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Herr Dr. Mitzlaff, Sie haben kürzlich die Bilanz der SDK für 2025 vorgestellt. Wie fällt diese aus?

Ulrich Mitzlaff: Mit der Bilanz 2025 sind wir zufrieden, vor allem angesichts der herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Das Geschäftsergebnis ist mit 51,1 Millionen Euro verhältnismäßig niedrig ausgefallen. Dies liegt insbesondere in der deutlichen und überplanmäßigen Steigerung der Leistungsausgaben von fast elf Prozent begründet. Dieses Phänomen der überplanmäßigen Steigerung ist kein SDK-spezifisches, hiervon ist die gesamte Branche betroffen. Und nicht nur diese: Die gesetzliche Krankenversicherung kämpft auch, beziehungsweise noch viel mehr mit steigenden Kosten, wie man der aktuellen Medienlandschaft nahezu täglich entnehmen kann. Im Gegensatz zu ihr ist die private Krankenversicherung jedoch ohne Steuerzuschüsse oder Leistungskürzungen finanziell eigenständig und stabil. So belastet sie nachfolgende Generationen nicht durch steigende Kosten. Nicht zuletzt sind diese Leistungsausgaben „gute“ Kosten. Denn genau das ist unsere Aufgabe: Unseren Mitgliedern ihre Krankheitskosten zu erstatten und für sie da zu sein, wenn sie uns brauchen. Und da andere Bereiche, wie zum Beispiel die Beitragseinahmen und das Kapitalanlageergebnis, alle gut im Plan lagen, kann sich das Geschäftsergebnis durchaus sehen lassen.

„Unsere Eigenkapitalquote liegt mit 22,5 Prozent erneut deutlich über dem Marktdurchschnitt von 14,8 Prozent.“

Welche Kennzahlen verdienen ein besonderes Augenmerk?

Mitzlaff: Nachdem wir im Vorjahr die Milliardengrenze bei den gebuchten Bruttobeiträgen geknackt haben, konnten wir hier erneut eine Steigerung um rund 6,6 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro verzeichnen. Damit sind wir weiterhin die Nummer 13 im Markt der privaten Krankenversicherer. Eine Position, die sich durchaus sehen lassen kann. Zudem haben wir mit einer Produktion von 2,57 Millionen Monatsbeiträgen erneut sehr gute Vertriebsergebnisse erzielt, nicht zuletzt dank der fruchtbaren Zusammenarbeit mit unseren Partnerbanken in den süddeutschen Genossenschaftsverbänden. Auch unsere Eigenkapitalquote liegt mit 22,5 Prozent erneut deutlich über dem Marktdurchschnitt von 14,8 Prozent, ebenfalls ein Beleg für das traditionell seriöse und nachhaltige Wirtschaften der SDK.

Positiv: Die gebuchten Brutto-Beiträge der SDK sind im Jahr 2025 weiter gestiegen. Grafik: SDK

Negativ: Auch die Leistungsausgaben der SDK steigen – wie bei allen Krankenversicherungen – von Jahr zu Jahr. Grafik: SDK

Wie sieht es bei der Zahl der Kundinnen und Kunden aus?

Mitzlaff: Auch an versicherten Personen konnten wir wachsen, die SDK zählte zum Stichtag 31. Dezember 2025 rund 683.000 Kundinnen und Kunden. Im für uns wichtigsten Segment, den erwachsenen Vollversicherten ohne Beihilfe, sind wir nun bereits zwei Jahre in Folge gewachsen, was bei Weitem nicht allen Marktteilnehmern gelungen ist.

„Die Zusammenarbeit mit den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken ist für uns enorm wichtig und beruht auf gemeinsamen Werten und auch einer langjährigen gemeinsamen Geschichte.“

Welche Bedeutung hat die Vertriebspartnerschaft mit den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken für die SDK?

