Heimatgestalter: Ein Gespräch mit Freyungs Bürgermeister Olaf Heinrich, warum es sich lohnt, als Kommune auf Genossenschaften zu setzen.
Neue Besucherinnen und Besucher merken es schnell: Die Saunaoase Freyung – kurz „Sofy“ – bietet vom Service bis zur Ausstattung ein Niveau, das jedem Vergleich standhält. Auf einer Fläche von 700 Quadratmetern gibt es eine finnische Panoramasauna, eine Salzsauna, ein Sanarium, ein Aromadampfbad, einen Eisbrunnen sowie Erlebnisduschen. Die Ausstattung stammt von Klafs, dem nach eigenen Angaben weltweit führenden Saunahersteller aus Schwäbisch Hall. Von allen Saunen aus genießen die Gäste einen Blick auf das angrenzende Freyunger Naturbad sowie auf das Schloss Wolfstein. Ergänzt wird das Angebot durch einen großzügigen Ruhebereich im Dachgeschoss und ein Bistro.
Am 13. März 2025 nahm die Sofy ihren regulären Betrieb auf. Auch das Bayerische Fernsehen berichtete über die Eröffnung, die Sauna schaffte es sogar in die Tagesthemen der ARD. Besonders interessierten sich die Medien dabei für ein Thema: Hinter der Sauna steht eine Genossenschaft, die Saunaoase Freyung eG. Eine Besonderheit, die es in Deutschland so wahrscheinlich kein zweites Mal gibt.
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Mit der Kamera zu Besuch: „Profil“ bei der Saunaoase Freyung eG. Video: Karl-Peter Lenhard
Ziel: Mit einer Sauna die Region aufwerten
Initiator der Saunagenossenschaft ist Olaf Heinrich, Erster Bürgermeister der Stadt Freyung und überzeugter Verfechter der Genossenschaftsidee. Im Jahr 2014 hatte er schon einmal die Gründung einer Genossenschaft vorangetrieben, um die traditionsreiche Brauerei Lang in Freyung zu retten, die kurz vor dem Verkauf an einen überregionalen Investor stand (siehe dazu auch das Interview mit Olaf Heinrich in „Profil“-Ausgabe 3/2026). 2021 gründete der Bürgermeister gemeinsam mit zahlreichen Mitstreitern die Saunaoase Freyung eG mit dem Ziel, die ehemalige Umkleide des Freibads in eine moderne Saunalandschaft zu verwandeln und so auch die Region aufzuwerten. Heinrich ist bei beiden Genossenschaften Aufsichtsratsvorsitzender.
Sowohl bei der Brauerei Lang als auch bei der Saunaoase sei klar gewesen, dass sie nur erfolgreich sein werden, wenn möglichst viele Akteure mitwirken und als Multiplikatoren auftreten, meint Heinrich. „Genossenschaften ermöglichen unmittelbare Teilhabe der Bevölkerung an der Entwicklung ihres Lebensumfelds. Sie sind ein niederschwelliges, demokratisches Mittel, um mit dem eigenen Geld Heimat zu gestalten.“ Das sei auch bei der Saunaoase gelungen. „Die Genossenschaft hat ein Gebäude, das über Jahrzehnte leer stand, mit neuem Leben gefüllt. Hier haben die Mitglieder mit ihrem Geld und ihrem Engagement eine wichtige Ergänzung des Freizeitangebots geschaffen“, betont der Erste Bürgermeister. Die Sofy sei die einzige Saunalandschaft im gesamten Landkreis Freyung-Grafenau – und dies in genossenschaftlicher Hand.
Blick auf die Sofy in Freyung: Aus einer heruntergekommenen alten Umkleide ist eine moderne Saunalandschaft geworden.
