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Entwicklung der Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Bayern 2025

Für die deutsche Wirtschaft war 2025 ein schwieriges Jahr. Zwar stand nach zwei Rezessionsjahren am Ende wieder ein Plus von 0,2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt in der Statistik. Mehr war angesichts geopolitischer Spannungen, Zollkonflikten und hohen Energiepreisen allerdings nicht drin. 

Trotz dieses Umfelds ist die Bilanz der Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Bayern insgesamt sehr positiv. Sie erzielten über alle Sparten hinweg Umsatz- und sonstige Erlöse von rund 19 Milliarden Euro und lagen damit deutlich über dem Vorjahreswert von 17 Milliarden Euro. Je nach Branche fiel das Geschäft allerdings deutlich unterschiedlich aus.

Energiegenossenschaften: Investitionen trotz Unsicherheiten

Die 364 bayerischen Energiegenossenschaften verzeichneten 2025 ein durchwachsenes Geschäftsjahr. Sie blieben mit Erlösen von insgesamt 433,6 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahresniveau. Die Entwicklung innerhalb der Sparte verlief sehr unterschiedlich. Photovoltaik- und Wärmegenossenschaften legten deutlich zu: Die Photovoltaikgenossenschaften profitierten von überdurchschnittlich vielen Sonnenstunden und steigerten ihre Erlöse um 10,7 Prozent auf 43,3 Millionen Euro. Noch stärker wuchsen die Wärmegenossenschaften, deren Erlöse vor allem aufgrund einer langen Heizperiode sowie des Ausbaus von Netzen und Quartieren um rund ein Drittel auf 18,6 Millionen Euro anstiegen.

Demgegenüber stand ein deutlich schwächeres Jahr für Windenergiegenossenschaften. Ungünstige Witterungsbedingungen führten zu einem Erlösrückgang von mehr als 50 Prozent. Auch die Energieversorgung insgesamt blieb leicht hinter dem Vorjahr zurück, unter anderem infolge veränderter Strompreise sowie rückläufiger Wasserkrafterträge. Die Zahlen verdeutlichen die weiterhin hohe Abhängigkeit der Sparte von Witterung, Markt- und Rahmenbedingungen.

Gleichzeitig bleibt der Ausblick trotz der aktuellen Schwankungen positiv. Zahlreiche Projekte – insbesondere in den Bereichen Photovoltaik, Wärme und zunehmend auch Speicherlösungen – befinden sich in Planung. Vor allem die kommunale Wärmeplanung eröffnet neue Potenziale für genossenschaftliche Modelle – gerade im Zusammenspiel mit den Kommunen, wie GVB-Präsident Stefan Müller betont: „Genossenschaften können Kommunen viel an Arbeit abnehmen. Sie beteiligen Bürgerinnen und Bürger unmittelbar am Ausbau und Erfolg erneuerbarer Energien und können so zur schnellen Umsetzung von Projekten und zur Akzeptanz von Photovoltaikanlagen oder Windrädern beitragen.“

Allerdings blicken die Energiegenossenschaften mit Sorge auf die politische Entwicklung. Die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und der Bundesnetzagentur geplanten Reformvorhaben zum Netzanschluss sowie zum Erneuerbare‑Energien‑Gesetz könnten Investitionen nicht nur bremsen, sondern Projekte gänzlich unwirtschaftlich machen. Daher warnt der GVB vor einem Knick beim Ausbau erneuerbarer Energien. „Es wäre ein verheerendes Signal, wenn die Defizite beim Netzausbau nun auf dem Rücken derjenigen ausgetragen würden, die die Energiewende seit Jahren praktisch umsetzen. Was wir jetzt brauchen, sind klare Anreize für einen schnellen Netzausbau, nicht zusätzliche Risiken für neue Projekte, sowie weiterhin Bestandsschutz für bestehende Anlagen“, fordert Stefan Müller. 

