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Herr Dr. Walther, viele Landwirte in Bayern müssen aufgrund der anhaltenden Dürreperioden im Sommer teils massive Ernteausfälle hinnehmen. Wie stellt sich die Situation in Ihrem Geschäftsgebiet sowie insbesondere bei Ihren Agrarkunden dar?

Gerhard Walther: Die wirtschaftliche Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe in unserem Geschäftsgebiet ist herausfordernd. Die Produktionskosten, insbesondere für Diesel, Energie und Dünger, sind deutlich gestiegen. Gleichzeitig sinken die Einnahmen aus Milchproduktion, Schweinehaltung und im Ackerbau. In diesem Jahr kommen schlechte Erträge und die von Ihnen angesprochenen Ernteausfälle hinzu. Dadurch wird auch Futter knapp und erneut teuer. Viele unserer landwirtschaftlichen Kunden benötigen deshalb kurzfristig zusätzliche Liquidität. Für uns ist wichtig, diese Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und gemeinsam mit den Betrieben frühzeitig nach Lösungen zu suchen.

„Dass Investitionen zurückgestellt und Tilgungsaussetzungen häufiger angefragt werden, zeigt die Belastung, unter der viele Landwirte derzeit stehen.“

Wie bewerten Sie die wirtschaftliche Lage der Landwirte aufgrund der Ernteausfälle und der klimatischen Veränderungen in der Landwirtschaft? Sind die Betriebe für solche Situationen ausreichend gerüstet?

Walther: Wie stark ein Betrieb von der aktuellen Entwicklung getroffen wird, hängt auch davon ab, wie er wirtschaftlich aufgestellt ist. Dass Investitionen zurückgestellt und Tilgungsaussetzungen häufiger angefragt werden, zeigt die Belastung, unter der viele Landwirte derzeit stehen. Ob die Betriebe für solche Situationen ausreichend gerüstet sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist, dass sie ihre Kosten genau kennen, für mögliche Ausfälle vorsorgen und ihr Geschäftsmodell mit Blick auf die gesellschaftspolitischen und wetterbedingten Veränderungen immer wieder überprüfen. Dazu können gezielte Investitionen ebenso beitragen wie Ernte- oder Ertragsausfallversicherungen.

„Für uns als Genossenschaftsbank ist die laufende Betreuung unserer landwirtschaftlichen Kunden von entscheidender Bedeutung.“

Wie reagieren Sie bei der VR-Bank Mittelfranken Mitte intern auf die aktuelle Lage in der Landwirtschaft, etwa im Risikomanagement oder bei der Kreditvergabe?

Walther: Bei der Beurteilung einer Finanzierung betrachten wir die wirtschaftliche Situation und die Zukunftsfähigkeit des jeweiligen Betriebs. Dabei ist wichtig, dass die Landwirte ihre Kosten kennen und für mögliche Risiken vorsorgen. Für uns als Genossenschaftsbank ist deshalb die laufende Betreuung unserer landwirtschaftlichen Kunden von entscheidender Bedeutung. Wir führen Jahresgespräche mit den Landwirten, in denen die langfristige Planung vorgestellt und diskutiert wird. Daraus leiten wir die nötigen Finanzierungs- oder auch Versicherungsbedarfe ab. So entsteht eine verlässliche Partnerschaft, die gerade in der aktuellen Lage ein besonnenes und unterstützendes Handeln ermöglicht.

„Viele Betriebe benötigen finanzielle Mittel, um Betriebsmittel und laufende Kosten bezahlen zu können.“

Mit welchen finanziellen Anliegen kommen die Landwirte in der aktuellen Situation zu Ihren Beraterinnen und Beratern? Wo sehen Sie diesbezüglich den größten Unterstützungsbedarf?

Walther: Aktuell geht es in den Gesprächen fast ausschließlich um Liquidität. Viele Betriebe benötigen finanzielle Mittel, um Betriebsmittel und laufende Kosten bezahlen zu können. Auch Tilgungsaussetzungen werden häufiger angefragt. Gleichzeitig werden geplante Investitionen zurückgestellt, weil viele Landwirte nicht wissen, wie es wirtschaftlich weitergehen wird. In den Gesprächen wird auch deutlich, dass die Betriebe wissen möchten, ob wir als Bank weiterhin an ihrer Seite stehen. Deshalb besteht der Unterstützungsbedarf nicht allein in zusätzlicher Liquidität. Ebenso wichtig ist es, die individuelle Situation gemeinsam zu besprechen und konkrete Lösungswege aufzuzeigen. Gerade hier sehen wir unseren langfristigen genossenschaftlichen Förderauftrag für unsere Landwirte.

