Erholung pur: Wohin soll es im Urlaub gehen? „Profil“ präsentiert genossenschaftliche Ausflugstipps – vom Wanderprofi bis zum Weinliebhaber ist für jeden etwas dabei.
Die Breitachklamm bei Oberstdorf ist einer der Touristenmagneten in der Bergwelt des Oberallgäus. Bis zu 350.000 Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr, um die Klamm mit der tosenden Breitach und den eng zusammenstehenden Felswänden zu durchwandern. Genauso prägend für die Region ist die Walserschanz, die ehemalige Grenzstation zwischen Deutschland und Österreich am oberen Klammausgang. Rund zwei Millionen Pkw passieren die Walserschanz jedes Jahr, denn sie liegt unmittelbar an der Bundesstraße, die von Oberstdorf in die beliebte Urlaubsregion Kleinwalsertal führt.
Aktuell bietet das Gebäude, das bis 2013 ein Gasthaus mit Hotel beherbergte, einen recht trostlosen Anblick. Bauzäune, staubige Fenster und eine verwilderte Terrasse zeugen davon, dass hier schon lange kein Gast mehr willkommen geheißen wurde. Doch das soll sich ändern: Die Genossenschaft Breitachklammverein eG, die auch die Klamm unterhält, hat die Walserschanz gekauft und möchte ihr neues Leben einhauchen. In Zukunft sollen in dem Gebäude wieder eine Gastronomie und die „Klamm-Erlebniswelten“ unterkommen. Die Ausstellung soll den Besucherinnen und Besuchern die Lebenswelt der Klamm, die Geschichte ihrer Erschließung sowie ihre erdgeschichtliche Entstehung näherbringen. Die Eröffnung ist für das Jahr 2027 geplant.
Denkmalschutz legt Veto ein
Doch der Reihe nach. Denn bis die ersten Handwerker im Herbst 2025 Hand an das Gebäude legten, musste die Genossenschaft einen langen Weg beschreiten. Nachdem sie 2016 das historische Gasthaus aus dem Jahr 1936 mit dem umliegenden Areal von der bisherigen Wirtin Elisabeth Müller gekauft hatte, beschloss die Generalversammlung 2021, das Gebäude abzureißen und durch einen deutlich kleineren Neubau mit Gastronomie und einer kleinen Ausstellung zu ersetzen. „Das Vorhaben war schon genehmigt, doch dann erfuhr der Landesgestaltungsbeirat Vorarlberg von den Plänen und legte Anfang 2022 sein Veto ein“, erzählt Betriebsleiter Dominik Fritz. Die Bedeutung des Gebäudes an diesem historischen Standort stehe einem Abriss entgegen, so die Begründung. Die Walserschanz befindet sich zwar direkt an der Grenze, aber schon im österreichischen Vorarlberg, deshalb sind die dortigen Behörden für die Baugenehmigung zuständig.
Der Landesgestaltungsbeirat Vorarlberg schaltete auch das Bundesdenkmalamt in Wien ein. Nach mehreren Gesprächen mit den österreichischen Denkmalschützern stand fest: Die Pläne für die Nutzung der Walserschanz werden neu ausgerichtet, die Genossenschaft prüft eine Nutzung im Bestand. „Damals war das für uns ein Wahnsinn, im Nachhinein erwies sich die Entwicklung als Glücksfall“, schildert Fritz die Situation. Denn die Ablehnung der Neubaupläne gab der Genossenschaft die Möglichkeit, nochmal neu zu denken und die Walserschanz in ein touristisches Gesamtkonzept für die Breitachklamm einzubeziehen.
Der Grenzgasthof Walserschanz liegt auf österreichischer Seite direkt an der Grenze zu Deutschland. Die Mauer im Vordergrund gehört zur Brücke über den Schanztobel, der die Grenze markiert. Klammwanderer überqueren den Schanztobel und damit die Grenze auf einer kleinen Holzbrücke.
