GVBetter 2030: Die Zukunft des Mittelstands ist genossenschaftlich – und sie braucht einen starken Verband, betonen die GVB-Vorstände Stefan Müller und Alexander Leißl.
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Herr Friedrich, Frau Vogl, die Prüfung des Geschäftsjahres 2025 der GVB-Mitgliedsbanken ist weitgehend abgeschlossen. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Carolin Vogl: Insgesamt fällt unser Fazit zum Geschäftsjahr 2025 überwiegend positiv aus. Die große Mehrheit der GVB-Mitgliedsbanken ist solide aufgestellt und erfüllt die aufsichtsrechtlichen Anforderungen in angemessener Weise. Gleichwohl haben wir – wie in jedem Jahr – auch einzelne Institute identifiziert, bei denen erheblicher Verbesserungsbedarf besteht. Solche Fälle zeigen, dass eine konsequente Einhaltung der regulatorischen Vorgaben und ein wirksames Risikomanagement von zentraler Bedeutung sind. Die erfolgreiche Bewältigung der vielfältigen Prüfungs- und Betreuungsaufgaben war nur durch das außerordentliche Engagement, die hohe fachliche Kompetenz und die große Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich. Ihnen gilt unser ausdrücklicher Dank.
Walter Friedrich: Parallel sehen wir – wie auch in anderen Bereichen – zunehmende personelle Herausforderungen in der Prüfung. Der steigende regulatorische Druck und die wachsende Komplexität der Prüfungen erfordern hochqualifizierte Fachkräfte. Wir stellen laufend neue Prüfungsassistentinnen und -assistenten, Quereinsteiger sowie Wirtschaftsprüferinnen und -prüfer ein, um den Bedarf zu decken. Umso wichtiger ist es, vorhandene Ressourcen gezielt einzusetzen, Prioritäten klar zu setzen und unsere Prüfungsansätze kontinuierlich weiterzuentwickeln. Unsere Aufgabe ist es, Risiken frühzeitig zu identifizieren, transparent zu adressieren und gemeinsam mit den Instituten tragfähige Lösungen zu entwickeln. Der Maßstab ist dabei klar durch die Betreuungsprüfung nach § 53 Genossenschaftsgesetz vorgegeben: Stabilität sichern – und dort konsequent handeln, wo grundlegende Anforderungen nicht erfüllt werden.
Walter Friedrich und Carolin Vogl leiten gemeinsam die Bankenprüfung des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB). Foto: GVB
Wo lagen die Schwerpunkte der Prüfungssaison 2025 und welche Schlüsse ziehen Sie aus den Ergebnissen?
Friedrich: In der Prüfungssaison 2025 lag ein klarer Schwerpunkt im Kreditgeschäft, insbesondere auf den Themen Risikofrüherkennung, Intensivbetreuung, Problemkreditbearbeitung und Risikovorsorge. Ergänzend standen die Risikosteuerung und die strukturelle Analyse von Kreditportfolios im Fokus, etwa im Hinblick auf strukturelle Risiken, die Bewertung der Sicherheiten und die Qualität von Kreditentscheidungsprozessen. Unsere Erkenntnisse zeigen, dass neben materiellen Risiken insbesondere strukturelle Themen und Prozessqualität entscheidend sind. Dazu zählen etwa die Qualität der Risikofrüherkennung, die Bewertung von Sicherheiten sowie die fundierte Beurteilung der Kapitaldienstfähigkeit.
Vogl: Materielle Risiken entstehen weiterhin überwiegend im Kreditgeschäft. Umso wichtiger ist ein qualitativ hochwertiges und ausgewogenes Kreditportfolio mit einem klaren Fokus auf die eigenen Kernkompetenzen der jeweiligen Banken. Auch unser Regionalprinzip bildet nach wie vor einen Stabilitätsanker. Gleichzeitig sehen wir, dass Risiken heute zunehmend auch aus technologischen Entwicklungen, Cyberbedrohungen und regulatorischen Anforderungen entstehen. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse, dass eine konsequente Weiterentwicklung der Prozesse, eine realistische Risikoeinschätzung und eine klare strategische Fokussierung auf das Kerngeschäft zentrale Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Stabilität der Institute sind.
