförderten Projekte gibt es in „Profil“ 12/2025.
Für die Finanzspritze der Bürgerstiftung der Volksbank Regensburg sind die Schwandorf Tigers überaus dankbar. „Wir haben keinen Hauptsponsor, der uns regelmäßig unterstützt. Deshalb müssen wir jedes Mal aufs Neue Geld akquirieren, um überhaupt zu Spielen und Turnieren fahren zu können“, erzählt Gotz. Für die Teilnahme an den Special Olympics Bayern in Erlangen mussten die Tigers zum Beispiel für 26 Spielerinnen und Spieler sowie 15 Betreuerinnen und Betreuer einen Bus buchen. Kosten: knapp 1.000 Euro. Für die Übernachtung kamen Kosten ebenfalls im vierstelligen Bereich hinzu. „Zusätzlich mussten wir eine Anmeldegebühr in Höhe von etwa 2.000 Euro entrichten“, zählt Gotz auf. So kam eine Summe zusammen, die von der inklusiven Basketballgruppe niemals allein zu stemmen gewesen wäre. „Das können sich unsere Spielerinnen und Spieler nicht leisten, viele von ihnen arbeiten in Behindertenwerkstätten, so wie mein Sohn, der 100 Euro im ganzen Monat für seine Montagetätigkeiten bekommt“, sagt Gotz.
Auf der Suche nach Fördermöglichkeiten
Damit das inklusive Basketballteam sportliche Highlights wie die Special Olympics erleben kann, klappern Gotz und sein Team alle möglichen Fördermöglichkeiten ab. Oft bis spät in die Nacht sitzt Gotz am Schreibtisch und informiert sich, verschickt Schreiben, füllt Bewerbungen aus und führt Telefonate. Unter anderem bewarb sich der Verein für eine Zuwendung bei der Bürgerstiftung der Volksbank Regensburg.
Die Bürgerstiftung gibt es seit sieben Jahren. „Im Jahr 2019 haben wir 150 Jahre Volksbank Regensburg gefeiert. Da lag es uns sehr am Herzen, anlässlich dieses Jubiläums etwas Vernünftiges und Nachhaltiges für unsere Region zu schaffen“, berichtet Wolfgang Völkl, Vorsitzender des Stiftungsvorstands und Vorstandssprecher der Volksbank Raiffeisenbank Regensburg-Schwandorf (siehe dazu auch den „Profil“-Artikel 07/2025). Die Bank verzichtete auf einen kostspieligen Festakt und gründete stattdessen die Bürgerstiftung der Volksbank Regensburg. Diese fördert im Geschäftsgebiet der Bank gemeinnützige Initiativen und Einrichtungen.
Sonderspendenaktion 7 x 7.000 Euro
„Mit unserer Bürgerstiftung bringen wir uns in die Gesellschaft ein“, sagt Stiftungsbeauftragter Günther Winkler. Seit 2025 gibt es die Sonderspendenaktion 7 x 7.000 Euro der Bürgerstiftung der Volksbank Regensburg. In jedem Monat von April bis Oktober wird – passend zu den Förderzielen der Stiftung – ein Verein oder eine Initiative mit 7.000 Euro bedacht. Die Schwandorf Tigers gehören dazu. Zuvor gab es die Aktion 5 x 5.000 Euro, im vergangenen Jahr stockte die Bürgerstiftung auf 7 x 7.000 Euro auf. In den sieben Jahren ihres bisherigen Wirkens hat die Bürgerstiftung festgestellt, dass der Bedarf an Zuwendungen gestiegen ist.
Die Schwandorf Tigers freuen sich über die Zuwendung in Höhe von 7.000 Euro von der Bürgerstiftung der Volksbank Regensburg.
Bei den Special Olympics in Erlangen qualifizierten sich die Schwandorf Tigers mit Gold und Silber für die Special Olympics auf Bundesebene, die in Saarbrücken stattfinden. Die Anmeldegebühr beträgt wieder über 2.000 Euro. „Pro Jahr benötigen wir etwa 20.000 Euro für die Schwandorf Tigers. Als wir erfahren haben, dass wir 7.000 Euro von der Bürgerstiftung der Volksbank Regensburg erhalten, wussten wir, dass zumindest unsere Fahrt nach Erlangen finanziell abgesichert ist“, sagt Gotz.