Umbau im Bestand statt Neubau
Im Zuge der Neukonzeption arbeitete die Genossenschaft mit verschiedenen Partnern heraus, dass die Walserschanz mit ihrer historischen Bedeutung mehr sein soll als nur Start- beziehungsweise Endpunkt für Klammwanderer. Stattdessen soll sie den Besuchern ein eigenständiges Erlebnis bieten. Gleichzeitig verfolgte die Genossenschaft das Ziel, die beiden Endpunkte der Klamm, die Walserschanz am oberen und das bereits existierende, moderne Besucherzentrum Tiefenbach am unteren Ausgang, inhaltlich stärker miteinander zu verklammern. Dieser Ansatz überzeugte auch das Bundesdenkmalamt in Wien. In enger Abstimmung mit der Genossenschaft stellte die Behörde im Herbst 2023 Teile des ehemaligen Gasthauses unter Denkmalschutz, unterstützte aber zugleich einen Umbau im Bestand, damit die Walserschanz als Erlebnisort wiederbelebt werden kann. Sowohl das Bundesdenkmalamt als auch das Land Vorarlberg fördern die Sanierung des denkmalgeschützten Gasthauses mit dem Ziel, es fachgerecht zu erhalten und eine zukunftsorientierte Nutzung zu ermöglichen.
Was fehlte, war ein Konzept, wie die Walserschanz wieder zum Leben erweckt werden kann. Dafür setzte die Genossenschaft ein Projekt auf und bezog grenzüberschreitend verschiedene Akteure aus Oberstdorf und dem Kleinwalsertal in das Projekt ein. Am Ende stand fest: Neben einer Gastronomie ziehen die „Klamm-Erlebniswelten“ in das Gebäude ein.
Das Besucherzentrum der Breitachklamm in Tiefenbach am unteren Ausgang der Klamm, sozusagen das Gegenstück zur Walserschanz auf deutscher Seite. Das Besucherzentrum Tiefenbach wird konzeptionell in die Pläne für die Walserschanz einbezogen, um beide Standorte besser zu vernetzen.
Fünf Millionen Euro Investitionen
Insgesamt fünf Millionen Euro investiert die Genossenschaft in die Walserschanz, davon fließt eine Million Euro in die Einrichtung der Klamm-Erlebniswelten. 750.000 Euro erhält die Breitachklammverein eG als Zuschuss aus dem Interreg-Förderprogramm Bayern-Österreich der EU. Mit dem Programm zur „europäischen territorialen Zusammenarbeit“ unterstützt die EU seit über 30 Jahren grenzüberschreitende Kooperationen, die das tägliche Leben beeinflussen. Insgesamt wurden bereits fünf Projekte der Genossenschaft über Interreg gefördert, wie Betriebsleiter Dominik Fritz berichtet. „Erst wurde der Ideenwettbewerb für die künftige Nutzung der Walserschanz unterstützt, dann das Gesamtkonzept zur touristischen Zukunft der Breitachklamm, später die Konzeption der Ausstellung, und nun die Umsetzung der Klamm-Erlebniswelten. Außerdem wurde unser Projekt zur besseren Verbindung der beiden grenzüberschreitenden Klamm-Orte Walserschanz und Tiefenbach gefördert.“
Blick vom Weg zur Klamm auf die Walserschanz: Mit den Klamm-Erlebniswelten will die Genossenschaft das Naturerlebnis der Breitachklamm mit einem interaktiven Informationsangebot verbinden.
Ausstellung über drei Stockwerke
Bei einer Führung durch das Gebäude im Juni 2026 stellt Betriebsleiter Dominik Fritz das Konzept vor. Im Erdgeschoss soll im ersten Raum die Tier- und Pflanzenwelt der Breitach erläutert werden. Die Besucherinnen und Besucher werden dabei interaktiv in die Ausstellung einbezogen, zum Beispiel mit einem Memory-Spiel zur Vogelwelt der Klamm. Eine besondere Stellung wird der Alpensalamander erhalten. „Diese seltenen Tiere sind typisch für die Klamm. Nach einem Regenguss kommen sie zu Hunderten aus ihren Verstecken – bei viel Betrieb in der Klamm sind sie aber auch schnell wieder verschwunden“, erzählt Fritz.
In einem abgedunkelten Verbindungstunnel im Erdgeschoss wird eine große Projektionsfläche installiert, auf der das Naturwunder Breitachklamm digital erlebbar wird. Anschließend erfahren die Besucherinnen und Besucher mehr über die erdgeschichtliche Entstehung der Klamm. In einem weiteren Raum sollen kurze Filme von zwei bis drei Minuten gezeigt werden. Sie sollen Gäste vor allem emotional ansprechen. Längere Filme seien wegen der verkürzten Aufmerksamkeitsspanne vieler Menschen nicht mehr zeitgemäß, meint Fritz.
Blick in die ehemalige Küche des Grenzgasthofes Walserschanz. Der Gastraum soll erhalten bleiben und möglichst originalgetreu saniert werden.