„Ein besonderer Fokus liegt weiterhin auf der materiellen Kreditprüfung. Hier sehen wir insbesondere Risiken im Zusammenhang mit endfälligen Darlehen.“
Walter Friedrich
Welche Schwerpunkte planen Sie für die Prüfungssaison 2026?
Vogl: Für die Prüfungssaison 2026 setzen wir bewusst klare Schwerpunkte entlang der aktuellen Risikolage und der regulatorischen Entwicklungen. Im Zentrum steht das interne Kontrollsystem mit einem besonderen Fokus auf die Prüffelder Personal und Organe – insbesondere im Hinblick auf Governance-Strukturen und den angemessenen Umgang mit Interessenkonflikten. Darüber hinaus führen wir die etablierten Schwerpunkte konsequent fort: Das Kreditgeschäft, die Gesamtbanksteuerung, das Meldewesen sowie die IT- beziehungsweise IKT-Prüfung bleiben zentrale Bestandteile unserer Prüfungstätigkeit.
Friedrich: Ein besonderer Fokus liegt weiterhin auf der materiellen Kreditprüfung. Hier sehen wir insbesondere Risiken im Zusammenhang mit endfälligen Darlehen, etwa im Hinblick auf die Kapitaldienstfähigkeit und die Werthaltigkeit hinterlegter Sicherheiten. Insgesamt verfolgen wir einen konsequent risikoorientierten Prüfungsansatz, bei dem bankindividuelle Entwicklungen gezielt berücksichtigt werden.
„Eine gute Prüfung schafft Transparenz, stärkt Vertrauen und trägt dazu bei, Risiken frühzeitig zu erkennen.“
Carolin Vogl
Mit welchem Selbstverständnis prüfen Sie die Mitgliedsbanken?
Vogl: Für mich geht Prüfung weit über die bloße Feststellung hinaus, ob Anforderungen erfüllt sind. Eine gute Prüfung schafft Transparenz, stärkt Vertrauen und trägt dazu bei, Risiken frühzeitig zu erkennen. Dabei ist mir wichtig, dass wir unabhängig und objektiv bleiben und zugleich die individuelle Situation der jeweiligen Bank angemessen berücksichtigen.
Friedrich: Wir wollen unseren Mitgliedern Orientierung bieten und einen echten Mehrwert schaffen, bei Bedarf aber auch klare Hinweise auf bestehende Schwachstellen geben. Genau dies verstehe ich unter einer modernen genossenschaftlichen Prüfung.
Wie profitieren die GVB-Mitgliedsbanken von der genossenschaftlichen Prüfung?
Vogl: Der große Vorteil liegt aus meiner Sicht darin, dass wir die Institute über viele Jahre begleiten. Unsere Prüferinnen und Prüfer kennen die Banken und Organmitglieder, ihre Strategien und ihre regionalen Besonderheiten sehr genau. Dadurch entstehen Gespräche auf Augenhöhe. Wir können Entwicklungen besser einordnen, Risiken frühzeitig ansprechen und gemeinsam Lösungen diskutieren. Viele Vorstände sagen uns, dass gerade dieser Austausch einen wichtigen Mehrwert darstellt.
„Wir sind konstruktiver Sparringspartner für die Organe der Banken – mit dem Ziel, Risiken frühzeitig zu erkennen, adressieren und ihre nachhaltige Reduzierung zu begleiten.“
Walter Friedrich
Die GVB-Strategie „GVBetter 2030“ sieht die Prüfung als „Stabilitätsanker“ für die Mitglieder. Was genau verstehen Sie darunter?
Friedrich: Die Welt wird nicht einfacher: Banken sehen sich gleichzeitig mit Themen wie Digitalisierung, Fachkräftemangel, Cyberrisiken, einer konjunkturellen Abschwächung und einer hohen Regulierungsdichte konfrontiert. In diesem anspruchsvollen Umfeld verstehen wir uns als verlässlicher Partner. Die Prüfung gibt Orientierung, schafft Transparenz und stärkt das Vertrauen in die Institute. Unser Anspruch geht dabei über die reine Feststellung hinaus: Wir sind zugleich konstruktiver Sparringspartner für die Organe der Banken – mit dem Ziel, Risiken frühzeitig zu erkennen, adressieren und ihre nachhaltige Reduzierung zu begleiten.