Die nächste öffentliche Sauna ist knapp eine Autostunde entfernt
Viele Einheimische sowie Gäste aus Nah und Fern wissen die Sofy mittlerweile sehr zu schätzen. „In jedem Fall eine Bereicherung für die ganze Region“, sagt eine Frau aus der Nachbarstadt Grafenau, die mit ihrem Mann regelmäßig in die Saunaoase kommt. Genossenschaft und Stadt hätten mit dem Angebot eine Lücke geschlossen. Früher habe man weite Wege bis nach Passau, Deggendorf oder Zwiesel in Kauf nehmen müssen, um eine öffentliche Sauna zu besuchen. „Von Freyung braucht man dafür mit dem Auto je nach Verkehrslage 45 Minuten bis zu einer Stunde – das macht man nur, wenn man eingefleischter Saunagänger ist. Daher kommt uns die Sofy sehr gelegen“, ergänzt der Ehemann.
„Ein tolles Angebot, ich komme regelmäßig, im Winter bis zu dreimal die Woche“, sagt ein anderer Gast. Er ist auch Mitglied der Genossenschaft. Eine Selbstverständlichkeit, wie er findet. „Von nichts kommt nichts. Ohne das Engagement der Genossenschaft gäbe es in Freyung keine Sauna. Wenn ich davon profitiere, sollte ich auch bereit sein, das zu unterstützen, indem ich Mitglied werde und meinen Beitrag leiste.“
Panoramablick von der Sauna auf das Naturbad. Im Sommer sorgen Gardinen an den fast raumhohen Fenstern dafür, dass die Privatsphäre der Saunagänger gewahrt bleibt.
Besucher sind zufrieden bis hellauf begeistert
Finanzvorstand Peter Sammer und Technikvorstand Fritz Zellner können die Aussagen der Saunagäste bestätigen. „Ein Großteil der Nutzerinnen und Nutzer ist sehr zufrieden bis hellauf begeistert, viele kommen im Winter mehrmals die Woche“, berichten sie. Den beiden Vorständen ist anzumerken, dass sie stolz darauf sind, was bisher schon erreicht wurde. Da ist zum Beispiel der großzügige Ruheraum unter dem Dach. Liegen und Liegeinseln laden unter dem alten Dachgebälk zum Verweilen ein, Bilder einheimischer Fotokünstler zieren die Wände, durch die Lichtkuppeln dringt Tageslicht in den Raum. „Vor dem Umbau war die ehemalige Umkleide des Freibads eine staubige, zugige, dunkle Rumpelkammer. Es gab keine Dämmung und keinen Estrich. Wir haben dann das ganze Gebäude energetisch saniert, um beim Betrieb möglichst viel Energie zu sparen“, berichtet Technikvorstand Zellner.
Hohe Aufenthaltsqualität: Der Ruheraum der Saunaoase Freyung im Obergeschoss des Gebäudes.
Moderne Technik sorgt für hohe Energieeffizienz
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz spielen beim Betrieb der Sauna eine wichtige Rolle, das verrät ein Blick in die Technikräume. Die Anlage ist an das örtliche Wärmenetz angeschlossen, eine Fußbodenheizung sorgt überall für angenehme Raumtemperaturen. Der Strom kommt so weit als möglich von der eigenen PV-Anlage auf der Südseite des Dachs mit einer installierten Leistung von 24 Kilowatt. Besonders stolz ist Zellner auf die zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Dabei erwärmt die Abluft des Gebäudes und der Saunen in einem Wärmetauscher die von außen angesaugte Frischluft, ehe diese in das Innere gelangt. Mindestens 80 Prozent der Wärmeenergie wird so zurückgewonnen, die Temperaturdifferenz zwischen Zu- und Abluft beträgt nur wenige Grad. „Abgesehen davon haben wir dank der energieeffizienten Belüftung bei uns in der Sauna immer gute Luft und es riecht nach frischem Holz. Das ist in anderen, vor allem älteren Saunen nicht immer der Fall“, sagt Zellner.