Ehrenamtliches Engagement
Das Betreuerteam der Schwandorf Tigers arbeitet ehrenamtlich, genauso wie der Vorstand der Bürgerstiftung der Volksbank Regensburg. Lohn der ehrenamtlichen Arbeit ist das Gefühl, das Richtige zu tun, und der Dank der Menschen, denen die Stiftung helfen konnte. So wie bei den Schwandorf Tigers. Dass sich der Aufwand und die finanziellen Hilfen auszahlen, bemerkt auch Gotz bei jedem Training. „Ich blicke jedes Mal in glückliche Gesichter. Mag es im Sommer noch so heiß sein, unsere Tigers sind so voller Enthusiasmus für ihren Sport, die stehen auch bei 30 Grad begeistert in der Halle und werfen Körbe.“
DATEV-Stiftung Zukunft: Die Menschen für den digitalen Wandel rüsten
Auch bei der DATEV-Stiftung Zukunft stehen die Menschen im Zentrum der Förderaktivitäten, allerdings mit einem besonderen Fokus, der zur Genossenschaft passt. Die DATEV eG mit Sitz in Nürnberg bietet Software- und Cloud-Lösungen für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte sowie für deren Mandanten. Die Lösungen decken betriebswirtschaftliche Aufgaben wie Buchhaltung, Lohnabrechnung, Jahresabschluss und Personalwesen ab und erleichtern die Zusammenarbeit zwischen mittelständischen Unternehmen und den steuerberatenden Berufen.
Markus Algner, CMO der DATEV eG und Vorstandsvorsitzender der DATEV-Stiftung Zukunft.
Wie stark die Digitalisierung die Arbeitswelt und den Alltag der Menschen verändert, spürt die DATEV eG jeden Tag. Permanent entstehen neue Berufsfelder, Prozesse und Produkte, die moderne Skills sowie tagesaktuelles Know-how erfordern. Aus diesem Grund hat sich die 2014 ins Leben gerufene DATEV-Stiftung Zukunft zum Ziel gesetzt, Menschen und auch Unternehmen für diesen Wandel zu rüsten – und ihn mitzugestalten. „Die DATEV-Stiftung Zukunft stellt den Menschen in den Mittelpunkt der Digitalisierung. Aus unserer genossenschaftlichen Tradition wissen wir: Fortschritt gelingt am besten, wenn Menschen ihr Wissen teilen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Deshalb fördern wir Projekte, die digitale Kompetenzen stärken, Vertrauen in Technologien schaffen und Menschen miteinander verbinden – für eine digitale Zukunft, die Chancen eröffnet und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt“, sagt Markus Algner, Chief Markets Officer (CMO) im Vorstand der DATEV eG und Vorstandsvorsitzender der DATEV-Stiftung Zukunft.
300.000 Euro jährliches Fördervolumen
Zur Verwirklichung ihrer Stiftungszwecke vergibt die DATEV-Stiftung Projektmittel, institutionelle Förderungen und Preisgelder. Zudem unterstützt sie den Austausch von Schulen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Auch Veranstaltungen wie Kongresse, Symposien, Diskussionsforen und Round-Table-Gespräche gehören zu den Aktivitäten der Stiftung. Das Fördervolumen liegt pro Jahr bei rund 300.000 Euro.
Mit dem Dr.-Heinz-Sebiger-Preis würdigt die Stiftung außerdem junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die unsere Gesellschaft zukunftsfähig gestalten – sei es durch innovative Bildungsansätze, die Stärkung von Orientierungs- und Teilhabekompetenz oder neue Wege im Umgang mit Digitalisierung und KI. Über die Auszeichnung will die Stiftung ihnen mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit verhelfen sowie einen Beitrag zum Wissenstransfer von den Universitäten in die Wirtschaft und die Gesellschaft leisten. 2025 ging die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung an Johanna Hahn für ihre Promotionsarbeit zur automatisierten Gesichtserkennung in der Strafverfolgung.