Vogl: Ein Stabilitätsanker bedeutet für mich daher nicht Stillstand, sondern Sicherheit in Zeiten des Wandels – verbunden mit der Fähigkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf neue Herausforderungen angemessen zu reagieren.
„Ich sehe großes Potenzial in der Digitalisierung und im Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die entscheidende Frage wird sein, wie wir diese Technologien verantwortungsvoll nutzen, um unsere Arbeit noch besser zu machen.“
Carolin Vogl
Welche Themen beschäftigen Sie in der Bankenprüfung aktuell?
Vogl: Mich beschäftigt vor allem die Frage, wie wir hohe Prüfungsqualität mit Effizienz verbinden können. Die regulatorischen Anforderungen nehmen weiter zu, gleichzeitig erwarten unsere Mitglieder schlanke und moderne Prozesse. Ich sehe großes Potenzial in der Digitalisierung und im Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die entscheidende Frage wird sein, wie wir diese Technologien verantwortungsvoll nutzen, um unsere Arbeit noch besser zu machen. Wichtig ist auch künftig, dass wir Probleme in Banken frühzeitig erkennen und zusammen mit zuständigen Organen der Bank konsequent gegensteuern.
Bankenprüfer bei der Arbeit (Symbolbild): Die fachliche Bewertung, das Einordnen von Sachverhalten und die Verantwortung für das Prüfungsurteil bleiben trotz der Möglichkeiten von digitalen Technologien und KI menschliche Aufgaben. Foto: mauritius images / AndreyPopov
Was kann KI in der Bankenprüfung konkret leisten?
Friedrich: Ich bin überzeugt, dass KI die Prüfung verändern wird – allerdings nicht, indem sie den Prüfer oder die Prüferin ersetzt. Die Stärke von KI liegt darin, große Datenmengen schnell auszuwerten, Muster zu erkennen und bei Routineaufgaben zu unterstützen. Sie hilft uns in kurzer Zeit, hohe Prüfungssicherheit zu generieren. Die fachliche Bewertung, das Einordnen von Sachverhalten und die Verantwortung für das Prüfungsurteil bleiben jedoch menschliche Aufgaben. Deshalb sehe ich KI vor allem als Werkzeug, das unsere Prüferinnen und Prüfer unterstützt und Freiräume für die wirklich wichtigen Themen schafft.
„Wir investieren kontinuierlich in die Weiterentwicklung unserer Prüfungsprozesse.“
Carolin Vogl
Was unternimmt der GVB konkret, um die Prüfung für die Mitgliedsbanken effizienter zu gestalten?
Vogl: Wir investieren kontinuierlich in die Weiterentwicklung unserer Prüfungsprozesse. Dazu gehören digitale und zunehmend auch KI-gestützte Anwendungen, standardisierte Verfahren sowie moderne Datenanalysemethoden. Dadurch können wir den administrativen Aufwand sowohl für die Mitgliedsbanken als auch für unsere Prüfungsteams reduzieren. Darüber hinaus arbeiten wir an der Einführung einer bundesweit einheitlichen Prüfungssoftware.
Friedrich: Zudem setzen wir auf eine konsequent risikoorientierte Prüfungsplanung und -durchführung sowie auf einen engen und konstruktiven Austausch mit den Instituten. Informationen, die bereits digital vorliegen, sollen möglichst nur einmal bereitgestellt werden. Auf diese Weise schaffen wir Effizienzgewinne, ohne Abstriche bei der Qualität, Aussagekraft oder Verlässlichkeit der Prüfung zu machen.
Aktuell erleben die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken Druck von verschiedenen Seiten: Eine überbordende Regulierung trifft auf eine schwache Wirtschaft in einer unsicheren Weltlage. Dazu kommt die ungünstige demographische Entwicklung, um nur einige Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie bei der GVB-Prüfung damit um?
Vogl: Die genossenschaftlichen Banken haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass sie auch unter schwierigen Rahmenbedingungen verlässlich und stabil agieren. Unsere Aufgabe in der Prüfung ist es, diese Stärke zu sichern, Risiken frühzeitig sichtbar zu machen und die Institute bei ihrer Weiterentwicklung zu begleiten.
Friedrich: Genau darin sehen wir den Kern unseres genossenschaftlichen Prüfungsverständnisses.
Frau Vogl, Herr Friedrich, vielen Dank für das Gespräch!