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Da steht er, der Löwe. Mit festem Stand, nicht zu übersehen und den Blick entschlossen nach vorne gerichtet. „Dieser moderne, dynamische Löwe begleitet uns heute durch den Tag“, sagt Moderatorin Ursula Heller zur Begrüßung der rund 900 Vertreterinnen und Vertreter bayerischer Genossenschaften beim 125. Verbandstag des Genossenschaftsverbands Bayern auf dem Münchner Nockherberg. „Er ist ein kraftvoller Löwe, kein versteinertes Wappentier. Aber nicht nur seine Stärke macht seine Kraft aus“, fährt Heller fort. „Seine Stärke ist sein Rudel. Löwen beschützen sich gegenseitig. Der Löwe passt somit perfekt als Leitmotiv zum 125. Verbandstag bayerischer Genossenschaften. Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele.“

Innovation und Tradition vereint im Saal: Moderatorin Heller begrüßt daher sowohl neue Mitglieder wie zum Beispiel die Erzeugergenossenschaft Insektivo, die sich auf die Verfütterung lebender Larven spezialisiert hat, oder das erste genossenschaftliche Tonstudio, das Münchner OGM-Studio. Und sie heißt das „größte Rudel“, die Vertreterinnen und Vertreter der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken auf dem Nockherberg willkommen. 

„Aus allen Teilen Bayerns kommen Sie heute hier zusammen“, sagt Heller. Der Saal ist voll. Die Vertreterinnen und Vertreter bilden die Vielfalt bayerischer Genossenschaften ab. „Das genossenschaftliche Modell ist alles andere als ein Auslaufmodell – das beweisen allein die ,Neuen‘“, sagt Heller und fügt die Frage hinzu: „Und wer ist älter als 100? Sie haben sich gut gehalten!“

Verwurzelt in den Regionen

Die offizielle Begrüßung der Vorstände, Aufsichtsräte, Geschäftsführer und Mitarbeitenden von Genossenschaftsorganisationen sowie der Ehrengäste aus der Politik und dem Verbund übernimmt Gerhard Walther, Ehrenamtlicher Verbandspräsident und Vorsitzender des Verbandsrates. Auch er sieht die Kraft, die in 125 Verbandstagen steckt. „Ich denke an Eichen. Keine gleich der anderen. Doch jede Eiche verdankt ihre Stärke den tiefen, kräftigen Wurzeln“, sagt Walther, der selbst zum 25. Mal beim GVB-Verbandstag dabei ist. „Eichen haben Stürme, Dürre und harte Winter überstanden. Manche Äste mögen im Laufe der Zeit abgebrochen sein. Andere sind nachgewachsen. Doch eines ist geblieben: ihre Wurzeln.“

„Wurzeln geben Kraft, Halt und Stabilität“, fährt Walther fort. „Genossenschaften ähneln Eichen. Wir sind ebenso tief verwurzelt in den jeweiligen Regionen. Fest verankert in gemeinsamen Werten. Und stark genug, um auch den Stürmen der Zukunft standzuhalten.“ Wer starke Wurzeln habe, müsse den Wandel nicht fürchten, er könne diesen vielmehr gestalten, sagt Walther. Beim Blick zurück auf 125 Jahre zeigt sich: Kriege erschüttern uns bis heute, Währungen verändern sich. „Und mit der KI steht die nächste Revolution vor der Tür“, sagt Walther. Die Herausforderungen seien groß, die Menschen rückten zusammen. „Gemeinsam allerdings trägt sich eine Last leichter. Gemeinsam wächst Vertrauen, gemeinsam entstehen Ideen.“

Das Erfolgsgeheimnis der genossenschaftlichen Idee sei es, nie stehen zu bleiben und sich immer wieder an die Veränderungen der Zeit anzupassen, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. „Die Menschen wollen Vertrauen und Verlässlichkeit. Sie suchen nach Partnern, auf die sie zählen können und die Orientierung geben.“

Verlässlichkeit mit Veränderungsbereitschaft verbinden

An genau dieser Stärke von Genossenschaften knüpft Verbandspräsident Stefan Müller in seiner Rede an: „Wenn Genossenschaften eines gezeigt haben, was sie können, dann ist es, dass wir uns permanent verändern und anpassen können.“ Müller geht einen Schritt weiter. Die Fähigkeit, sich zu verändern, sei der Garant dafür, auch in Zukunft erfolgreich zu bestehen. „Denn wenn es eine Organisationsform gibt, die Veränderung erfolgreich gemeistert hat, dann sind wir das.“ 

Wer auf mehr als 170 Jahre Genossenschaftsgeschichte blicke, könne meinen, dass es allein um Tradition gehe. Um das Bewahren und das Festhalten am Alten. „Das Gegenteil ist der Fall. Genossenschaften zeichnet aus, dass sie immer wieder in der Lage sind, sich anzupassen. Das ist eine tolle Leistung“, freut sich Müller.

