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Herr Dr. Gros, was misst der Heimatindex der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken?

Jürgen Gros: Bayern ist lebenswert. Den empirischen Beleg dafür liefert der Ende August erstmals veröffentlichte Heimatindex der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Der Index ist ein Zufriedenheitsbarometer, das derzeit 71 von 100 möglichen Punkten misst. Das ist ein Spitzenwert, der zeigt, wie wohl sich die Bayern im Freistaat fühlen. Das gilt übrigens unabhängig vom Wohnort. In Altbayern, Franken und Schwaben erreichte der Heimatindex Werte von 71 bis 72 Punkten. Und die Lebensqualität in Landgemeinden unterscheidet sich mit 70 Punkten nur geringfügig von den in Städten gemessenen 72 Punkten. Offenbar greift der seit fünf Jahren in der Bayerischen Verfassung verankerte Auftrag zur Förderung und Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Bayern. 

Sie sprechen von einem empirisch fundierten Beleg. Wie kommt der Heimatindex zustande?

Gros: Der Heimatindex basiert auf einer repräsentativen Erhebung. Dazu fragt ein Meinungsforschungsinstitut im Auftrag der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Lebensumfeld ab. Das geht vom Arbeitsplatz über das Wohnumfeld, der Nähe zu Familie und Freunden bis hin zur Versorgung mit Ärzten oder Schulen. In der ersten Erhebung haben sich in allen übergeordneten Themenkategorien „gute“ bis „sehr gute“ Zufriedenheitswerte ergeben. Daraus ergibt sich der passable Index-Startwert von 71 Punkten.
 

In Bayern lässt es sich also gut leben. Warum ist das für die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Freistaat eine wichtige Erkenntnis?

Gros: Die bayerischen Kreditgenossenschaften sind in allen Regionen des Freistaats verwurzelt. Gemeinsam zählen sie mehr als sechs Millionen Kunden, gut 2,7 Millionen Mitglieder und rund 32.000 Mitarbeiter. Die allermeisten dieser Menschen sind im Freistaat daheim. Deshalb ist es für die Banken von besonderer Relevanz, die Bedürfnisse dieser Menschen zu kennen. Dabei hilft ihnen der Heimatindex, der künftig halbjährlich ermittelt werden soll.
 

Gibt die Erhebung Auskunft darüber, ob es sich in Bayern besser lebt als anderswo im Bundesgebiet?

Gros: In Bayern lässt es sich besser leben als anderswo. Das hat die Pilot-Erhebung für den Heimatindex eindeutig gezeigt. Die bayerischen Bürgerinnen und Bürger vergaben bei der Grundsatzfrage „Wie zufrieden sind Sie alles in allem mit Ihrem Leben?“ 79 von 100 Punkten. Ein höherer Wert wurde in keinem anderen Bundesland gemessen. Der Bundesdurchschnitt beträgt lediglich 73 Punkte.

Warum sind die bayerischen Bürgerinnen und Bürger so zufrieden?

Gros: Sie sind vor allem mit ihrer finanziellen Situation und ihrem Arbeitsplatz zufrieden. Angesichts der noch immer robusten Konjunktur und der rekordhohen Beschäftigung im Freistaat überrascht das nicht. Bemerkenswert finde ich, dass sich der gute Wert des Heimatindex auch aus der stark ausgeprägten Verankerung der Bayern in ihrem sozialen Umfeld ergibt. Sie trägt wesentlich zur hohen Lebensqualität bei. Zufrieden sind die Befragten auch mit dem Bildungs-, Kultur- und Freizeitangebot.

Es kann also alles weitergehen wie bisher? 

Gros: Das wäre der falsche Rückschluss. Der gute Wert des Heimatindex sollte Motivation dafür sein, alles daran zu setzen, um die hohe Lebenszufriedenheit zu bewahren. Sich darauf auszuruhen, wäre nicht der richtige Weg. Insbesondere die Politik ist gefragt, die Weichen für Wachstum und Wohlstand von morgen zu stellen und Blockaden aufzulösen. Es gilt insbesondere, den Abbau unnötiger Bürokratie voranzutreiben. Zu viele kleinteilige und praxisferne Vorschriften dämpfen die wirtschaftliche Entwicklung, anstatt sie zu fördern. Kunden und Kreditinstitute bekommen das derzeit beim Verbraucherschutz zu spüren: Regeln wie die Aufzeichnungspflicht telefonischer Beratungsgespräche zu Wertpapieren greifen übermäßig in die Kunde-Bank-Beziehung ein. Manche Institute ziehen sich wegen solch kostspieliger Regulatorik aus der Wertpapierberatung zurück – obwohl das den Interessen der Anleger widerspricht.


Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Gros: Hinweise auf Handlungsbedarf ergeben sich auch bei der Infrastruktur, insbesondere der Verkehrsinfrastruktur, und beim Thema Sicherheit. Bei der aktuellen Heimatindex-Umfrage liegen die Zufriedenheitswerte dieser Bereiche zwar noch auf einem befriedigenden Niveau. Sie fallen allerdings merklich hinter den anderen Themenfelder zurück. Daraus lässt sich eine konkrete Erwartung an die Politik ablesen, für Verbesserungen zu sorgen.
 

Die Lage in Bayern ist also doch nicht so rosig?

Gros: Im Freistaat geht es uns gut. Das gesellschaftliche und wirtschaftliche Fundament ist über Jahrzehnte gewachsen. Darauf gründet das Wohl der Menschen. Zu Recht sind die Bayern stolz auf ihre Heimat. Wir müssen aber etwas tun, damit es auch in Zukunft dabei bleibt.
 

Herr Dr. Gros, herzlichen Dank für das Interview!

 

Florian Ernst ist Pressesprecher des Genossenschaftsverbands Bayern.

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