Nachlass: Union Investment hat eine digitale Lösung entwickelt, die den Prozess der Nachlassüberleitung von Gemeinschaftsdepots vereinfacht und Beraterinnen sowie Berater entlastet.
Herr Reinke, auf der Jahrespressekonferenz im Februar haben Sie zum letzten Mal die Zahlen von Union Investment vorgestellt. Wie bewerten Sie das letzte Geschäftsjahr von Union Investment unter Ihrer Führung, bevor Ihr Nachfolger André Haagmann zum 1. April 2026 als Vorstandsvorsitzender das Ruder übernimmt?
Hans Joachim Reinke: Wir leben in Zeiten großer geopolitischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund sind die Zahlen und der gesamte Geschäftsverlauf des Jahres 2025 als sehr stark zu bewerten. Kontinuität prägt unseren Kurs. Unsere Leistungen zeichnen sich durch große Verlässlichkeit aus. Wir verzeichnen ein Wachstum sowohl bei privaten wie auch institutionellen Kunden, den Ausbau der Assets under Management um rund sechs Prozent und ein solides Betriebsergebnis auf hohem Niveau. Insgesamt haben wir 2025 im Privatkundengeschäft das zweitbeste Absatzergebnis unserer 70-jährigen Unternehmensgeschichte erzielt. All dies wurde ermöglicht dank der erfolgreichen Zusammenarbeit mit unseren genossenschaftlichen Partnern über viele Jahre. Auf Basis dieser guten Ausgangsposition können wir optimistisch ins Jahr 2026 blicken. Denn Fonds sind und bleiben ein Wachstumsmarkt. Insbesondere die private Altersvorsorge wird dabei mit Blick auf die politischen Entscheidungen im Fokus stehen. Ein Thema, das für uns als Marktführer in der geförderten Vorsorge ein besonderes Anliegen ist.
Die wichtigsten Geschäftszahlen von Union Investment zum 31. Dezember 2025 auf einen Blick
- Nettoabsatz: 23,3 Milliarden Euro (2024: 17,3 Mrd. Euro)
- Assets under Management: 534,6 Milliarden Euro (2024: 504,7 Mrd. Euro)
- Betriebsergebnis: 1.185 Millionen Euro (2024: 1.241 Mio. Euro)
- Sparpläne inklusive Riester-Rente und VL-Sparen: 6,55 Millionen (2024: 6,4 Mio.)
Hier geht’s zur Pressemitteilung von Union Investment zum Geschäftsjahr 2025.
Sie haben die Altersvorsorge gerade angesprochen. Wie stark wird dieses Thema das Asset Management von Union Investment in Zukunft bestimmen?
Reinke: In der Altersvorsorge ist mittlerweile sowohl in der Politik als auch vielfach bei Sparerinnen und Sparern die Bedeutung der Kapitalmärkte für den Vermögensaufbau angekommen. Wie derzeitige Erhebungen belegen, stimmen inzwischen 70 Prozent der Menschen in Deutschland der Aussage zu, dass eine gute Altersvorsorge auch ein Finanzprodukt mit Aktien oder Fonds enthalten sollte. Vor zwölf Jahren hat das nur ein gutes Drittel so gesehen. Das zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg hin zu einer ausgewogenen Geldanlage in jedem Depot, aber wir haben noch lange nicht jeden erreicht. Daher ist es auch mit Blick nach vorne wichtig, die finanzielle Bildung in Deutschland weiter voranzubringen und für die Notwendigkeit eines ausgewogenen und chancenorientierten Vermögensaufbaus zu sensibilisieren. Dafür können zum einen Teil wir bei Union Investment sorgen, aber auch die Genossenschaftsbanken vor Ort.
„Es gab immer wieder Höhen und Tiefen, in denen die Zukunft unsicher erschien und wir unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen mussten.“
Sie sind seit 35 Jahren bei Union Investment, davon 22 Jahre im Vorstand und 16 Jahre als Vorstandsvorsitzender. Wie haben Sie die Zeit bei Union Investment erlebt?
Reinke: Ich bin in erster Linie dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, mich immer wieder zu beweisen und dabei diesen Weg zu gehen. Das war nicht selbstverständlich, einmal Vorstandsvorsitzender zu werden. Es gab immer wieder Höhen und Tiefen, in denen die Zukunft unsicher erschien und wir unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen mussten. Denken wir an die Finanzmarktkrise, die Eurokrise oder andere Ereignisse, die die Märkte unter Druck gesetzt haben. Trotzdem waren wir immer stabil unterwegs und es gab für unser Unternehmen nur eine Antwort – Wachstum.
Kontinuierliches Wachstum: Mit knapp 535 Milliarden Euro verzeichnete Union Investment im Geschäftsjahr 2025 bei den Assets under Management ein neues Allzeithoch. Grafik: Union Investment
Was hat Ihren Werdegang und Ihre Arbeit bei Union Investment geprägt?
Reinke: Ich sage immer: 40 Prozent sind Glück. Ich hatte beispielsweise sehr oft das Glück, dass ich zu den richtigen Zeitpunkten die richtigen Menschen kennengelernt habe, die mir Türen geöffnet haben. Die anderen 40 Prozent: Ich habe vor nichts Angst. Das heißt nicht, dass ich nicht demütig bin, aber ich sehe das Leben als Chance und wenn man das Leben als Chance begreift, dann hat man auch Glück. Die restlichen 20 Prozent entfallen darauf, dass ich nicht ganz doof auf die Welt gekommen bin. Was mir bei meiner Arbeit aber am meisten Spaß macht: Dass ich jeden Tag mit Menschen zu tun habe. Denn das Einzige, was ein Unternehmen nicht bilanzieren kann, ist der Mensch, aber er macht am Ende den Unterschied. Man kann sich heutzutage alles kaufen. Aber nicht die richtigen Menschen. Die muss man finden. Ich hatte die Ehre, mit den Besten der Besten zusammenzuarbeiten.