Mitzlaff: Die Zusammenarbeit mit den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken ist für uns enorm wichtig und beruht auf gemeinsamen Werten und auch einer langjährigen gemeinsamen Geschichte. Die SDK wird in diesem Jahr 100 Jahre alt und wurde seinerzeit aus demselben Gedanken gegründet, der heute Kern der Genossenschaftsverbände ist: Solidarität. Die Zusammenarbeit mit den Volks- und Raiffeisenbanken in Süddeutschland begann bereits vor über 60 Jahren. Und auch der Ausblick macht Freude, denn die Entwicklung im vergangenen Jahr war sehr positiv. Übrigens liegt die produktionsstärkste Bank, mit der wir arbeiten, in Bayern. An diese Erfolge wollen wir in den kommenden Jahren anknüpfen und sie weiter ausbauen.

100 Jahre SDK

Die Süddeutsche Krankenversicherung SDK feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen mit Aktionen für die Mitglieder und Veranstaltungen für Mitarbeitende sowie für geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und dem Vertriebsnetzwerk. „100 Jahre SDK: Ein Anlass zum Feiern. Und ein Moment, um kurz innezuhalten und zurückzublicken: auf eine lange Geschichte, die von Vertrauen, Verlässlichkeit und einem starken Miteinander geprägt ist. Die enge Zusammenarbeit mit den Volks- und Raiffeisenbanken in Süddeutschland hat zu dieser erfolgreichen Geschichte erheblich beigetragen. Dafür sagen wir Danke“, äußert sich die SDK. Zugleich sei das Jubiläum Ansporn, auch weiterhin für die Gesundheit und Lebensqualität der Kundinnen und Kunden da zu sein. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite 100 Jahre SDK – Dein Gesundheitspartner seit 1926.

Welche Themen stehen in der Vertriebspartnerschaft mit den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken aktuell auf der Agenda?

Mitzlaff: Für die Zusammenarbeit und den gemeinsamen vertrieblichen Erfolg stehen mehrere Themen im Vordergrund. Zentral ist das Neugeschäft im Bereich der Krankheitskostenvollversicherung. Dabei spielt die ganzheitliche Gesundheitsvorsorge der Kundinnen und Kunden der Banken eine bedeutende Rolle. Das zweite Thema ist der Bereich der betrieblichen Gesundheit und Gesundheitsvorsorge. Wie wir inzwischen täglich den Medien entnehmen können, muss das aktuelle Gesundheitssystem reformiert werden. Um die Stärkung der Gesundheitsvorsorge im betrieblichen Kontext kommen wir da nicht herum. Zumal sie auch noch ein wichtiger Faktor für Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung ist und Fehlzeiten reduzieren kann. Neben diesen für uns als private Krankenversicherung klassischen Themen steht noch ein weiteres auf der Agenda. Unser zusammen mit dem Online-Versicherungsmakler Friendsurance gegründetes Joint Venture „Bancassurance 360 GmbH“ (BA360) bietet Banken einen digitalen Versicherungsmanager für ihre Kundschaft – ein Themenfeld, das in der Erfüllung von Kundenbedürfnissen für Banken immer wichtiger wird.

„Die betriebliche Krankenversicherung ist ein Geschäftsfeld, das sowohl für den vertrieblichen Erfolg als auch gesamtgesellschaftlich zunehmend an Bedeutung gewinnt.“

Sie haben die betriebliche Krankenversicherung bereits als wichtiges Geschäftsfeld in der Vertriebspartnerschaft mit den Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern angesprochen. Wie ist die SDK in diesem Bereich aufgestellt?

Mitzlaff: Die betriebliche Krankenversicherung, kurz bKV, ist ein Geschäftsfeld, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sowohl für den vertrieblichen Erfolg als auch gesamtgesellschaftlich. Denn eine gute und nachhaltig finanzierte Gesundheitsversorgung muss auf mehreren Säulen ruhen. Neben der gesetzlichen Krankenversicherung gehören private Vorsorge und die betriebliche Absicherung dazu. Auch hier verfügen wir über langjährige Erfahrung und Expertise, die wir gerne und mit Erfolg in unseren Partnerbanken bei deren Firmenkundenberatung einbringen. Übrigens schließen auch immer mehr bayerische Banken selbst Gruppenverträge bei uns ab, ein schönes Zeichen dafür, dass unsere Partner von unserem Angebot und seinen Mehrwerten überzeugt sind.
 

Wie unterstützen Sie die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken dabei, das Thema bKV zu beraten?