Handelsgenossenschaften mit zweistelligem Wachstum

Die Handelsgenossenschaften in Bayern erwirtschafteten 2025 Umsatz‑ und sonstige Erlöse von rund 8,05 Milliarden Euro, ein Plus von 13,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Maßgeblich geprägt wurde die Entwicklung durch den Arzneimittel‑ und Großhandel. Auch spezialisierte Handelsgenossenschaften sind weiter gewachsen. Im Segment der Dorfläden war die Bilanz allerdings gemischt – es gab einerseits Liquidationen, andererseits konnten Dorfläden, die sich am Markt behauptet haben, von allgemeinen Preissteigerungen profitieren. Insgesamt sichern die genossenschaftlich organisierten Handelsunternehmen nicht nur die Versorgung breiter Bevölkerungsgruppen, sondern übernehmen auch eine zentrale Rolle in ländlichen und strukturschwächeren Regionen.

Dynamische Entwicklung bei gewerblichen Genossenschaften

Die gewerblichen Waren‑ und Dienstleistungsgenossenschaften in Bayern entwickelten sich deutlich positiv. Sie erzielten Umsatz‑ und sonstige Erlöse in Höhe von rund 1,81 Milliarden Euro, ein Zuwachs von neun Prozent. Besonders dynamisch zeigten sich unter anderem Genossenschaften aus den Bereichen IT‑ und Kommunikationsdienstleistungen, Gesundheit, Verkehr sowie Tourismus und Marketing. Die Zahlen verdeutlichen die Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft dieses genossenschaftlichen Segments in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld.

Genossenschaften mit sozialem, kulturellem oder gemeinwohlorientiertem Schwerpunkt leisten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Infrastruktur. Im vergangenen Jahr ist die Gründung des ersten genossenschaftlich organisierten medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Bayern angelaufen – in diesem Jahr geht es in Betrieb. Der Vorteil der genossenschaftlichen Struktur in diesem Bereich liegt in der Bündelung zentraler Verwaltungsaufgaben. So können sich die Ärztinnen und Ärzte vollkommen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Sie gewährleisten als Angestellte unter einem Dach zusammen die medizinische Versorgung vor Ort. „Damit zeigen Genossenschaften, dass sie vielfältige Lösungen anbieten und auch für Kommunen und deren Herausforderungen ideale Partner sind“, sagt Müller.

Ländliche Genossenschaften mit Umsatzplus

Zu den 384 ländlichen Genossenschaften im Freistaat gehören die Milchgenossenschaften, der Raiffeisen-Warenhandel sowie sonstige ländliche Genossenschaften. Sie erzielten 2025 zusammen Umsätze von rund 7,4 Milliarden Euro und steigerten diese damit um 7,2 Prozent. Damit zeigten sie sich trotz zahlreicher Herausforderungen wie etwa einem starken Preisverfall bei vielen landwirtschaftlichen Produkten insgesamt robust und leistungsfähig.

Milchgenossenschaften profitieren von höheren Absatzmengen und Preisen

Den größten Beitrag leisteten erneut die 96 Milchgenossenschaften, die 2025 Umsätze von rund 4,3 Milliarden Euro erwirtschafteten – ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getragen wurde die Entwicklung vor allem durch höhere Absatzmengen und ein verbessertes Erlösniveau. Einen Großteil des positiven Ergebnisses reichten die Molkereien an ihre Mitgliederbetriebe weiter. „Ähnlich wie in anderen Bereichen sind die genossenschaftlichen Strukturen in der bayerischen Milchwirtschaft ein entscheidender Erfolgsfaktor für deren wirtschaftliche Stärke. Gemeinsam bündeln sie die Kräfte der Einzelbetriebe, stärken deren Marktposition und sichern so bessere Erlöse. Genau das macht sie im ländlichen Raum so unverzichtbar“, betont GVB-Präsident Stefan Müller.