„Ich habe eine Familie zu Hause und eine Familie in der Union und ich fühle mich natürlich auch der genossenschaftlichen Familie zugehörig.“
Mit welchen Gefühlen gehen Sie nun von Bord?
Reinke: Vor allem mit großer Dankbarkeit. Als ich 1991 zu Union Investment kam, haben die genossenschaftlichen Banken unsere Produkte nicht verkauft, weil wir gut waren, sondern weil wir zur Familie gehörten. Es arbeiteten 180 Menschen im Unternehmen. Das verwaltete Vermögen lag bei 8 Milliarden D-Mark, das Ergebnis vor Steuern bei einer Million D-Mark. Heute sind wir über 4.400 Mitarbeitende aus 59 Ländern, haben 535 Milliarden Euro Assets under Management und ein Ergebnis vor Steuern von 1.185 Millionen Euro. Dabei empfinde ich natürlich auch ein bisschen Stolz, dass ich die 70-jährige Geschichte von Union Investment 35 Jahre lang mitgestalten durfte. Dies wäre jedoch nicht möglich gewesen ohne die vielen Kolleginnen und Kollegen, die diese einzigartige Union-Familie ausmachen. Und wenn ich von Familie spreche, dann meine ich das auch so: Ich habe eine Familie zu Hause und eine Familie in der Union und ich fühle mich natürlich auch der genossenschaftlichen Familie zugehörig.
Was waren in Ihrer Vorstandszeit die größten Herausforderungen, die Sie zu bewältigen hatten?
Reinke: Rückblickend gab es schon einige Wendepunkte und auch vielleicht Momente oder Dinge, die ich nicht richtig eingeschätzt habe. Nehmen wir die Finanzmarktkrise 2008. Da versicherte die Kanzlerin in der wichtigsten Nachrichtensendung, die Einlagen seien sicher. Nur anderthalb Stunden später erklärte ihr Bundesfinanzminister, diese Aussage gelte nicht für Fonds. Zwar ist völlig klar, dass wir das Geld unserer Anleger treuhänderisch verwalten. Aber viele hat diese Aussage völlig verunsichert. Innerhalb von drei Monaten haben wir damals 20 Prozent unserer gesamten Assets verloren und wussten überhaupt nicht, wie es weitergeht. In dieser Situation habe ich gelernt, Entscheidungen zu treffen und dann auch voranzugehen.
„Das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann, ist der Vorwurf, ich wüsste nicht mehr, was in den Banken passiert und wie die Kunden denken und fühlen.“
Ihnen wird nachgesagt, sehr viel Wert auf den persönlichen Austausch mit den Partnerbanken zu legen. Warum war Ihnen das wichtig?
Reinke: Das wird mir hoffentlich nicht nur nachgesagt, sondern das wurde hoffentlich auch so erlebt. Denn das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann, ist der Vorwurf, ich wüsste nicht mehr, was in den Banken passiert und wie die Kunden denken und fühlen. Daher habe ich immer versucht, einen Tag pro Woche bei unseren Partnerbanken vor Ort zu sein. Warum ist das wichtig? Es geht hierbei immer darum, die Balance zwischen Produktgeber – also uns – und den Genossenschaftsbanken vor Ort zu halten. Die Gleichung lautet: Wenn es der Bank gut geht, geht es uns als Verbundunternehmen auch gut. Geht es den Banken schlecht, geht es uns auch schlecht. Seitens der Banken wurde dies immer unterstützt. Auch dafür bin ich extrem dankbar.
Wie haben Sie die Gespräche und die Zusammenarbeit insbesondere mit den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken erlebt?
Reinke: Da fallen mir spontan zwei Dinge ein: konstruktiv und auf Augenhöhe. Ich habe viele Jahre lang im Frühjahr und Herbst auf unseren Roadshows in ganz Deutschland und natürlich auch in Bayern die Vorstände unserer Partnerbanken getroffen. Dabei gab es immer Möglichkeiten, sich darüber auszutauschen, wo der Schuh drückt und welche Lösungen Union Investment beisteuern kann, um die Probleme zu lösen. Vieles, was wir erfolgreich in den letzten Jahren umgesetzt haben, entsprang aus diesen Gesprächen.
„Es ist wichtig, dass man die DNA unseres Unternehmens und der genossenschaftlichen Finanzgruppe kennt und begreift.“
Was geben Sie zum Abschluss Ihrer Amtszeit Ihrem Nachfolger, aber auch allen Mitarbeitenden von Union Investment sowie den Partnerbanken mit auf den Weg?
Reinke: André und ich arbeiten ja bereits seit 20 Jahren zusammen. Daher ist er nicht nur ein Kollege, sondern auch ein Freund. Und ich bin froh, dass der Aufsichtsrat ihn ausgewählt hat, das war mein Wunsch. Denn es ist wichtig, dass man die DNA unseres Unternehmens und der genossenschaftlichen Finanzgruppe kennt und begreift. Ich glaube zutiefst, dass Unternehmen mit eigener Kultur auch ihre eigene Konjunktur schreiben. Das hat Union Investment immer gezeigt und das wird André eins zu eins fortsetzen.
Herr Reinke, vielen Dank für das Gespräch!