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Herr Mertesacker, Ihre Autobiographie trägt den Titel „Weltmeister ohne Talent“. Wenn man kein Talent hat, was braucht man dann, um erfolgreich zu sein?

Per Mertesacker: Der Titel „Weltmeister ohne Talent“ ist natürlich auch mit einem Augenzwinkern gewählt. Wenn man über die Top-Talente meiner Jugendgeneration gesprochen hat, war ich jedenfalls nicht in der Liste vorne dabei. Gleichzeitig hat mich der Begriff „Talent“ immer wieder fasziniert. Schlägt Wille das Talent oder das Talent den Willen? Für den Erfolg gibt es jedenfalls sehr viele Parameter. Manche davon liegen in der eigenen Hand. Und gleichzeitig braucht man aber auch Glück und Fügung, dass man im entsprechenden Moment das Vertrauen des Trainers bekommt und in die Mannschaft geworfen wird.
 

Sie beschreiben in Ihrem Buch den Druck, mit dem Profi-Spieler umgehen müssen. Wie haben Sie es geschafft, diesem Druck standzuhalten?

Mertesacker: Zum Ende meiner Karriere hatte ich das Bedürfnis, die vielen Jahre Profifußball zu reflektieren. Im Tagesgeschäft dreht sich das Rad enorm schnell und man hat kaum Zeit für eine ausreichende und tiefe Reflektion. Man nimmt viele Dinge einfach hin. Natürlich lebt man als Profi ein enorm privilegiertes Leben und dessen ist man sich sehr bewusst. Die Haltung „der muss das doch aushalten, der verdient doch so viel Geld“ trifft jedoch nicht das Problem. Druck erlebt man individuell und unabhängig von einem Vertrag und Finanzen. Die WM 2006 im eigenen Land war zum Beispiel ein außergewöhnliches Erlebnis, für Deutschland und uns Spieler. Aber das gedankliche Szenario, dass dein Abwehrfehler das Aus und die Enttäuschung einer ganzen Nation bedeuten kann, muss man erst mal schultern. Das habe ich versucht damals zum Ausdruck zu bringen.

Das genossenschaftliche Sportsbanking-Konzept der DZ Privatbank

85 Prozent der Deutschen haben eine Affinität zu Sport, 40 Prozent sind in einem Sportverein. Daran will das genossenschaftliche Sportsbanking der DZ Privatbank anknüpfen. In erster Linie handelt es sich dabei um eine Finanzberatung für Sportler in allen Lebensphasen. Denn viele spätere Spitzensportler sind in jungen Jahren Kunde einer Volksbank Raiffeisenbank. Mit den Sportsbanking-Angeboten der DZ Privatbank sollen die Primärinstitute dabei unterstützt werden, diese Kunden zu halten, wenn sie sportlich erfolgreich sind und zum Beispiel ins Profi-Lager wechseln. Gleichzeitig geht es bei dem Konzept darum, über das emotionale Thema Sport neue Kunden anzusprechen oder bestehende Kundenbeziehungen zu intensivieren. Drittens soll die Marke Sportsbanking dazu dienen, die Wahrnehmung der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Breiten- wie im Spitzensport zu stärken. Denn das Engagement ist bereits vorhanden: Über 90 Prozent der Volksbanken und Raiffeisenbanken engagieren sich bereits heute im Amateur- und Leistungssport. Zusammen mit den Verbundunternehmen unterstützen die Genossenschaftsbanken Sportler, Sportvereine und den Nachwuchs jährlich mit rund 140 Millionen Euro. Ansprechpartner bei der DZ Privatbank sind die regionalen Vertriebsdirektoren.

Sie treten als Redner auf Veranstaltungen von Volksbanken und Raiffeisenbanken in Deutschland auf. Was können Unternehmer von einem Fußball-Weltmeister lernen?

Mertesacker: Ich will mir nicht anmaßen, dass Unternehmer etwas von einem Fußball-Weltmeister lernen können. Ich glaube jedoch an einen offenen Austausch und den Blick über den Tellerrand. Wenn ein Gespräch dann einen Gedanken triggert und man das Wissen des anderen in seinen Bereich mitnehmen kann, dann ist das doch wertvoll. Von daher lerne ich auf diesen Veranstaltungen auch gerne im Gespräch mit dem Publikum dazu.

„Teamgeist und Zusammengehörigkeit sind sicherlich auch ein Wert einer genossenschaftlichen Organisation.“

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind Genossenschaften, deren Geschäftszweck es ist, die Belange ihrer Mitglieder durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern. Welche Werte verbinden Sie mit dieser Unternehmensform?

Mertesacker: Mir kommt da sofort der Begriff „Teamplay“ in den Kopf und die Stärke eines gemeinsamen Agierens. Und klar muss ich dabei an die WM 2014 denken. Deutschland wurde Weltmeister, aber die besseren Individualisten hatten sicherlich Argentinien und Brasilen. Uns hat damals ein unglaublicher Teamspirit getragen und zum WM-Titel geführt. Teamgeist und Zusammengehörigkeit sind sicherlich auch ein Wert einer genossenschaftlichen Organisation.

