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Eine Plattform für Austausch, neue Impulse und gemeinsames Lernen – so ist das Nachhaltigkeitsforum des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) für die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken gedacht. Bei der vierten Auflage Mitte März 2026 im Tagungszentrum Beilngries der Akademie Bayerischer Genossenschaften (ABG) zeigte sich einmal mehr, dass dieses Format funktioniert. Kernfrage war, ob genossenschaftliche Werte, Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg zusammenpassen. In den Vorträgen ging es um neue Regulatorik im Bereich Nachhaltigkeit, entsprechende Unterstützungsleistungen der genossenschaftlichen Finanzgruppe sowie um Best-Practice-Beispiele aus den Instituten. Übergeordnete Themen aus dem Umwelt- und Sozialbereich ergänzten das Programm. Beim „Nachhaltigkeits-Speeddating“ tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus, um neue Perspektiven und Sichtweisen anderer Genossenschaftsbanken zum Thema Nachhaltigkeit kennenzulernen sowie Praxistipps mitzunehmen.

Bayerns Wälder im Wandel – warum ihr Erhalt für Leben und Wirtschaft unverzichtbar ist

Simon Tangerding, Landesgeschäftsführer Bayern der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), führte in die komplexen Zusammenhänge des Ökosystems Wald ein – von der Vielfalt an Baumarten, Pflanzen und Tieren bis hin zu den fein abgestimmten natürlichen Mechanismen, die dieses System stabil halten. Anhand konkreter Praxisbeispiele verdeutlichte Tangerding, wie essenziell biologische Vielfalt für die Widerstandsfähigkeit der Wälder ist. Werden die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen, wie zum Beispiel Mischwälder statt Fichten-Monokulturen, ist die Natur in der Lage, sich selbst zu regulieren und ein stabiles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig unterstrich er die zentrale Bedeutung des Walds für den Menschen: „Der Wald ist die einzige Versicherung, die wir haben, um auf klimatische Veränderungen zu reagieren.“

So kann der Wald bei Extremwetterereignissen wie Starkregen große Wassermengen aufnehmen, den Abfluss verlangsamen und dadurch das Risiko von Überschwemmungen sowie Erosion und Erdrutschen deutlich reduzieren. In Hitzeperioden wiederum wirkt der Wald wie eine natürliche Klimaanlage: Die Luft, die durch ihn strömt, kann um bis zu 15 Grad abgekühlt werden – ein Effekt, der insbesondere in zunehmend heißen Sommern an Bedeutung gewinnt. Dies veranschaulichte Tangerding am Forstenrieder Park: Der Wald übernimmt für München eine wichtige Kühlfunktion und schützt die Stadt so vor extremer Hitze.

Klimarisiken in der Versicherungsbranche

Dass die Versicherungsbranche auch Klimarisiken zunehmend beschäftigen, unterstrich Philipp Bäcker, Leiter Nachhaltigkeit bei der R+V Versicherung. Dabei wird zwischen physischen und transitorischen Risiken unterschieden: Während sich physische Risiken auf konkrete Wetterereignisse wie Dürre, Waldbrände, Stürme, Fluten oder Hagel beziehen, geht es bei transitorischen Risiken unter anderem um die Frage, wie sich veränderte Rahmenbedingungen – etwa neue Materialien im Hausbau – auf die Versicherbarkeit auswirken.

Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass historische Schadensdaten immer weniger verlässliche Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zulassen. In der Folge sind bestimmte Risiken zunehmend schwer oder gar nicht mehr versicherbar. „Nicht versicherbar“ bedeutet dabei, dass Prämien so stark steigen müssten, dass sie für Kundinnen und Kunden wirtschaftlich nicht mehr tragbar wären.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die nachhaltige Transformation gemeinsam mit Unternehmenskunden und die Diversifikation der Portfolios an Bedeutung. Eine enge Zusammenarbeit mit der Politik sei entscheidend – etwa durch eine vorausschauende Baupolitik, die Neubauten in besonders Extremwetter-gefährdeten Gebieten begrenzt. Nachhaltigkeit biete auch hier Vertriebschancen für die Volks- und Raiffeisenbanken, etwa Versicherungslösungen für E-Mobilität oder erneuerbare Energien.

Best Practice: Die Gemeinwohlökonomie der Evenord-Bank

Vorstand Thomas Kühnlein und Werkstudent Joshuah Heck informierten zur Gemeinwohlökonomie und der Gemeinwohl-Bilanz in der Evenord-Bank. Im Zentrum stehe ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell mit dem Ziel, eine werteorientierte und verantwortungsbewusste Wirtschaftskultur in der Bank zu fördern. Nachdem sich die Evenord-Bank bereits 2011 mit Nachhaltigkeit und Werten beschäftigt habe, sei für den Zeitraum 2022/23 die erste Gemeinwohl-Bilanz erstellt worden.  Alle zwei Jahre werden laut Kühnlein und Heck Stakeholder-Befragungen durchgeführt, um zum Beispiel Mitgliederwünsche zu Ausschlusskriterien für ein wertorientiertes Kreditportfolio zu ermitteln.