Mitzlaff: Der Bereich bKV erfordert in der Tat spezialisierte Beratung. Neben der Herausforderung, manche Firmenkunden in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld überhaupt vom Nutzen einer bKV zu überzeugen, gibt es einiges zu beachten, wenn das Angebot am Ende passgenau die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens abdecken soll. Hierfür bieten wir bei der SDK eine kombinierte Beratung: Der in der jeweiligen Bank bekannte Ansprechpartner unseres Außendienstes zieht bei Bedarf einen Spezialisten aus unserem Firmenkundensegment hinzu. So kann die Bank auf kompetente und spezialisierte Beratung zugreifen. Zudem ist kürzlich unser Arbeitgeberportal an den Start gegangen. Es bietet Firmenkunden die Möglichkeit, Prozesse wie zum Beispiel An- und Abmeldungen von Mitarbeitenden in der bKV unkompliziert selbst vornehmen zu können.

„Die Fusion der SDK mit der Stuttgarter Lebensversicherung AG ist die Vereinigung zweier starker Unternehmen auf absoluter Augenhöhe.“

Sie planen unter dem Motto „Vereint stärker!“ die Fusion mit der Stuttgarter Lebensversicherung a. G. Was sind die Gründe?

Mitzlaff: Gründe und Vorteile gibt es zahlreich. Es ist die Vereinigung zweier starker Unternehmen auf absoluter Augenhöhe. Wir verdoppeln uns in der Bilanzgröße und den Beitragseinnahmen. Unsere Produktportfolien ergänzen sich optimal und ergeben einen spezialisierten Vollsortimenter in der Personenversicherung, sowohl im Privat- als auch im Firmenkundenbereich für die Bereiche Kranken, Leben und Unfall. Zugleich sind unsere bisherigen Vertriebsansätze komplementär. Die Stuttgarter ist traditionell im Maklervertrieb sehr gut aufgestellt und unter anderem in Norddeutschland sehr erfolgreich und präsent. Die SDK hingegen setzt seit mehreren Jahren auf einen Multikanalvertrieb, in dem der Ausschließlichkeitsvertrieb und Zusammenarbeit mit den Volks- und Raiffeisenbanken in Süddeutschland eine wichtige Rolle spielen. Nicht zuletzt schaffen wir außerdem eine deutlich breitere Investitionsbasis, zum Beispiel mit Blick auf die Digitalisierung, verbessern darüber hinaus unsere Position im Arbeitgebermarkt und können regulatorische Kosten verdünnen.

Wo stehen Sie im Fusionsprozess und wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Mitzlaff: Seit Juli 2025 befinden wir uns in einem Gleichordnungskonzern, sind also schon zusammengeschlossen, aber agieren noch als eigenständige Unternehmen. Das wollen wir in einem nächsten Schritt im Oktober 2026 ändern und dann den finalen Zusammenschluss zu einer gemeinsamen Versicherungsgruppe vollziehen. Die Rechtsform Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit – VVaG – wird erhalten bleiben und ein gemeinsamer Verein an der Spitze der neuen Gruppe stehen, denn oberste Priorität war für uns bei allen Überlegungen, dass auch in Zukunft die Mitglieder Kern und Grund unserer Geschäftstätigkeit bleiben. Neben und nach diesem nächsten und finalen gesellschaftsrechtlichen Schritt gibt es natürlich organisatorisch viel zu tun. Die Planung unserer neuen Aufbauorganisation und die Einführung neuer Prozesse brauchen viel Sorgfalt und eine fortlaufende, gründliche Einbindung der Mitarbeitenden und der Gremien.

„Vertrauen ist maßgeblich für eine erfolgreiche Partnerschaft.“

Wie wird sich die Fusion mit der Stuttgarter Lebensversicherung auf die Vertriebspartnerschaft mit den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken auswirken?

