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Herr Pointner, die Molkerei Berchtesgadener Land wirbt aktuell mit der Kampagne „Ich bin meinen Preis wert!“ für ihre Produkte. Worum geht es Ihnen dabei?

Bernhard Pointner: Aufgrund der aktuell stark gestiegenen Energiepreise sparen wieder viele Verbraucher – und das auch oder besonders bei Lebensmitteln. Das verstehe ich natürlich. Aber mir ist wichtig, dass unseren Kunden klar wird, dass ihre Kaufentscheidungen weiterreichende Auswirkungen haben. 99 Cent für Butter ist ein Preis, für den man im Berchtesgadener Land keine Milchproduktion betreiben kann. Und das möchte ich den Kunden klarmachen: Lieber Kunde, dein Kauf entscheidet mit über die zukünftige Optik und Biodiversität dieser Region. Ganz wichtig ist auch das Thema Versorgungssicherheit in geopolitisch anspruchsvollen Zeiten. Da sind wir gut beraten, wenn wir wenigstens noch Grundnahrungsmittel im eigenen Land produzieren.


Gefühlt wird alles immer teurer. Können Sie den Impuls der Verbraucherinnen und Verbraucher, zu günstigeren Produkten zu greifen, nachvollziehen?

Pointner: Natürlich haben wir Verständnis dafür, dass Teile der Gesellschaft auf sehr günstige Angebote zurückgreifen müssen. Aber das ist nicht das Gros, und wir reden nicht von rauen Mengen Butter, die konsumiert werden. In Deutschland isst statistisch jeder Mensch 5,3 Kilogramm im Jahr. Und trinkt 46 Liter Milch. Wenn man bei diesen Mengen unsere Produkte kauft, anstatt immer auf das billigste Angebot von irgendwoher zurückzugreifen, dann reden wir im Jahr von 60 Euro Mehrkosten. Oder in der Woche von 1,20 Euro. Wenn ich als Verbraucher einmal die Kinder nicht mit dem Auto in die Schule fahre, dann habe ich schon so viel Kraftstoff gespart, dass das locker drin ist. Eine Dose Energy-Drink weniger, dann ist es auch drin. Letztendlich ist die Frage immer, wofür man sein Geld ausgeben will. Und leider ist die Wertschätzung für Lebensmittel aktuell gerade nicht Prio eins, sollte es aber sein, wenn man bedenkt, dass Lebensmittel auch etwas mit unserer Gesundheit zu tun haben.

„Seit Mitte vergangenen Jahres haben wir eine überdurchschnittliche Milchanlieferung. Nicht nur national und in der EU, sondern weltweit.“

Worauf sind die aktuellen Billigpreise bei Milchprodukten zurückzuführen?

Pointner: Seit Mitte vergangenen Jahres haben wir eine überdurchschnittliche Milchanlieferung. Nicht nur national und in der EU, sondern weltweit wird mehr Milch produziert. Normalerweise fällt immer irgendein stark Milch produzierendes Land durch eine Überschwemmung, Dürre oder Tierseuche aus. Jetzt sind alle Länder im Plus mit Ausnahme Australiens. Auf der anderen Seite haben wir Donald Trump, der mit Zöllen um sich wirft, und in China eine massive Wirtschaftskrise. China importiert normalerweise große Mengen Milchprodukte. Eine toxische Mischung, die es dem Handel ermöglicht, Butterpreise von 99 Cent für 250 Gramm auf dem Markt anzubieten.


Wird sich am aktuellen Preisniveau bei Milchprodukten auf absehbare Zeit etwas ändern?

Pointner: Traditionell sinken die Milchmengen in der zweiten Jahreshälfte, somit sollte auch das Preisniveau nicht weiter absinken. Die Hintergründe dafür liegen in der Natur: Die Landwirte nutzen die gute Futtersituation im Frühjahr vermehrt als Abkalbezeit. Denn direkt nach der Kalbung erreicht die Milchleistungskurve ihren Höhepunkt und fällt in den Folgemonaten stetig ab, was im Herbst zu einer geringeren Milchanlieferung in der Molkerei führt.

Sie stellen in Ihrer Kampagne unter dem Motto „Zusammenhalt“ drei Werte in den Mittelpunkt: Beständigkeit, Sicherheit und Heimat. Welche Botschaften wollen Sie damit transportieren?

Pointner: Nur wenn Verbraucher die heimische Landwirtschaft wertschätzen und bereit sind, die Produkte zu kaufen – auch zu einem etwas höheren Preis –, werden Beständigkeit, Sicherheit und Heimat sowohl für die Verbraucher als auch die Landwirtschaft in der Zukunft erhalten bleiben. Beständigkeit ist dabei ein für unsere Gesellschaft tragender Wert, der in der heutigen, sich ständig wandelnden Welt leider immer mehr verloren geht. Sicherheit in den Lieferketten ist in einer immer mehr vom Welthandel abhängigen Zeit kein Selbstläufer mehr. Zu Coronazeiten haben wir das erlebt, als plötzlich Artikel des täglichen Bedarfs in den Regalen vergriffen waren. Und Heimat ist da, wo wir leben und wirtschaften. Und entlang der Alpenregion ist das auch dort, wo andere Urlaub machen – eine Region, die schützens- und erhaltenswert ist.

