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Das Privatkunden-Team des Regionalbereichs West der VR-Bank Rottal-Inn besteht aus 15 Kundenberaterinnen und -beratern, fünf Servicekräften und drei Azubis. Dem Team zugeordnet ist das Regionalzentrum Gangkofen mit den Geschäftsstellen Geratskirchen, Unterdietfurt, Massing und Neumarkt-Sankt Veit – so weit, so gewöhnlich. Ein Umstand unterscheidet dieses Team jedoch von vielen anderen: Es wird von zwei Müttern in Teilzeit geführt, die sich die Leitungsposition teilen.

Beide Regionalleiterinnen sind Eigengewächse der VR-Bank Rottal-Inn. Margit Durmeier startete 2002 als Auszubildende, arbeitete im Service und als Privatkundenberaterin, ehe sie die Leitung des Regionalbereichs West in Vollzeit übernahm. Als 2025 ihr Sohn auf die Welt kam, ging sie für vier Monate in Elternzeit, um dann in Teilzeit wieder anzufangen. Michaela Heidt begann ihre Lehre 2006, arbeitete ebenfalls im Service und als Privatkundenberaterin, zum Schluss leitete sie stellvertretend eine Geschäftsstelle. Als ihre zwei Kinder, heute fünf und sieben Jahre alt, auf die Welt kamen, blieb sie für viereinhalb Jahre zuhause. Danach war der Plan, als Privatkundenberaterin in Teilzeit zurückzukommen.

Führungsduo muss absolut gleich ticken

Doch Durmeier und die Bank hatten eine andere Idee. „Als ich schwanger war, habe ich mit unserem Vorstandssprecher Albert Griebl darüber gesprochen, dass ich nach der Geburt meines Sohnes relativ schnell in Teilzeit zurückkommen möchte, auch weil ich die Regionalleitung nur ungerne abgeben wollte. Albert hat dann vorgeschlagen, eine zweite Mutter in Teilzeit dazuzuholen, damit wir die Regionalleitung gemeinsam übernehmen“, erzählt Durmeier. Das Gespräch mit Griebl sei sehr positiv verlaufen. „Das probieren wir jetzt einfach mal aus“, habe der Vorstandssprecher gesagt. Durmeiers Wunschkandidatin stand auch sofort fest: Michaela Heidt. „Da wir beide Eigengewächse der Bank sind, kennen wir uns seit 20 Jahren. Wir haben nie direkt zusammengearbeitet, aber wir waren immer in ähnlichen Bereichen eingesetzt. So hat jede gewusst, was sie von der anderen erwarten kann. Wenn sich zwei eine Führungsposition teilen, muss das Duo absolut gleich ticken. Das ist das A und O. Bei der Michaela war ich mir zu 100 Prozent sicher, dass es funktioniert“, sagt Durmeier.

Die Idee einer geteilten Führungsstelle war dabei von Seiten des Vorstands und der Personalleitung wohl überlegt, wie Vorstandssprecher Griebl berichtet: „Wir haben uns mit der grundlegenden Frage beschäftigt: Wie bringen wir mehr Frauen in Führungsrollen? Mit den klassischen Modellen ist uns das vorher nicht ausreichend gelungen. Deshalb haben wir uns bewusst für einen neuen Weg entschieden. Mit der geteilten Regionalleiterstelle konnten wir zwei qualifizierten Müttern gemeinsam eine Führungsposition übertragen – und das auch noch in Teilzeit, was perfekt zur Lebenssituation der beiden passt. Diese Flexibilität, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen, muss man heutzutage als Arbeitgeber haben, um attraktiv zu bleiben.“