In der finnischen Sauna weist der Technikvorstand auf ein weiteres, nicht sichtbares Detail hin. Damit die Gäste bei Lufttemperaturen zwischen 85 und 90 Grad Celsius keine heißen Füße bekommen, wurde dort eine Bodenkühlung verbaut. Die dort abgeführte Energie wird ebenfalls dem Heizkreislauf zugeführt. In den Sommermonaten wird diese Wärme zudem zur Unterstützung der Warmwasserbereitung genutzt. Alles in allem sind die Vorstände mit dem Energieverbrauch sehr zufrieden. „Wir haben in Bezug auf die Berechnungen eine Punktlandung hingelegt, liegen sogar etwas günstiger“, berichtet Zellner, der Versorgungstechniker gelernt hat und jahrelange Erfahrung in der Planung von haustechnischen Anlagen vorweisen kann, auch für Schwimmbäder und Saunen.
Vom Dampfbad bis zur finnischen Sauna: Im ganzen Gebäude sorgt eine ausgeklügelte Lüftungstechnik nicht nur für eine hohe Energieeffizienz, sondern auch für gute Luft.
1,7 Millionen Euro Investitionssumme
1,7 Millionen Euro hat die Genossenschaft bisher in die Saunaoase investiert, aufgeteilt auf die Geschäftsanteile der Genossenschaftsmitglieder, Bankdarlehen sowie Fördermittel. 133 Mitglieder hat die Genossenschaft aktuell. Diese haben insgesamt 343 Anteile à 1.000 Euro gezeichnet (Stand: Mai 2026). Der höchste Anteil einer Privatperson beträgt 15.000 Euro, die Stadt Freyung ist mit insgesamt 70.000 Euro an der Genossenschaft beteiligt. Vor allem in den Wintermonaten ist die Saunaoase gut ausgelastet, die beiden Vorstände sind zufrieden. Trotzdem müssen sie mit spitzem Bleistift kalkulieren. Denn statt wie geplant im Herbst 2024 konnte die Sauna erst im März 2025 eröffnen, weil verschiedene Gewerke später als vorgesehen fertig wurden und dadurch der ursprüngliche Zeitplan nicht mehr eingehalten werden konnte. Die geplanten Einnahmen der Wintermonate 2024/2025 fehlen nun in der Kalkulation. Baubeginn war im Februar 2024.
Immerhin verfügt die Genossenschaft über eine weitere Einnahmequelle, denn sie betreibt im Untergeschoss des Saunagebäudes den Kiosk des städtischen Naturbads, mit dem sie sich auch den Eingang teilt. Die Stadt Freyung hatte beschlossen, das marode Freibad in ein Naturbad umzubauen. Eröffnung war im Juli 2025, wenige Monate nach der Sauna. „Die Einnahmen des Kiosks sind natürlich wetterabhängig, doch an einem heißen Sommertag kommen schon mal 800 bis 900 Badegäste ins Naturbad“, sagt Finanzvorstand Peter Sammer, Sparkassenbetriebswirt und ehemaliger Teamleiter der Sparkasse Freyung-Grafenau.
Ein Kassenautomat für Sauna und Naturbad
Weil sich Saunaoase und Naturbad den Eingangsbereich teilen, übernimmt die Genossenschaft auch gleich Kasse und Zugangsverwaltung für das Bad. Die Gäste können am dort aufgestellten Kassenautomaten auswählen, ob sie in die Sauna oder ins Naturbad wollen, und dann entweder mit Karte oder bar bezahlen. „Kartenzahlungen sind uns wegen des geringeren Aufwands lieber, trotzdem verzeichnen wir immer noch einen erheblichen Barumsatz“, berichtet Sammer. Mit ihrem Ticket passieren die Gäste dann die automatische Zugangskontrolle zum Bad oder in die Sauna.