„Wir bleiben stark, sichtbar und bereit für die Zukunft“, bringt es Verbandspräsident Müller auf den Punkt. Dieser Dreiklang sei kein bloßer Slogan: „Der Verbandstag ist das Hochfest der genossenschaftlichen Idee.“

Der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, Stefan Müller, ist sich sicher: 

„Wir bleiben stark, sichtbar und bereit für die Zukunft.“ 

„Stärke bedeutet, unter veränderten Bedingungen handlungsfähig zu bleiben“, führt Müller weiter aus. „Wir verbinden Verlässlichkeit mit Veränderungsbereitschaft. Wir bewahren unsere Werte und wir verwechseln Werte nicht mit Stillstand. Genossenschaften sind sichtbar und Sichtbarkeit entsteht durch Verantwortung – wirtschaftliche und gesellschaftliche. Wir übernehmen Verantwortung für Mitarbeitende, für unsere Mitglieder, aber auch für die Regionen und die Menschen, die sich in den Regionen einsetzen“, sagt der Verbandspräsident. „Überdies sind wir bereit für die Zukunft, in einer Zeit, in der die Finanzwirtschaft vor ständig neuen Herausforderungen steht und die stark von neuen Technologien geprägt ist. Wir sehen in diesen Technologien keine Bedrohung. Wir werden die Technologie als Werkzeug nutzen, um noch besser zu werden. Technologie nimmt dem Menschen den Werkzeugkoffer ab, so dass dieser wieder beide Hände frei hat und das tun kann, was KI nicht kann: zuhören und Verantwortung zu übernehmen.“

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Stark, sichtbar und bereit für die Zukunft. Der GVB-Verbandstag 2026 in der Video-Zusammenfassung. 

Zukunftsfähige Lösungen gemeinsam entwickeln

Hinter dem Verbandspräsidenten, der von Löwen-Mut spricht, weht die Mähne des Löwen auf der Leinwand – passend dazu spricht er von Stärke, Sichtbarkeit und Zukunftsbereitschaft. Anschaulich werden diese Eigenschaften auch beim folgenden Geno-Stammtisch mit Julia Graeber, Vorständin von Vedes, Ulrike Brouzi, Vorstandsmitglied der DZ Bank, und Erich Lehmair, Vorstandsvorsitzender der HVG Hopfenverwertungsgenossenschaft. Sie tauschen sich mit Moderatorin Heller und GVB-Verbandspräsident Müller über die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, digitale Transformation und die Zukunft genossenschaftlicher Geschäftsmodelle aus.

Am Geno-Stammtisch: Moderatorin Ursula Heller (v. l.) mit Julia Graeber, Vedes, Ulrike Brouzi, DZ Bank, Erich Lehmair, HVG Hopfenverwertungsgenossenschaft und GVB-Präsident Stefan Müller.

Graeber von Vedes fordert „faire Regeln, die für alle Marktteilnehmer gelten – egal, ob das Unternehmen in Nürnberg oder Shenzhen sitzt“. Das bestätigt HVG-Vorstand Lehmair: „Ein freier, fairer Marktzugang ist unerlässlich. Wenn zunehmend plötzlich neue, ideologiegetriebene Spielregeln erfunden werden, ist das ein Problem.“ Brouzi von der DZ-Bank beobachtet auch, dass die derzeitige Lage herausfordernd ist: „Es bringt aber nichts, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern vielmehr zu sehen, wo man selbst anpacken kann.“

Die Geno-Stammtisch-Teilnehmenden sind sich einig: Gemeinsam lassen sich Veränderungen gestalten. Dafür bedarf es Mut. „Mut zur Veränderung, ohne die eigene Herkunft und die Werte zu vergessen“, fasst GVB-Präsident Müller zusammen. „Genossenschaften sind das bestgehüteste Erfolgsgeheimnis. Wir reden zu wenig darüber, was wir leisten und welche Bedeutung unsere Gruppe in der Wirtschaft hat. Das Genossenschaftswesen ist sehr breit aufgestellt. Kein Tag vergeht, an dem die Menschen nicht direkt oder indirekt mit Genossenschaften in Berührung kommen. Da ist noch Luft nach oben, dass wir noch sichtbarer werden!“ 

Die Stärke von Genossenschaften liege darin, Herausforderungen gemeinsam zu begegnen. Ob durch Investitionen oder Innovationen – wie mithilfe eines geplanten Bewässerungssystems in der Hallertau, mit dem die HVG auf den Klimawandel reagiert und vorausschauend agiert. „Es braucht intelligente, zukunftsfähige Lösungen“, erklärt Lehmair. „Mit einer Bewässerungsanlage stellen wir uns zukunftsfähig auf.“