Geschichten über die Klamm und ihre Erschließung
Während von der Talseite gesehen der erste Stock weiterhin der Gastronomie vorbehalten ist (bergseitig wird der Gastraum wegen der Hanglage ebenerdig zugänglich sein), sollen im zweiten Stock Geschichten über die Klamm und ihre Erschließung erzählt werden (mehr zur Geschichte der Breitachklamm auf der Webseite der Genossenschaft). Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich der Tiefenbacher Pfarrer Johannes Schiebel mit weiteren Bürgern dafür ein, die Breitachklamm zu erschließen. Zur Umsetzung und Finanzierung des Vorhabens wurde der Breitachklammverein als Genossenschaft gegründet. Am 4. Juni 1905 wurde der Weg durch die Klamm offiziell eröffnet.
Geplant ist, die Geschichten hinter Dokumenten und Bildern zu erzählen. Auch Zeitzeugen sollen in Originalaufnahmen zu Wort kommen. „Wir wollen Geschichte lebendig werden lassen, aber nicht wie ein klassisches Museum“, sagt Fritz. Die Gründung der Genossenschaft zum Beispiel sei mit einem wilden Schriftverkehr mit dem königlichen Amtsgericht einhergegangen. „Dazu kann man viel erzählen.“ Ebenso wird der Tiefenbacher Alpinist Seraphim Schöll vorkommen, der sich kurz vor Weihnachten 1875 als erster Mensch überhaupt in die eisige Klamm abseilte, um einen Hirsch zu bergen, der vom Oberstdorfer Förster Schwarzkopf erlegt und dann in die Schlucht gestürzt war.
An vielen Stellen ist im Gebäude ist noch erkennbar, was die Walserschanz bis 2013 war: Ein Gasthof mit Hotel für viele Urlaubsgäste.
Geschichte der Walserschanz erhält eigenen Raum
Im ersten Stock wird es auch eine Fläche für Sonderausstellungen geben. Ein Raum auf dieser Ebene ist für die Geschichte der Walserschanz reserviert (mehr zur Geschichte der Walserschanz als Grenzort gibt es hier). Die Ausstellung soll gleichermaßen Kinder wie Erwachsene ansprechen. „Was für Kinder interessant ist, funktioniert auch für Erwachsene“, erläutert Fritz den Anspruch der Genossenschaft. Es dürfe nicht passieren, dass Erwachsene die Frage eines Kindes zu Ausstellungsthemen nicht beantworten können. An einem Bildschirm werden die Besucherinnen und Besucher Gelegenheit haben, digital bestimmte Punkte der Klamm anzufliegen. Geplant sind außerdem ein begehbares Archiv, eine Leseecke und Informationen, wie die Klamm instandgehalten wird. „Im Frühjahr, wenn der Schnee geschmolzen ist, schließen wir die Klamm für drei bis fünf Wochen zur Instandhaltung. Dann klettern zwölf bis 15 Industriekletterer alle Felsen ab und werfen jeden lockeren Stein hinunter, der die Besucher gefährden könnte. Im Herbst gibt es nochmal eine Schließphase, in der wir bei Bedarf Wege und Felssicherungen sanieren“, erklärt Fritz.
Der Zustand der Walserschanz im Juni 2026: Kaum vorstellbar, dass dort einmal die Klamm-Erlebniswelten Einzug halten. Doch 2027 soll es soweit sein.
Offene Decke verschafft den Erlebniswelten mehr Raum
Die Decke zwischen Obergeschoss und Dachgeschoss wurde im Ausstellungsbereich in weiten Teilen geöffnet, um die Dachkonstruktion sichtbar zu machen und den Klamm-Erlebniswelten insgesamt mehr Raum zu geben. Früher waren in diesem Bereich die Hotelzimmer untergebracht, am Boden sind noch deren Grundrisse zu erkennen. Die Zwischenwände der Zimmer und überzählige Deckenbalken wurden bereits im Frühjahr 2025 entfernt.
Im Dachgeschoss schließlich soll ein 3D-Modell der Klamm aus Gips aufgestellt werden, um deren Dimensionen zu verdeutlichen. Den Abschluss soll ein digitales Kaleidoskop bilden, mit dem die Besucherinnen und Besucher am Ende des Rundgangs durch die Erlebniswelten die Klamm nochmal aus einer völlig neuen Perspektive erleben sollen. Zudem werden im Dachgeschoss Büros untergebracht. Aktuell ist die Verwaltung mit 1,5 Stellen in Tiefenbach untergebracht, sie soll jedoch auf 3,5 bis vier Stellen aufgestockt werden, um auch die Verwaltung der Klamm-Erlebniswelten abzudecken.