Seltene Chance genutzt

Als die Bank auf Michaela Heidt zuging und ihr die geteilte Führungsposition anbot, war diese überrascht. „Ich habe mich schon gefreut, nach viereinhalb Jahren Abwesenheit wieder als Privatkundenberaterin arbeiten zu dürfen, aber dann gleich gemeinsam mit der Margit als Regionalleiterin? Das hätte ich mir nie vorstellen können“, gibt Heidt offen zu. Sie habe lange überlegt und mit ihrer Familie gesprochen, doch die habe ihr Rückendeckung gegeben. „Mein Ehemann und meine Eltern unterstützen mich. Ohne geht es nicht, denn der Haushalt zuhause will ja auch organisiert werden“, sagt Heidt. „Zudem sollten meine Kinder keine Nachteile haben, nur weil die Mama ebenfalls eine verantwortungsvolle Position im Job besitzt. Das war mir wichtig.“ Andersherum war Heidt klar: „Dass Mütter in Teilzeit so eine Chance bekommen, ist selten, deswegen habe ich sie auch genutzt.“

Seit Anfang 2025 teilen sich Durmeier und Heidt die Leitung des Regionalbereichs West. Bis Februar 2025 war Durmeier noch mit an Bord und führte Heidt in den Job ein, danach verabschiedete sie sich für vier Monate in die Babypause. „Die Anfangszeit war schon happig. Ich musste mich erst in die ganzen Themen hineinfinden, und Margit war als Unterstützung nicht mehr da“, berichtet Heidt. Ihr sei es aber auch wichtig gewesen, die Kollegin in der Babypause in Ruhe zu lassen und nicht ständig anzurufen. Als Durmeier im Juli 2026 wiedergekommen sei und sie sich die Stelle dann wie vorgesehen teilen konnten, sei auch zeitlich vieles einfacher geworden. „Margit hat für mich alles perfekt vorbereitet, die Übergabe war top, trotzdem musste sich alles erstmal finden, denn auch im Team musste erstmal ankommen, dass ich nun Führungskraft bin und nicht mehr Kollegin“, berichtet Heidt. Alles in allem habe es rund ein Jahr gebraucht, bis sie in allen Themen voll angekommen sei.

Umfangreiche Jobbeschreibung

Die Jobbeschreibung einer Regionalleitung bei der VR-Bank Rottal-Inn ist umfangreich. „Wir sind verantwortlich für den Betrieb der uns zugeteilten Zweigstellen. Zudem coachen wir unsere Beraterinnen und Berater für ein bestmögliches Beratungsergebnis und bieten vor allem den jungen Kolleginnen und Kollegen Unterstützung an, damit sie gut in ihren Job hineinfinden. Darüber hinaus leisten wir Hilfestellung jeglicher Art, wenn es doch einmal zu Problemen kommen sollte, zum Beispiel weil Kunden unzufrieden sind“, zählt Durmeier auf.

Zu den Führungsaufgaben gehört auch die Stellenbesetzung im Team. „Wenn eine Stelle ausgeschrieben ist, schauen wir uns die Bewerbungen an und entscheiden, wen wir einladen wollen. Manchmal bekommen wir das Problem aber auch durch eine Personalrochade im Team gelöst, wenn zum Beispiel eine Kollegin schwanger wird oder jemand in Altersteilzeit geht“, sagt Heidt. Außerdem obliegt es der Regionalleitung, über Sonderkonditionen zu entscheiden. Im Gegensatz zu anderen Regionalleitern haben Durmeier und Heidt keine eigenen Kunden mehr. „Das geht sich zeitlich nicht aus, obwohl es uns schwerfällt, weil wir immer gerne in der Beratung gearbeitet haben“, sagt Heidt.

Klare Aufteilung der Erreichbarkeit

Durmeier hat ihre Arbeitszeit aktuell auf 30 Prozent einer Vollzeitstelle reduziert, Heidt auf 60 Prozent. Den Job haben sich die beiden Regionalleiterinnen zeitlich klar aufgeteilt. Durmeier arbeitet Montag und Dienstag, Heidt Mittwoch bis Freitag. Dadurch wissen die Mitarbeitenden immer, wer gerade ansprechbar ist. Gearbeitet wird jeden Tag in einer anderen Zweigstelle. „So sind wir auch räumlich immer in der Nähe unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Durmeier.