Mutig vorangehen – auch in herausfordernden Zeiten

Genossenschaften übernehmen Verantwortung – für die Menschen in ihrer Region und für die Zukunft. Walther spricht in seiner Rede von Orientierung. Wenn Menschen zusammengebracht werden, können sie auch in unsicheren Zeiten Entscheidungen treffen. „Zukunft entsteht dort, wo Menschen Vertrauen schaffen und mutig vorangehen“, sagt Walther und spricht die Anwesenden direkt im Saal an: „Genau das zeichnet Sie alle aus.“

Wer wie ein Bergführer durch unsicheres Gelände und auch durch den Nebel führen will, braucht Stärke und muss sichtbar bleiben. „Der Bergführer ist bereit für die Zukunft, er kennt den Weg und weiß, wie er die Gruppe sicher dorthin führen kann.“ Er ist ein Verantwortungsträger – auch in schwierigen, herausfordernden Zeiten.

Diese möglicherweise „böse neue Welt“ analysiert für die Gäste des Verbandstags der Politikwissenschaftler Stephan Bierling in seinem Festvortrag. Darin geht der Professor für internationale Politik auf die Folgen der aktuellen geopolitischen Umbrüche für Deutschland und Europa ein. „Der Angriff Putins, Xis und Trumps auf die liberale internationale Ordnung trifft Deutschland ins Mark. Wir haben mehr profitiert von Freihandel und US-Verteidigungsgarantie als jedes andere Land der Erde. Und wir sind auf die böse neue Welt nicht vorbereitet, nicht sicherheitspolitisch, nicht ökonomisch, nicht mental.“

Die Vertreterinnen und Vertreter der bayerischen Genossenschaftsfamilie erhalten von dem Politikwissenschaftler einen Tipp für den täglichen Umgang mit den ständig auftauchenden Nachrichten über die Weltlage. Bierling fordert zu Besonnenheit und Ruhe auf. Es müsse nicht auf jede eintreffende Nachricht sofort reagiert zu werden. Es lohne sich, abzuwarten und sich in den Leitmedien zunächst gründlich zu informieren, bevor gehandelt werde. Wenn die Welt in Unordnung geraten ist, sei es ratsam, Ereignisse zunächst einzuordnen und nicht übereilt zu handeln.

Stark, sichtbar und bereit für die Zukunft

Mut und Zuversicht dürfen in einem raueren Umfeld nicht verloren gehen. Walther als Ehrenamtlicher Verbandspräsident und Vorsitzender des Verbandsrates appelliert daher dafür, als „genossenschaftliche Piloten“ weiter Verantwortung zu übernehmen. „125 Jahre sind nicht einfach viele Jahre. Das sind Millionen Entscheidungen, Millionen Gespräche, Millionen Handschläge und vor allem Millionen Vertrauensbeweise.“ Dies gelte auch für die Zukunft. Denn: „Geschichte entsteht nicht durch Jubiläen. Geschichte entsteht dadurch, dass Menschen Tag für Tag Verantwortung übernehmen.“ Ob das Menschen sind, die den Mittelstand finanzieren, die Landwirtschaft stärken, die Energiewende vorantreiben – sie alle agieren aus einer Haltung heraus. Mit dem Anspruch, Verantwortung zu übernehmen und konkrete Lösungen für ihre Regionen zu entwickeln. 

So wünscht sich Walther für das kommende Jahr vor allem auch Aktionen für junge Menschen. „Sozusagen als Fortsetzung der genossenschaftlichen Lichterkette im vergangenen Jahr, hoffe ich auf viel Engagement unserer Genossenschaftsbanken, das darauf ausgerichtet ist, junge Menschen zu erreichen.“ Seine eigene Bank, die VR-Bank Mittelfranken Mitte zum Beispiel habe einen Jugendbeirat gegründet. „So holen wir Schülerinnen und Schüler in unser Haus – und somit auch deren Ideen.“

„Übernehmen Sie Verantwortung, treffen Sie Entscheidungen und haben Sie den Mut, vorwärtszugehen, etwas auszuprobieren und auch mal ein Risiko einzugehen“, fügt Verbandspräsident Müller hinzu. „Lassen Sie nicht nach, damit die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden kann und damit wir sagen können: Genossenschaften sind stark, sichtbar und bereit für die Zukunft.“

Der Verbandstag bayerischer Genossenschaften

Der Verbandstag bayerischer Genossenschaften wird von der Mitgliederbetreuung des Genossenschaftsverband Bayern organisiert, federführend von Regina Wenninger.

Rund 900 Vertreterinnen und Vertreter kamen zum 125. Verbandstag bayerischer Genossenschaften zum Veranstaltungsort, dem Münchner Nockherberg. 

Die Veranstaltung wurde auch im Live-Stream im Mitgliederportal übertragen.

Nach dem offiziellen Teil besteht traditionell die Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken – mit deftigen Schmankerln und Kaiserschmarrn draußen im Biergarten.

Der nächste Verbandstag findet am 15. Juli 2027 auf dem Münchner Nockherberg statt. 

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