Mit welchem Selbstverständnis unterstützen Sie die Landwirte in der aktuellen Situation?

Walther: Schon allein die Entstehungsgeschichte der Raiffeisenbewegung rührt aus einer sehr engen Verbindung zur Landwirtschaft. Daran hat sich für die bayerischen Genossenschaftsbanken und auch für unser Haus nichts geändert. Im Gegenteil: Die Landwirtschaft ist ein prägender Wirtschaftszweig und fester Bestandteil der Identität unserer Region. Wenn landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich unter Druck geraten, ist es uns deshalb wichtig, ihnen auch in schwierigen Zeiten zur Seite zu stehen. Für uns zeigt sich regionale Verantwortung im konkreten Handeln. Unsere Agrarspezialisten suchen frühzeitig das Gespräch, hören zu und betrachten gemeinsam mit den Landwirten die Situation des jeweiligen Betriebs. Sie kennen die Branche und ihre besonderen Anforderungen. So können sie konkrete Lösungswege aufzeigen und den Betrieben auch in einer schwierigen Lage Mut machen.

„Mit dem Sofortkredit Landwirtschaft zeigen wir unseren Landwirten: Wir stehen an ihrer Seite!“

Welche konkreten Unterstützungsangebote machen Sie den Landwirten?

Walther: Als sich die Belastungen für die landwirtschaftlichen Betriebe in diesem Sommer nach der dürrebedingt schwachen Ernte verschärft haben, haben wir kurzfristig den „Sofortkredit für Landwirte“ entwickelt. Er richtet sich an unsere landwirtschaftlichen Mitgliedsbetriebe und kann genutzt werden, um Ernteausfälle auszugleichen, Betriebsmittel zu beschaffen, Investitionen in Bewässerungsanlagen zu finanzieren oder die betriebliche Liquidität zu sichern. Mit dieser Form der Soforthilfe, die hoffentlich viele Nachahmer findet, zeigen wir unseren Landwirten: Wir stehen an ihrer Seite! Das ist genossenschaftliche DNA, die wirkt.

„Es ist wichtig, den Betrieben schnell finanziellen Spielraum zu verschaffen.“

Was ist das Besondere an dem Sonderkredit im Vergleich zu anderen Finanzierungsformen?

Walther: Unser Sofortkredit für Landwirte ist gezielt auf den aktuellen Liquiditätsbedarf der Betriebe ausgerichtet. Gerade in den nächsten Wochen stehen Pachtzahlungen an. Gleichzeitig entstehen im Ackerbau hohe Dieselkosten. Deshalb ist es wichtig, den Betrieben schnell finanziellen Spielraum zu verschaffen. Das tilgungsfreie erste Jahr entlastet die Betriebe in der aktuellen Situation. Je nach Ausgangslage kann die Finanzierung gegebenenfalls auch als Blankodarlehen, also ohne zusätzliche Sicherheiten, vergeben werden. Damit unterstützen wir gezielt die landwirtschaftlichen Mitgliedsbetriebe, die aktuell zusätzliche Liquidität benötigen. Es geht jetzt um Geschwindigkeit und schnelle Hilfe, deshalb haben wir das Sonderkreditprogramm im vereinfachten Verfahren aufgelegt.

„Handlungsbedarf sehen wir vor allem bei Investitionen in Bewässerung, Precision Farming und Erosionsschutz.“

Der Klimawandel verändert die Landwirtschaft in Bayern jetzt schon. Wo sehen Sie bei den Landwirten zunehmenden Handlungsbedarf, um sich für die Folgen des Klimawandels zu wappnen, und wie unterstützt die VR-Bank Mittelfranken Mitte sie dabei?

Walther: Handlungsbedarf sehen wir vor allem bei Investitionen in Bewässerung, Precision Farming und Erosionsschutz. Auch Ernte- und Ertragsausfallversicherungen können dazu beitragen, die Betriebe besser gegen klimatische Risiken abzusichern. Gleichzeitig gewinnen die Diversifizierung und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle an Bedeutung. Bei der langfristigen Ausrichtung stellen sich für die Betriebe wichtige Fragen: Welche Perspektive hat der klassische Ackerbau unter den veränderten Bedingungen? Welche neuen Kulturen oder zusätzlichen Geschäftsfelder passen zum Betrieb und sind wirtschaftlich tragfähig? Unsere Agrarspezialisten begleiten die Landwirte bei diesen Überlegungen und bei der weiteren Entwicklung ihrer Betriebe. Gemeinsam betrachten sie mögliche Veränderungen, prüfen deren Wirtschaftlichkeit und erarbeiten passende Finanzierungslösungen für notwendige Investitionen.

Herr Dr. Walther, vielen Dank für das Gespräch!

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