Raiffeisenhandel im Plus

Auch der Raiffeisenhandel in Bayern entwickelte sich wieder positiv. Nach schwierigen Vorjahren legten die Umsätze im Jahr 2025 gegenüber 2024 um 2,7 Prozent auf rund 1,52 Milliarden Euro zu. Trotz hoher Kosten, volatiler Märkte und logistischer Herausforderungen bleibt er ein verlässlicher Partner für die Landwirtschaft. Mehrere Trends bewegen den Raiffeisenhandel: Zum einen lagern immer mehr Banken ihr Warengeschäft aus und ermöglichen dadurch weitere Wachstumsschritte. Zum anderen kauft der Raiffeisenhandel zunehmend freie Landhändler auf. „Das zeigt, dass die Raiffeisenhändler weiterhin große Potenziale in den regionalen Märkten sehen und in die Zukunft investieren“, sagt Müller.

Unterschiedliches Bild bei weiteren ländlichen Genossenschaften

Die sonstigen ländlichen Waren‑ und Dienstleistungsgenossenschaften – darunter unter anderem Bezugs‑ und Absatzgenossenschaften, Vieh‑ und Fleischgenossenschaften, Obst‑ und Gemüsegenossenschaften, Trocknungsgenossenschaften sowie weitere Dienstleister – trugen mit rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz‑ und sonstigen Erlösen ebenfalls maßgeblich zum Wachstum der Genossenschaften bei, eine Steigerung um 6,6 Prozent. 

In vielen Bereichen entwickelten sich die Umsätze positiv, getragen durch die Nachfrage aus Landwirtschaft, regionaler Verarbeitung und kommunalem Umfeld, während einzelne Sparten weiterhin unter strukturellem Anpassungsdruck stehen. Zulegen konnten Obst- und Gemüsebetriebe sowie Viehverarbeiter. „Das zeigt, dass heimische und regionale Produkte sehr gefragt sind“, erklärt Müller.

Preisverfälle belasten dagegen Unternehmen in den Bereichen Wein, Hopfen, Kartoffeln, Zuckerrüben und Getreide. Das könnte Konsequenzen haben: „Ländliche Genossenschaften sichern Versorgung, stabilisieren Märkte und halten Wertschöpfung in der Region. Die Preisentwicklung macht den Betrieben das Leben schwer. Sollte der Preisverfall weiter anhalten, ergeben sich dadurch noch nicht absehbare Folgen für die heimische Lebensmittelproduktion“, warnt Müller. Der GVB-Präsident betont aber auch, dass Genossenschaften mit Krisen umgehen können. „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zeigt sich die Stärke des genossenschaftlichen Modells: gemeinsam wirtschaften, Risiken teilen und langfristig denken.“

28 Neugründungen im Jahr 2025

Die Rechtsform Genossenschaft erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Genossenschaftsverband Bayern 28 neu gegründete Genossenschaften. Die Zahl lag damit fast auf dem Niveau des Vorjahrs mit 33 Gründungen. Fast zwei Drittel der Neugründungen entfallen auf Energiegenossenschaften. „Energiegenossenschaften stehen für eine Energiewende, die vor Ort getragen wird – von Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen und regionalen Unternehmen“, sagt Müller. „Sie investieren langfristig, übernehmen Verantwortung für regionale Wertschöpfung und sorgen für Akzeptanz in der Fläche.“

Insgesamt belegen die Zahlen, dass die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Bayern ein zentraler Pfeiler der regionalen Wirtschaft sind. Sie sichern Versorgung, schaffen Wertschöpfung vor Ort und tragen zur wirtschaftlichen Stabilität in Stadt und Land gleichermaßen bei. Gerade in einem Umfeld aus strukturellem Wandel, steigenden Kosten und regulatorischen Anforderungen bleibt das genossenschaftliche Modell ein Garant für Resilienz und regionale Verankerung. 

Voraussetzung für eine weiterhin positive Entwicklung sind jedoch verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und die Rolle der Genossenschaften als Partner von Kommunen, Wirtschaft und Gesellschaft stärken.

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