Mitzlaff: Hier lautet die Antwort: Es kommt darauf an. Oder besser: Es kommt auf die jeweilige Bank an. Denn wir maßen uns nicht an, unseren Geschäftspartnern vorzuschreiben, welche Produkte sie ihren Kundinnen und Kunden anbieten möchten. Viele Volks- und Raiffeisenbanken haben bereits Partner im Bereich der Lebensversicherung. Wir werden weiterhin für unsere Partnerbanken als der Spezialist für die Krankenversicherung auftreten und dahingehend zur Verfügung stehen. Dort, wo es gewünscht ist, können wir zukünftig natürlich auch Angebote im Bereich der Lebens- und der Unfallversicherung machen – und die Stuttgarter und ihre Produkte haben im Markt übrigens einen ebenso guten Ruf wie die SDK. Daher gab es bereits Banken, die diesbezüglich bei uns angefragt haben. Entscheidend war, ist und bleibt die persönliche Beziehung zwischen den Außendienstpartnern der SDK und ihren jeweiligen Ansprechpartnern der Banken. Vertrauen ist maßgeblich für eine florierende Partnerschaft, die beiden Partnern Freude und Erfolg bringt.
 

Wagen wir noch einen Ausflug in die Politik: Die Gesundheitskosten in Deutschland steigen immer weiter. Auch die Versicherungsbranche hat bei der privaten Krankenversicherung mit drastischen Leistungssteigerungen zu kämpfen. Wie gehen Sie mit dem Thema um?

Mitzlaff: Die Steigerungen in den Leistungsausgaben waren in den letzten Jahren in der Tat in der gesamten Branche enorm. Dies liegt sowohl in einer steigenden Anzahl an Fällen als auch höheren Fallkosten begründet. Der Umgang für die private Krankenversicherung mit dem Thema ist klar und deutlich nachhaltiger als bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Beim Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherung finanzieren sich die Versicherten sozusagen selbst aus. Dadurch werden diese höheren Kosten nicht auf nachfolgende Generationen abgewälzt. Zugleich führen sie jedoch zu teilweise spürbaren Anpassungen der Beiträge, das können und wollen wir nicht leugnen. Das wird aber nicht auf Dauer so weitergehen, denn die zuvor genannte Steigerung der Schadenhöhen, also der Abrechnungsfaktoren, wird irgendwann „ausgereizt“ sein. Hinzu kommt, dass wir die Hoffnung auf eine vernünftige Gesundheitsreform nicht aufgeben. Und wenn diese dann übergreifend mehr Transparenz- und Kostenbewusstsein sowie Prävention fördert, wird das auch entsprechende Effekte in der privaten Krankenversicherung haben.

„Wir werden nicht umhinkommen, dass die Menschen zukünftig wieder mehr Eigenverantwortung für ihre eigene Gesundheits- und auch Altersvorsorge übernehmen.“

Welche Perspektiven hat die private Krankenversicherung aus Sicht der SDK vor dem Hintergrund der Leistungssteigerungen?

Mitzlaff: Wir werden nicht umhinkommen, dass die Menschen zukünftig wieder mehr Eigenverantwortung für ihre eigene Gesundheits- und übrigens auch Altersvorsorge übernehmen. Das System private Krankenversicherung an sich ist gut aufgestellt und nach wie vor, insbesondere angesichts der finanziellen Misere der gesetzlichen Krankenversicherung, eine wichtige Säule der an sich guten und hochwertigen Gesundheitsversorgung in Deutschland.

„Man bekommt den Eindruck, dass ein vernünftiger Diskurs, der auf das große Ganze abzielt und langfristige Stabilität im Blick hat, kaum noch möglich ist.“

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken plant mit der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung ein Gesetz, das auf eine nachhaltige Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung ab dem Jahr 2027 abzielt. Inwiefern würde das auch die private Krankenversicherung tangieren und wie positioniert sich die SDK dazu?

Mitzlaff: Hierzu erlaube ich mir erst einmal die Bemerkung, dass ich es, weniger in meiner Rolle als Vorstandsvorsitzender einer privaten Krankenversicherung, sondern viel mehr als Bürger und Vater von drei Kindern, schade finde, wie schnell und aus welchen Bereichen gegen diese Vorschläge und die aktuell geplante Reform auf die Barrikaden gegangen wurde. Man bekommt den Eindruck, dass ein vernünftiger Diskurs, der auf das große Ganze abzielt und langfristige Stabilität im Blick hat, kaum noch möglich ist. Und zugleich ist es aus meiner Sicht ein durchaus gutes Zeichen, wenn nahezu alle Akteure sich beschweren. Denn es ist ein Indiz dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind und alle etwas beitragen müssen. Die Reformvorschläge von Frau Warken sind die ersten seit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die keine Leistungsausweitungen vorsehen und aktiv Kostendämpfung adressieren. Das ist wichtig und richtig, das sollten daher alle Stakeholder anerkennen. Gleichzeitig kann es nur ein erster Reformschritt sein, weitere müssen folgen.
 