Die Breitachklamm im Sommer 2026: In den Klamm-Erlebniswelten können auch Besucherinnen und Besucher die Klamm erleben, die selbst nicht in der Lage sind, die Klamm zu durchwandern.
Erlebniswelten werden barrierefrei erschlossen
Die Ausstellung wird komplett barrierefrei gestaltet, Höhenunterschiede mit Rampen überbrückt. Außerdem verbindet ein Aufzug alle vier Stockwerke miteinander. Bei der Konzeption der Ausstellungswelten arbeitet die Breitachklammverein eG mit einem Planungsbüro aus Innsbruck zusammen, dass sich auf Bauten und Ausstellungen für Naturparks spezialisiert hat.
Noch bestimmen Handwerker das Geschehen
Noch kann man nur erahnen, wie die Klamm-Erlebniswelten in den Räumlichkeiten der Walserschanz einmal tatsächlich aussehen werden. Handwerker ziehen Kabel und Traversen für die Elektrik, viele Räume wurden bereits in den Rohbauzustand mit unverputzten Wänden und nackten Betonböden zurückversetzt, an anderer Stelle treten nach wie vor Relikte des alten Gasthauses zutage, etwa alte Fliesenböden oder Wandbilder. Auch der altertümlich anmutende Herd steht noch in der ehemaligen Küche. Die Bauleitung hat der renommierte Oberstdorfer Architekt Franz Vogler übernommen, der in den 1960er und 1970er Jahren ein bekannter deutscher Skirennläufer war. „Für ihn ist die Walserschanz ein Herzensprojekt und für uns ein Segen“, sagt Fritz.
Dominik Fritz ist seit 2018 Betriebsleiter der Breitachklammverein eG. „Es ist etwas Besonderes, bei diesem Projekt dabei zu sein“, sagt er über den Umbau der Walserschanz und die Gestaltung der Klamm-Erlebniswelten.
Dominik Fritz ist genauso wie der Vorstand der Breitachklammverein eG davon überzeugt, dass die Klamm-Erlebniswelten den Urlaubsgästen viel bieten können und damit die Urlaubsregion nochmal deutlich aufwerten. „Wir haben hier die Möglichkeit, etwas touristisch Bedeutendes zu erschaffen. Diese Gelegenheit bekommt man nicht oft“, meint Fritz. Um die Dimensionen der Klamm-Erlebniswelten deutlich zu machen, wählt der Betriebsleiter einen Vergleich: „In dem ursprünglich geplanten Neubau hatten wir 90 Quadratmeter Ausstellungsfläche vorgesehen, jetzt planen wir im Bestand mit 500 Quadratmetern Ausstellung.“ Man spüre in der Genossenschaft die Lust, etwas voranzubringen. Fritz: „Wir wollen den Pioniergeist der Gründer wieder zum Leben erwecken.“
Die Breitachklammverein eG in Kürze
Die Genossenschaft Breitachklammverein eG wurde 1904 von Pfarrer Johann Schiebel und Tiefenbacher Bürgern gegründet, um die Breitachklamm zu erschließen. Heute hat sie 82 Mitglieder, hauptsächlich Nachfahren der Gründerfamilien. Sie verfügen über 106 Anteile. Neue Mitglieder werden nicht aufgenommen, Genossenschaftsanteile dürfen nur vererbt oder innerhalb der Genossenschaft verkauft werden. Die Breitachklammverein eG unterhält bis heute den Weg durch die Breitachklamm. Refinanziert werden die teils erheblichen Kosten für Unterhalt, Instandsetzung und Sicherung der Klamm durch die Eintrittsgelder der Wanderer. Die Genossenschaft ist in der Region verwurzelt und pflegt ein gutes Verhältnis zu den beiden Anliegerkommunen Oberstdorf und Mittelberg (Österreich). Aufträge werden möglichst regional vergeben, zudem bringt sich die Genossenschaft in die touristischen Gremien der Region ein. Wo es passt, unterstützt die Genossenschaft gemeinnütziges Engagement vor Ort mit Spenden. Regelmäßig besuchen Kindergartengruppen aus Oberstdorf und Umgebung die Klamm.