Verantwortung über das Kerngeschäft hinaus
Wie die anderen bayerischen Genossenschaften auch begreift die DATEV eG ihre Stiftungsaktivitäten als Teil ihres gesellschaftlichen Engagements. Stiftungsvorsitzender Markus Algner präzisiert: „Gesellschaftliches Engagement ist für DATEV Ausdruck unserer genossenschaftlichen Identität und unseres Förderauftrags. Es bedeutet, Verantwortung über das Kerngeschäft hinaus zu übernehmen und Digitalisierung bewusst im Sinne des Gemeinwohls zu gestalten. Mit der DATEV-Stiftung Zukunft machen wir dieses Engagement konkret. Unser Ziel ist es, digitale Teilhabe zu stärken und damit sowohl unsere Mitglieder als auch die Gesellschaft langfristig zukunftsfähig zu machen.“
Der Stiftungsrat feiert die Gründung der VR Bank Stiftung Bamberg-Forchheim (v. li.): Joachim Hausner, Vorstandsvorsitzender der VR Bank Bamberg-Forchheim, Wolfgang Holler, Gregor Scheller und Günter Schuster. Foto: VR Bank Bamberg-Forchheim
VR Bank Bamberg-Forchheim will mit Stiftung neue finanzielle Mittel erschließen
Die VR Bank Bamberg-Forchheim hat eine eigene Stiftung gegründet. „Profil“ hat mit dem Vorstandsvorsitzenden Joachim Hausner über die Beweggründe gesprochen.
Warum hat die VR Bank Bamberg-Forchheim neben der bisherigen Förderung gemeinnütziger Projekte zusätzlich eine Stiftung gegründet?
Joachim Hausner: Die VR Bank Bamberg-Forchheim setzt ein deutliches Zeichen für gesellschaftliches Engagement: Mit der Gründung der VR Bank Stiftung Bamberg-Forchheim fördert die Bank künftig gezielt Projekte in den Bereichen Bildung, Jugend- und Seniorenhilfe, Sport, Wissenschaft, Umwelt- und Klimaschutz sowie bürgerliches Engagement. Durch die Stiftung wird das bestehende gesellschaftliche Engagement der VR Bank Bamberg-Forchheim gezielt erweitert und auf eine langfristig tragfähige Basis gestellt. Die Stiftung bildet dabei eine „dritte Säule“ unseres sozialen Engagements: Neben den Spenden sowie dem Crowdfunding schafft sie einen strukturierten Rahmen, um Projekte nachhaltiger zu begleiten und neue finanzielle Mittel zu erschließen. So können wir gesellschaftliche Verantwortung in unserer Region noch wirksamer wahrnehmen.
Welche Bedeutung hat gesellschaftliches Engagement für die VR Bank Bamberg-Forchheim?
Hausner: Gesellschaftliches Engagement ist für uns ein zentraler Bestandteil unseres Selbstverständnisses. Als wirtschaftlich leistungsfähiges, regional verwurzeltes Unternehmen sehen wir es als unsere Verantwortung, aktiv zur positiven Entwicklung unserer Region beizutragen. Dabei spielen genossenschaftliche Werte eine entscheidende Rolle. Wir fördern bereits seit einigen Jahren mit einem Budget von etwa einer halben Million Euro direkt gemeinnützige Projekte. Mit der Gründung der Stiftung weiten wir unser soziales Engagement nochmals bedeutend aus und ermöglichen so eine langfristige Unterstützung regionaler Projekte. Die Idee dahinter ist, nicht nur wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen, sondern diesen auch mit der Gemeinschaft zu teilen und gezielt dort zu unterstützen, wo Hilfe gebraucht wird.
Gibt es bereits erste Projekte, die von der Stiftung gefördert werden?
Hausner: Die VR Bank Bamberg-Forchheim stattet die Stiftung mit einem Grundstockvermögen von 1 Million Euro aus. Für ihren Start gewährt die Bank der Stiftung ein Verbrauchsvermögen, um unabhängig von Kapitalerträgen auch schon im ersten Jahr ihrem Förderauftrag entsprechend nachzukommen. So geht eine erste konkrete Förderung bereits an die Sternwarte Feuerstein e.V., deren astronomische Beobachtungen der außerschulischen Bildung und der öffentlichen Wissensvermittlung dient. Dabei ist uns wichtig zu betonen, dass Fördern nur ein Teil der Stiftungsarbeit ist. Ebenso bedeutend ist es, Mittel einzuwerben. Die Stiftung ermöglicht es Bürgern aus der Region über Zustiftungen in einem strukturierten Umfeld ebenfalls Gutes zu tun. Die Bank begleitet diese Zustifter dabei als Partner mit entsprechender Erfahrung und Beratungskompetenz. Genau hier liegt aktuell unser Schwerpunkt: Als Bank verfügen wir über besondere Expertise, um Ressourcen zu mobilisieren und die Grundlage für eine wirkungsvolle Förderung in der Zukunft zu schaffen.
Vielen Dank für das Interview!
Mehr Informationen zur Gründung der VR Bank Stiftung Bamberg-Forchheim hat die Bank in einer Pressemitteilung veröffentlicht.