Finanzselbstvertrauen: Adriana Richter, Juristin und Finanzökonomin, zeigt, wie Kommunikation, Beratung und Begleitung den Zugang zu Finanzthemen für Frauen erleichtern.
Unabhängig, vorausschauend und selbstbestimmt: Maßgeschneiderte Finanzlösungen können Frauen dabei helfen, ihre Zukunft nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Mit „Female Banking“ will die VR-Bank Donau-Mindel Frauen gezielter ansprechen und sie dabei unterstützen, ihre Finanzen strategisch zu planen. „Profil“ sprach darüber mit Projektleiterin Sandra Hoffmann.
„Wenn sich eine Frau bei uns ausdrücklich für eine Female-Banking-Beratung meldet, bekommt sie keine Nullachtfünfzehn-Beratung“, sagt Sandra Hoffmann von der VR-Bank Donau-Mindel.
Eine speziell entwickelte Beratung
Kern des Female-Banking-Angebots der VR-Bank Donau-Mindel ist eine eigene Beratungsphilosophie. „Die individuelle Lebenssituation, persönliche Ziele und mögliche finanzielle Folgen von Familien- und Erwerbsentscheidungen stehen bei unserem Beratungsangebot stärker im Mittelpunkt“, erklärt Hoffmann.
Sandra Hoffmann ist bei der VR-Bank Donau-Mindel für das Female Banking verantwortlich.
Das Female-Banking-Konzept der VR-Bank Donau-Mindel geht auf die Bachelorarbeit von Sandra Hoffmann zurück. Während ihres dualen Studiums suchte sie nach einem praxisnahen Thema, das sich möglichst in ein konkretes Projekt für die Bank überführen ließ. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelte Hoffmann vor etwa zweieinhalb Jahren die Idee, zu untersuchen, ob eine gezielte, speziell auf Frauen ausgerichtete Kundenansprache stärker wahrgenommen wird und Frauen besser erreicht werden können als über die bis dahin übliche Kommunikation. Zudem war Hoffmann aufgefallen: Veranstaltungen waren oft überwiegend von Männern besucht, Frauen nahmen häufig lediglich als Begleitpersonen teil. Das wollte sie ändern.
Für ihre Bachelorarbeit befragte Hoffmann rund 80 Bankkundinnen verschiedener Altersgruppen. Über Karten mit QR-Codes in den Filialen und über die Beraterinnen und Berater wollte sie unter anderem erfahren, welche Finanzthemen Frauen beschäftigen, wie sie die Ansprache der Bank wahrnehmen und wie gut sie sich betreut fühlen. Dabei zeigten sich altersabhängige Schwerpunkte: Jüngere Frauen nannten häufig die Baufinanzierung, während Kundinnen ab etwa 55 Jahren vor allem die Altersvorsorge beschäftigte.
„Female Banking“ als Gesamtbankprojekt
Die Befragung bestätigte damit nicht nur den Bedarf nach einer differenzierten Ansprache, sondern lieferte zugleich die Grundlage für die praktische Umsetzung. Mit den Ergebnissen aus ihrer Bachelorarbeit entwickelte Hoffmann ein Angebot für die VR-Bank Donau-Mindel:
Der erste Schritt bestand darin, ein Projektteam für „Female Banking“ zu bilden. „Dabei achtete ich darauf, Kolleginnen aus verschiedenen Abteilungen und Lebensphasen anzusprechen. Eine Führungskraft, eine Mitarbeiterin, die bald in Rente geht, eine frischgebackene Mama, eine Frau mit Scheidungserfahrung, aber ebenso eine Kollegin mittleren Alters mit Familie“, zählt Hoffmann auf. Ziel war es, „Female Banking“ nicht als isolierte Vertriebs- oder Marketingmaßnahme zu behandeln, sondern als Projekt in der gesamten Bank zu verankern.
Auf individuelle Bedürfnisse eingehen
Wie sich dieser ganzheitliche Ansatz im Kontakt mit den Kundinnen niederschlägt, zeigt sich im Beratungsgespräch. Entscheidet sich eine Kundin für eine Beratung, stehen die individuelle Lebenssituation, persönliche Ziele und mögliche finanzielle Folgen von Familien- und Erwerbsentscheidungen im Mittelpunkt. Themen wie Karriere, Kinderwunsch, Teilzeit, Altersvorsorge, Vermögensaufbau oder finanzielle Selbstständigkeit werden behandelt.
Eine Frau kann von einer Frau beraten werden. Doch das ist kein Muss. „Es gibt Studien, die belegen, dass manche Frauen eher einen Mann als Berater bevorzugen“, sagt Hoffmann. Daher handhabt es die VR-Bank Donau-Mindel so, dass sowohl Beraterinnen als auch Berater die Female-Banking-Gespräche mit Kundinnen führen. Ein Leitfaden und Hintergrundinformationen, beispielsweise zu Vorsorgelücken oder Rentenpunkten, unterstützen sie dabei. Entscheidend ist somit nicht das Geschlecht der beratenden Person, sondern die besondere inhaltliche Ausrichtung des Gesprächs.
„Bei der Beratung ist Fingerspitzengefühl gefragt“, betont Hoffmann. „Es gilt, Vertrauen aufzubauen. Die Kundin soll klar spüren: Heute geht es um mich und meine Bedürfnisse. Jede soll individuell abgeholt werden. Denn genau das ist es ja, was die Beratung ausmacht – im Vergleich zum Online-Banking.“ Erfolgreich ist ein Gespräch dann, wenn die Kundin dabei das Gefühl hat, dass ihre Wünsche und Lebensplanung nicht zu kurz kommen. „Es gibt Beraterinnen und Berater, die diese Gespräche mit viel Herzblut führen – und das spüren die Kundinnen“, sagt Hoffmann.