Die beiden Vertreter der Evenord-Bank berichteten, wie die Idee zur Gemeinwohl-Bilanz entstand, welchem strukturierten Prozess sie bei der Umsetzung gefolgt sind und welche Erkenntnisse sie bislang gewonnen haben. Sie stellten dabei die Mehrwerte für das Unternehmen heraus: Die Bilanz schaffe Transparenz über alle ESG-Themen hinweg, stärke die Resilienz der Organisation und ermögliche es, sich frühzeitig über regulatorische Mindestanforderungen hinaus zu positionieren. Zudem erhöhe die Gemeinwohl-Bilanz die Attraktivität als Arbeitgeber und sorge für mehr Sichtbarkeit bei potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern.

Diversität in der KI: Wie damit umgehen?

Künstliche Intelligenz ist längst Teil unseres Alltags. Im Kern basiert sie darauf, aus großen Datenmengen automatisiert Ergebnisse zu erzeugen – und ist damit immer auch ein Spiegel gesellschaftlicher Strukturen und Ungleichheiten. Soll die KI beispielsweise das Bild eines Mannes generieren, wird sie aktuell ohne weitere Spezifikationen in der Regel eine weiße Person im Anzug darstellen, weil dieses Bild in den ausgewerteten Datenquellen am häufigsten vorkommt.

Alina Gales, Leiterin Diversity & Inclusion an der Technischen Universität München, machte in ihrem Beitrag deutlich, wie relevant dabei insbesondere die soziale Dimension der ESG-Nachhaltigkeitskriterien ist: KI-Systeme können laut Gales bestehende Vorurteile ungewollt verstärken – etwa wenn sie Männern und Frauen unterschiedliche Empfehlungen in Verhandlungssituationen geben. Sie fordert daher neben den Vorgaben der europäischen KI-Verordnung zusätzlich Bürgerrechtsstellen, falls Personen sich durch KI diskriminiert fühlen.

Wichtig sei ein bewusster und verantwortungsvoller Einsatz von KI. Diese biete großes Potenzial, sollte jedoch stets unter menschlicher Kontrolle bleiben, forderte Gales. Dafür brauche es klare Ziele und ein grundlegendes Verständnis für die Funktionsweise von KI. Wichtig sei ferner, KI-Ergebnisse im Einklang mit den eigenen Werten und ethischen Rahmenbedingungen kritisch zu hinterfragen.

Best Practice: Das MITmacher-Konto der Raiffeisenbank Main-Spessart

Leon Roth, Projektmanager Unternehmensentwicklung bei der Raiffeisenbank Main-Spessart mit Sitz in Lohr am Main, schloss das GVB-Nachhaltigkeitsforum für die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken mit einem Praxisvortrag über das „MITmacher-Konto“ der Bank ab. Die Raiffeisenbank Main-Spessart legt sehr viel Wert darauf, dass ihre Kunden auch Mitglied der Genossenschaftsbank sind. Die Mitgliederquote liegt aktuell bei rund 80 Prozent.

Die Idee hinter dem MITmacher-Konto ist laut Roth ebenso einfach wie wirkungsvoll: Kundinnen und Kunden können ihre monatlichen Kontoführungsgebühren reduzieren, indem sie Mitglied der Bank werden oder nachhaltige Optionen wählen – etwa den Verzicht auf papierhafte Belege zugunsten digitaler Lösungen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein „Gut für die Region“-Upgrade zu wählen. Für einen monatlichen Zusatzbeitrag unterstützen Kundinnen und Kunden gezielt Projekte der Raiffeisen-Stiftung, die die Region lebenswerter machen. Durch das „Gut für die Region“-Upgrade konnte die Bank bereits eine Vielzahl an Projekten in den Bereichen Umwelt, Jugend- und Altenhilfe, Kunst und Kultur, Bildung und Sport bereits realisieren.

Genossenschaftliche Werte, Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg ergänzen sich

Die zentrale Erkenntnis des GVB-Nachhaltigkeitsforums 2026 für die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken: Genossenschaftliche Werte, Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg stehen nicht im Widerspruch zueinander. Im Gegenteil: Sie können sich gegenseitig stärken und bieten gemeinsam ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell für Genossenschaftsbanken.

Nachhaltigkeit: Der GVB bietet seine Unterstützung an

Von der strategische Positionierung zum Thema Nachhaltigkeit über die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts bis zur Durchführung eines Energie-Audits: Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) unterstützt seine Mitglieder zum Thema Nachhaltigkeit mit zahlreichen Beratungsleistungen, Leitfäden und Workshops. Alle Informationen dazu gibt es auf der Themenseite Nachhaltigkeit im GVB-Mitgliederportal.

Kontakt:

nachhaltigkeit(at)gv-bayern.de

Telefon +49 89 2868-3472.

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