Das Sportlerkonto der Raiffeisenbank im Oberland

Zusammen mit der DZ Privatbank haben Andreas Schmidpeter und Katharina Lang von der Raiffeisenbank im Oberland ein „genossenschaftliches Sportlerkonto“ entwickelt. Ihre Idee wurde im Herbst 2018 auf dem GenoBankersPitch des DG Verlags als zukunftsweisend für die Volksbanken und Raiffeisenbanken prämiert und soll nun zur Marktreife gebracht werden. Ziel ist es, mit dem Sportlerkonto junge Kunden anzusprechen und mit einem attraktiven Angebot rund um das emotionale Thema Sport zu binden. So wird eine Kooperation mit dem Wunschpartner Adidas angestrebt. Zum Beispiel sollen Kunden mit Sportlerkonto über die Webseite ihrer Volksbank Raiffeisenbank im Onlineshop von Adidas einkaufen können.

Nach Ihrer aktiven Fußball-Karriere haben Sie als Leiter der Nachwuchsakademie des FC Arsenal Verantwortung übernommen. Was geben Sie Ihren Schützlingen mit auf den Weg?

Mertesacker: Ich will unseren jungen Spielern ein zuverlässiger und ehrlicher Ansprechpartner sein. Wir alle kennen die Statistiken. Ob es jetzt vier, fünf oder sechs Prozent sind – Fakt ist, dass nur ein Bruchteil der Academy-Spieler wirklich Profi wird. Wir haben eine Verantwortung für den Großteil der Spieler, die auf einen Plan B angewiesen sein werden. Diese Verantwortung will ich leben.

Per Mertesacker DZ Privatbank Fußball-Weltmeisterschaft 2014 WM Weltmeister Sportsbanking
Per Mertesacker ist das Gesicht der Sportsbanking-Kampagne der DZ Privatbank. Heute leitet er die Nachwuchsakademie des FC Arsenal London. Foto: DZ Privatbank
Per Mertesacker DZ Privatbank Fußball-Weltmeisterschaft 2014 WM Weltmeister Sportsbanking
2014 gewann Per Mertesacker mit der deutschen Nationalmannschaft die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Foto: imago/Moritz Müller

Gleichzeitig fördern Sie mit Ihrer Stiftung die soziale Integration von Kindern in Ihrer Heimatregion Hannover. Warum ist es wichtig, im Leben Verantwortung für andere zu übernehmen?

Mertesacker: Für mich war sehr früh klar, dass ich gerne etwas an die Gesellschaft zurückgeben möchte. Mit meinen Wurzeln in Hannover war es naheliegend, dort aktiv zu werden. Dort kann ich den Werdegang der geförderten Kinder und Jugendlichen immer wieder begleiten. Ich bin sehr stolz auf das Team der Per-Mertesacker-Stiftung und die Ergebnisse in unseren Jugendgruppen.

„Sport hat einen enorm integrativen Charakter über sprachliche und soziale Barrieren hinaus.“

Welche Möglichkeiten bietet der Sport, sich für andere zu engagieren?

Mertesacker: Sport und natürlich Fußball hat einen enorm integrativen Charakter über sprachliche und soziale Barrieren hinaus. Sport verbindet und überwindet Grenzen. Wir nutzen dies bewusst bei der Arbeit in der Per-Mertesacker-Stiftung und es gibt viele andere tolle Projekte, wo Sport die Menschen verbindet.
 

Zum Abschluss noch eine Fußball-Frage: Nach langer Zeit ist das Rennen um die deutsche Meisterschaft in dieser Saison mal wieder ziemlich offen. Wer ist Ihr Favorit auf den Meistertitel?

Mertesacker: Mein Augenmerkt gilt natürlich Arsenal und hier drücke ich vor allem die Daumen. Aber klar verfolge ich auch die Bundesliga. Die Premier League gilt allgemein wohl als die spannendste Liga weltweit, weil es hier eine Gruppe von fünf bis sechs Mannschaften gibt, die um den Titel kämpfen. Vielleicht würde der Bundesliga unter diesem Aspekt eine Meisterschaft von Borussia Dortmund auch mal wieder guttun. Einen Favoriten habe ich jedoch nicht.

Herr Mertesacker, vielen Dank für das Interview!

 

Zur Person
Per Mertesacker (*1984) stammt aus Hannover. Er ist das Gesicht der aktuellen Sportsbanking-Kampagne der DZ Privatbank. 2014 wurde er mit der deutschen Fußballnationalmannschaft in Brasilien Weltmeister. Von 2004 bis 2014  bestritt er für Deutschland 104 Spiele in der Abwehr. Seine Bundesliga-Karriere startete Mertesacker 2003 im Alter von 19 Jahren bei Hannover 96. 2006 wechselte er zu Werder Bremen, wo er, wie zuvor schon in Hannover, schnell zum Publikumsliebling wurde. 2009 gewann „Merte“ mit dem SV Werder den DFB-Pokal. 2011 wechselte Mertesacker nach 221 Bundesliga-Partien in die Premier League zum FC Arsenal London. Zum Saisonende 2017/18 beendete er seine Profi-Karriere. Im Herbst 2018 übernahm er die Leitung der Nachwuchsakademie des FC Arsenal.

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