Ladies Talk als Veranstaltungsreihe
Die persönliche Beratung ist jedoch nur eine Säule des Konzepts. Mit eigenen Veranstaltungsformaten will die Bank Frauen auch außerhalb klassischer Beratungsgespräche für Finanzthemen gewinnen. Seit September 2025 tritt die VR-Bank Donau-Mindel mit „Female Banking“ außen auf. 2026 folgten größere Veranstaltungen. „Im März hatten wir eine Veranstaltung, die vor allem von Frauen im Alter von 30 bis 60 Jahren besucht wurde. Es ging ums Investieren, Aktien, Wertpapiere, die Altersvorsorge. Zudem hatten wir eine externe Speakerin eingeladen, die Inhalte anhand anschaulicher Beispiele vermittelte“, berichtet die Projektleiterin von „Female Banking“. Im Anschluss vereinbarten Teilnehmerinnen Beratungstermine und richteten Sparpläne ein – für Hoffmann ein Hinweis darauf, dass das Format konkrete Aha-Erlebnisse ausgelöst hat. Die Veranstaltungen sind jedoch mehr als ein Weg in die Beratung: Sie bieten Raum für Information, Austausch und finanzielle Selbstbestimmung.
Die Veranstaltungsreihe für Frauen der VR-Bank Donau-Mindel heißt „Ladies Talk“.
Der Titel der Veranstaltungsreihe lautet „Ladies Talk“. Das zweite Event der Reihe richtete sich gezielt an Unternehmerinnen und fand in einem Restaurant statt. Dabei ging es darum, Frauen zu ermutigen, Vermögen, Unternehmen und Fragen der Nachfolge selbst in die Hand zu nehmen. Hoffmann berichtet auch von Kundinnen mit hohen Guthaben auf Tagesgeldkonten, die bislang kaum investiert haben. Hier setzt die Bank an: Sie möchte Vorbehalte gegenüber Geldanlagen abbauen und den Kundinnen Wege zu einem langfristig ausgerichteten Vermögensaufbau aufzeigen.
Während das Beratungsangebot grundsätzlich Frauen aller Altersgruppen offensteht, richtet die Bank einzelne Veranstaltungen gezielt auf bestimmte Lebensphasen und Bedürfnisse aus. Nach dem Event für Unternehmerinnen richtet sich die kommende Veranstaltung, die für Anfang 2027 angesetzt ist, eher an junge Frauen. „Der nächste Ladies Talk findet vermutlich in einem Kino statt. Sprache und Inhalte stimmen wir dann auf diese Zielgruppe ab“, berichtet Hoffmann.
So zielgruppenspezifisch die Ansprache auch sein mag: Von pauschalen Annahmen über das Finanzverhalten von Frauen hält Hoffmann wenig. Zwar belegten Studien Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Anlageverhalten. In den Gesprächen erlebten die Beraterinnen und Berater allerdings oftmals sehr aktienaffine Frauen. Entscheidend sei daher, jede Kundin bei der Beratung individuell abzuholen.
Sandra Hoffmann (Mitte) mit vier Kolleginnen des Female-Banking-Teams: Birgit Hauf (v. l.), Hannah Hattler, Ute Ziegler und Silvia Joekel.
Ein Auftritt, der auffällt
Damit Frauen das Angebot überhaupt wahrnehmen, kombiniert die Bank Beratung und Veranstaltungen mit einem aufmerksamkeitsstarken kommunikativen Auftritt. Visuell prägt diesen die Farbe Pink. „Bei der langen Einkaufsnacht zum Beispiel war unsere Filiale geöffnet. Um an diesem Abend auf unser Angebot aufmerksam zu machen, haben wir die Farbe Pink eingesetzt – ob bei Luftballons oder bei kleinen Werbeartikeln“, erzählt Hoffmann.
Beworben wird das Female-Banking-Angebot über verschiedene Kanäle, darunter Social Media. Über einen eigens entwickelten Online-Zugang können Interessentinnen zudem ein Quiz zu Frauen und Finanzen absolvieren und anschließend direkt einen Beratungstermin vereinbaren.
Einen eigenen Female-Banking-Kanal gibt es bewusst nicht: Die Informationen sind in den allgemeinen Auftritt der VR-Bank Donau-Mindel integriert.
Rückhalt und weitere Impulse
Dass Hoffmann und ihr Team mit dem Konzept auf dem richtigen Weg sind, bestätigen regelmäßige Reportings: Die Auswertungen zeigen, dass die Angebote wahrgenommen werden und daraus Beratungstermine sowie Abschlüsse entstehen. Auch der Vorstand unterstützt das Projekt. „Die Vorstände nehmen an Veranstaltungen teil und zeigen sich von der Resonanz und Wirkung der Formate überzeugt“, berichtet die Projektleiterin.
Zugleich ist das Thema für die Bank strategisch relevant: In der Region sprechen bereits spezialisierte Finanzmaklerinnen gezielt Frauen an. Dieses Feld will die VR-Bank Donau-Mindel nicht anderen überlassen. Ihr Ziel formuliert Hoffmann klar: „Wir müssen Frauen das Bewusstsein vermitteln: Wenn es um Finanzen geht, sind wir die Bank.“