Auch für Entscheidungen und Absprachen haben die beiden klare Regelungen getroffen. „Weil wir ziemlich genau wissen, wie die andere tickt, treffen wir einfache Entscheidungen im Alltag meist allein. Das passt dann auch. Wenn es um wichtige Absprachen geht, dann organisieren wir kurzfristig ein Teams-Meeting oder wir telefonieren uns zusammen“, sagt Heidt. Sich wegen jeder Kleinigkeit permanent abzustimmen, habe sich als unrealistisch herausgestellt. „Das war eine der ersten Lektionen, die wir lernen mussten. Umso wichtiger ist es, dass die andere immer weiß, was gerade anliegt und was entschieden wurde“, ergänzt Durmeier.

Die meiste Kommunikation läuft digital

Die meiste Kommunikation läuft dabei digital und folgt einfachen Regeln. Zum Beispiel haben Durmeier und Heidt für alle Kolleginnen und Kollegen im Team sowie zu anderen Einheiten wie Vertriebsmanagement, Marketing oder Controlling Dreier-Chatgruppen in Microsoft Teams angelegt. „Wenn sich eine Kollegin oder ein Kollege per Teams meldet, antwortet immer diejenige von uns, die gerade im Dienst ist, die andere kann aber automatisch mitlesen, was Sache ist“, erklärt Durmeier.

Die Umstellung auf Microsoft 365 bei der VR-Bank Rottal-Inn sei für die Zusammenarbeit ein „Gamechanger“ gewesen. „Wir arbeiten ganz viel mit OneNote. Dort schreiben wir alles zusammen, wer was entschieden hat, und schieben es der anderen in die Akte. Dann kann diese alles lesen und wenn es notwendig ist, dann tauschen wir uns eben per Teams oder Telefon aus“, sagt Heidt. Im Wesentlichen gehe es dabei um die Genehmigung von Sonderkonditionen, aber auch darum, welche Einrichtungen im Geschäftsgebiet eine Spende erhalten sollen, welche Veranstaltungseinladungen interessant sind, oder welche Bewerberinnen und Bewerber für eine offene Stelle überhaupt eingeladen werden.

Wichtig ist ein offener und ehrlicher Umgang

Die Zusammenarbeit habe sich mittlerweile sehr gut eingespielt, berichten Durmeier und Heidt übereinstimmend. „Trotzdem lernen wir immer noch. Das Wichtigste an unserer geteilten Führungsstelle ist, dass wir einen offenen, ehrlichen und direkten Austausch pflegen, dass jede der anderen alles sagen kann, und dass keine der anderen böse ist, wenn die Meinungen doch mal auseinandergehen“, sagt Durmeier. „Wir sind sehr direkt zueinander, aber das ist eigentlich das, was uns wirklich weiterbringt. Und die Disziplin, dass wir wirklich alles aufschreiben“, ergänzt Heidt.

Jobsharing lässt Raum für Kreativität

Beide Regionalleiterinnen sind der Auffassung, dass das Jobsharing am Ende allen zugutekommt. „Als ich Vollzeit gearbeitet habe, blieb selten Zeit, über die Arbeit zu reflektieren. Jetzt, wo ich zwei Tage zuhause bin und mir Auszeiten nehmen kann, kann ich viel mehr über die Arbeit nachdenken. Wenn man bestimmte Dinge mit etwas Abstand betrachtet, sieht man sie oft ganz anders. Da werde ich richtig kreativ und überlege mir zum Beispiel, wie ich ein wichtiges Gespräch am besten angehe“, erzählt Heidt.