Es gibt täglich was zu tun, auch am Wochenende
So kommt die Genossenschaft im Eingangsbereich ohne Personal aus. „Mit unserem digitalen Eintrittssystem und der Übernahme des Kiosks hat die Stadt in diesem Bereich keinen Personalaufwand mehr für das Bad. Das ist nicht nur für die Genossenschaft, sondern auch für die Stadt ein erheblicher Mehrwert“, sagt Finanzvorstand Sammer. Er und Technikvorstand Zellner arbeiten hingegen ehrenamtlich für die Genossenschaft. Die Stunden hierfür zählen sie lieber nicht. Zellner war vor allem in der Bauphase als Projektleiter stark beansprucht, während Sammer als ehemaliger Banker sich um den allfälligen Zahlungsverkehr kümmert. „Rechnungen prüfen, Einnahmen und Ausgaben verbuchen, den Kassenautomaten betreuen, es gibt täglich was zu tun, auch am Wochenende“, berichtet Sammer. „Genau genommen haben wir beide einen Vollzeitjob. Da spart sich die Genossenschaft viel Geld. Trotzdem macht die Arbeit auch viel Spaß“, ergänzt Zellner.
Finanzvorstand Peter Sammer (li.) und Technikvorstand Fritz Zellner vor dem Kassenautomaten der Saunaoase. Die Tageskarte für die Sofy kostet 15 Euro.
Die Tageskarte für die Saunaoase Freyung kostet übrigens 15 Euro. In vielen anderen Saunen wird man für diesen Preis nicht mal zum verbilligten Abendtarif eingelassen. „Es hat sich aber noch niemand beschwert, dass wir zu günstig sind“, meint Sammer. Dafür habe sich das Angebot der Saunaoase mittlerweile herumgesprochen. „Bis aus Österreich und Tschechien kommen die Gäste, sogar eine Reisegruppe aus Prag war schon bei uns. Vor allem im Winter kommen viele Besucher aus dem nahegelegenen Skizentrum Mitterdorf, um sich nach einem langen Skitag bei uns in der Sauna zu erholen“, berichtet der Finanzvorstand.
Hoffen auf den zweiten Bauabschnitt
Mittlerweile besuchen an manchen Wintertagen so viele Gäste die Sofy, dass es insbesondere zu den Aufgüssen in der finnischen Sauna – meistens professionell durchgeführt von Saunameister Sepp Ranzinger – recht eng wird. Deshalb wünschen sich Zellner und Sammer gemeinsam mit dem Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Bürgermeister Olaf Heinrich dringlich, dass endlich der von Anfang an geplante zweite Bauabschnitt realisiert werden kann. Vorgesehen sind eine große Panorama-Event-Sauna, in der dann auch die Aufgüsse stattfinden sollen, ein Solepool, ein Saunagarten, eine Sonnenterrasse und Saunaduschen.
Auch dieses Mal hoffen Bürgermeister und Saunavorstände auf das finanzielle Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Sie sind aufgerufen, weitere Anteile zu zeichnen, um die Finanzierung zu sichern. „Gemeinsam können wir den zweiten Bauabschnitt verwirklichen, damit unsere schöne Saunaoase noch attraktiver wird. Wir müssen aber noch einige Anteile verkaufen, um diese Maßnahme vielleicht noch vor dem kommenden Winter umsetzen zu können“, sagt Finanzvorstand Sammer.
Doch angesichts der unsicheren Weltlage hat die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger in Freyung und anderswo, Mitglied bei der Saunagenossenschaft zu werden oder weitere Anteile zu zeichnen, spürbar nachgelassen. Eine Besucherin der Sauna gibt das auch offen zu. Sie gehe sehr gerne in die Sofy, sei aber nicht Mitglied. „1.000 Euro pro Geschäftsanteil kann sich nicht jeder leisten, gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Für viele Menschen ist das sehr viel Geld, zumal die Sauna jedem offensteht, nicht nur Mitgliedern.“ Peter Sammer und Fritz Zellner hoffen trotzdem auf ein gutes Ende. „Weitere Mitglieder zu finden, wird eine Herausforderung, aber wir sind zuversichtlich, dass wir es schaffen“, betonen sie. Die Sofy hätte es mehr als verdient.