Welche Punkte der geplanten Reform der gesetzlichen Krankenversicherung sehen Sie kritisch, welche positiv?

Mitzlaff: Sicher kann man über einzelne Aspekte streiten, aber Kompromisse müssen wir alle eingehen. Über eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze sind wir als private Krankenversicherung natürlich nicht glücklich. Darin sehen wir mehrere Risiken, auch für die Wirtschaft. Zugleich stecken im Wegfall der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern wiederum Chancen für die private Krankenversicherung, die dadurch für manche bislang freiwillig gesetzlich Versicherte attraktiver wird. Fest steht: Wir brauchen eine Reform, und zwar eine, die alle im Blick hat. Den aktuellen Ansatz finde ich da gar nicht so falsch.

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Der Jubiläumsfilm 100 Jahre SDK zeichnet die Entwicklung der vergangenen 100 Jahre nach – von den Anfängen über wichtige Etappen bis hin zum heutigen Selbstverständnis als fairer Partner im Bereich Gesundheit. Quelle: SDK

Der Bund hat eine grundlegende Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen, um diese attraktiver zu machen. Wie bewerten Sie die Reform aus Sicht der SDK?

Mitzlaff: Altersvorsorgeprodukte bieten wir als Gruppe über die Stuttgarter Lebensversicherung a. G. an. Wir sehen die Reform als wichtigen politischen Impuls, weil sie der privaten Altersvorsorge wieder mehr Gewicht gibt und ihre Notwendigkeit anerkennt. Wir müssen weg von der Vollkaskomentalität, die in den sozialen Sicherungssystemen Einzug gehalten hat. Positiv ist auch, dass stärker auf Kapitalmarkterträge gesetzt wird und bestehende Strukturen weiterentwickelt werden. Gleichzeitig zeigt sich, dass zentrale Fragen noch nicht abschließend gelöst sind. Staatlich geförderte Vorsorge sollte aus unserer Sicht klar auf eine verlässliche Absicherung im Alter ausgerichtet sein. Wenn dieses Ziel nicht konsequent verankert wird, entstehen neue Unsicherheiten, die das Vertrauen eher schwächen als stärken. Insgesamt ist die Reform ein Schritt nach vorn – ihre politische Zielsetzung muss sich aber noch stärker an langfristiger Versorgungssicherheit und gesellschaftlicher Tragfähigkeit orientieren.

„Die gesetzliche Rente kann künftig den Lebensstandard nicht mehr sichern, sondern bleibt eine Basisabsicherung. Diese Realität muss klar benannt werden.“

Sie haben bei der Präsentation der Bilanzkennzahlen für 2025 auch Überlegungen zur Reform der gesetzlichen Rente angestellt. Was sind Ihre Kernanliegen?

Mitzlaff: Unsere Kernanliegen beginnen mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Die gesetzliche Rente kann künftig den Lebensstandard nicht mehr sichern, sondern bleibt eine Basisabsicherung. Diese Realität muss klar benannt werden. Darauf aufbauend braucht es ein deutlich einfacheres, verlässlicheres und regelbasiertes System. Zu hohe Komplexität und politische Detailsteuerung haben in der Vergangenheit notwendige Reformen eher blockiert als ermöglicht. Zugleich sehen wir ordnungspolitische Fragen, etwa bei einer stärkeren Rolle des Staates als Anbieter. Hier kommt es auf klare Verantwortlichkeiten und effiziente Strukturen an. Insgesamt geht es um ein tragfähiges „Betriebssystem“ der Altersvorsorge, das finanzielle Grenzen anerkennt, Transparenz schafft und Menschen befähigt, ihre Vorsorgelücken aktiv zu schließen. Entscheidend ist ein stimmiges Gesamtkonzept, in dem gesetzliche, betriebliche sowie private Vorsorge sinnvoll ineinandergreifen.


Herr Mitzlaff, vielen Dank für das Gespräch!

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