Zusätzlich könne bei einer geteilten Stelle jeder seine Stärken einbringen, wie Durmeier ergänzt. „Jede von uns hat Tätigkeiten und Aufgabenbereiche, die sie lieber erledigt als andere. Ich kenne mich zum Beispiel gut in der Regulatorik aus, Michaela mag Zahlen lieber. Das teilen wir uns bestmöglich auf. So ergänzen wir uns ideal.“ Auch durch den Austausch entstünden viele Impulse. „Wenn man im Job allein ist, fährt jeder auf seiner Schiene. Weil wir regelmäßig miteinander reden und unsere Meinung einbringen, kommen wir auf ganz andere Ideen. So kommen wir auch bei schwierigen Themen meist auf eine gute Lösung.“

Neue Perspektiven werden sehr geschätzt

Im Team sei die weibliche Doppelspitze anfangs verhalten aufgenommen worden. „Das war für die Mitarbeitenden erstmal eine neue Situation. Bis auf Margit gab es bis dahin nur Männer in der Regionalleitung, und dann auf einmal zwei Mütter in Teilzeit, das war für manche schon eine Umstellung. Aber wir haben schnell die Spielregeln klargemacht, und dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen“, betont Heidt. Die anfängliche Skepsis habe sich dann schnell gelegt. „Die Mitarbeitenden wissen, dass wir uns eng austauschen und die Entscheidungen der jeweils anderen mittragen. Mittlerweile sehen sie auch, dass wir als Frauen manche Dinge vielleicht etwas anders handhaben, aber keinesfalls zum Schlechteren für das Team“, sagt Durmeier.

Auch bei den Regionalleiterbesprechungen werde die weibliche Perspektive geschätzt. Die Zusammenarbeit mit den anderen Regionalleitern sei harmonisch und offen. „Wir sehen manche Dinge vielleicht aus einem anderen Blickwinkel, aber daraus entstehen dann Ideen, auf die eine reine Männerrunde vielleicht nicht gekommen wäre. Von unseren Vertriebsdirektoren haben wir auf jeden Fall das Feedback bekommen, dass Frauen der Runde guttun“, sagt Heidt.

Vorstand bewertet Jobsharing sehr positiv

Und wie bewertet der Vorstand der VR-Bank Rottal-Inn die geteilte Leitung des Regionalbereichs West? „Sehr positiv“, sagt Vorstandssprecher Albert Griebl. „Das Jobsharing hat sich in der Praxis bewährt, weil Margit und Michaela als Duo sehr gut harmonieren. Sie haben ein gemeinsames Führungsverständnis, vertrauen sich und stimmen sich eng ab. Das wirkt sich positiv aufs ganze Team aus und auch die männlichen Regionalleiterkollegen profitieren im Austausch von einer weiblichen Sichtweise.“ Es gebe bereits weitere Beispiele geteilter Führung in der Bank, etwa in der Immobilienvermittlung. Dennoch sind geteilte Führungspositionen für Griebl kein Allheilmittel oder Selbstzweck, wie er betont: „Für uns ist entscheidend, dass das Modell zur Aufgabe, zu den Menschen und zu uns als Bank passt.“

Frischer Wind in der Bank

Für Margit Durmeier und Michaela Heidt jedenfalls hat sich die geteilte Stelle bewährt. „Es ist eine Seltenheit, dass Mütter in einer Bank so eine Chance bekommen. Wir empfinden es als sehr wertschätzend, dass der Vorstand bereit war, mit uns diesen Weg zu gehen. Es gefällt uns, dass wir als weibliches Führungsduo frischen Wind in die Bank bringen und manchmal einen etwas anderen Weg einschlagen“, sagt Durmeier. Beide würden das Wagnis, sich die Regionalleitung zu teilen, sofort wieder eingehen. Da die Kinder der beiden noch sehr jung sind, sei die Stellenteilung erstmal auf Dauer angelegt. „Wir werden den Job noch viele Jahre lang gemeinsam rocken“, ist Heidt überzeugt.

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