„Unsere Landwirte denken und handeln in Generationen. Sie bewirtschaften ihre Höfe und pflegen damit auch die Kulturlandschaft. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“

Wie fördert die Molkerei Berchtesgadener Land die von Ihnen angesprochenen Werte selbst?

Pointner: Nehmen wir als Erstes die Beständigkeit: Unsere Landwirte denken und handeln in Generationen. Sie bewirtschaften ihre Höfe und pflegen damit auch die Kulturlandschaft. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern dafür arbeiten die Landwirte tagtäglich – für ihren Lebensunterhalt, aber auch für uns als Gesellschaft. Zweitens die Sicherheit: Unsere Molkerei verarbeitet den Rohstoff Milch aus der Alpenregion. Wir sind so aufgestellt, dass Landwirte wie Molkerei zum Beispiel auch bei einem Blackout der Stromversorgung melken beziehungsweise die Milch verarbeiten können. So stellen wir sicher, dass auch in unsicheren Zeiten Milch und Milchprodukte – und damit ein Teil der Grundversorgung in unserem Land – sicher sind. Drittens die Heimat: Als Genossenschaft erfassen und verarbeiten wir die Milch unserer 1.500 Landwirte zwischen Watzmann und Zugspitze und zahlen überdurchschnittliche Milchpreise. Damit bleibt die Wertschöpfung in der Region, die Betriebe bleiben in der Landwirtschaft und unsere Kulturlandschaft wird gepflegt.


Die Molkerei Berchtesgadener Land ist eine Genossenschaft. Welche Rolle spielt die Rechtsform für ihr Bestreben, die Wertschöpfung in der Region zu halten?

Pointner: Die Eigentümer unserer Molkereigenossenschaft sind die Milchbauern, also keine Aktionäre oder Inhaberfamilien. Folglich bleibt das verdiente Geld bei unseren Landwirten. Direkt als Milchgeld ausgezahlt, oder als Investition in die Molkerei, was folglich das Milchgeld von morgen ist.

„Unser Ziel ist es, den Strukturwandel zu bremsen und möglichst viele unserer Mitglieder mit einem einträglichen Einkommen in der Landwirtschaft zu halten.“

Was unternimmt die Molkerei Berchtesgadener Land über die Kampagne hinaus, um dauerhaft für nachhaltige Wertschöpfung in der Region zu sorgen und ihre Mitglieder zu unterstützen?

Pointner: Unser Ziel ist es, den Strukturwandel zu bremsen und möglichst viele unserer Mitglieder mit einem einträglichen Einkommen in der Landwirtschaft zu halten. Dazu informieren wir unsere Betriebe frühzeitig zu gesellschaftlichen Themen. So unterstützen wir seit über zehn Jahren den Weg aus der Anbindehaltung, haben dazu finanzielle Anreize wie die Bewegungsprämien eingeführt und im Rahmen der Wissenswerkstatt Stallbau-Seminare für Neu- und Umbaulösungen für kleine Laufställe angeboten. Außerdem fördern wir Investitionen in Energiegewinnung oder Eigenstromspeicherung mit dem Programm Zukunftsbauer.

Welche Rolle spielen Trends und Innovationen bei der Molkerei Berchtesgadener Land, um die Wertschöpfung in der Region zu halten?

Pointner: Nach jahrelanger Kritik erhalten Milch und Milchprodukte aktuell von der Gesellschaft wieder ihre verdiente Wertschätzung als gesundes Lebensmittel. Das kommt uns entgegen. Zusätzlich befeuern sowohl der Trend zu proteinreicher Ernährung und natürlichen Lebensmitteln mit kurzen Zutatenlisten als auch der Wunsch vieler Menschen, bis ins hohe Alter fit zu bleiben, seit einiger Zeit die Nachfrage nach Milchprodukten. Insbesondere proteinreiche Produkte wie Skyr und körniger Frischkäse werden auf Social Media gefeiert, zeigen zweistellige Umsatzzuwächse und waren kürzlich sogar in verschiedenen Handelsketten „out of stock“. Wir greifen solche Trends auf, um die Nachfrage zu bedienen. So haben wir im September 2025 körnigen Frischkäse und im Frühjahr 2026 Skyr erfolgreich eingeführt. Beide Produkte passen hervorragend in unser Sortiment: Sie sind proteinreich und natürliche Lebensmittel mit wenigen Zutaten. So tragen Innovationen dazu bei, neue Absatzmärkte für die Milch unserer Mitgliedsbetriebe zu erschließen, und damit die Wertschöpfung in der Region zu halten.


Herr Pointner, vielen Dank für das Interview!

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