Rekordpreise: Immer mehr Menschen kaufen Gold. Was machen die bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken, um die hohe Nachfrage zu bedienen?
Es gibt Zahlen, die man als Banker nüchtern zur Kenntnis nimmt. Und es gibt Zahlen, bei denen man zweimal hinschaut. Die Ergebnisse unserer aktuellen Studie „Goldinvestments 2026“, die das CFin – Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin im Auftrag der Reisebank im ersten Quartal dieses Jahres durchgeführt hat, gehören in die zweite Kategorie. Zum neunten Mal haben wir eine repräsentative Stichprobe von 2.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern zu ihrem Goldbesitz befragt. Die Ergebnisse sprechen für sich.
Das private Goldvermögen der deutschen Haushalte hat sich seit 2024 mehr als verdoppelt und liegt inzwischen bei über 1,4 Billionen Euro. Der Anteil von Gold am Gesamtvermögen der Privathaushalte ist von 2,8 auf 6,1 Prozent gestiegen. Insgesamt halten deutsche Privathaushalte 9.173 Tonnen Gold, davon 5.464 Tonnen in physischer Form als Barren und Münzen. Zum Vergleich: Die Deutsche Bundesbank kommt auf 3.350 Tonnen. Private Haushalte in Deutschland besitzen damit fast dreimal so viel Gold wie unsere Notenbank und halten rund 10,7 Prozent der weltweiten privaten Goldinvestments.
Haupttreiber dieser Entwicklung war zweifellos der Goldpreis, der im März 2026 mit 4.457 Euro je Feinunze ein historisches Allzeithoch markierte. Aber der Preis allein erklärt nicht, warum die Deutschen Gold kaufen. Unsere Studie zeigt: 39 Prozent nennen die langfristige Kapitalanlage und den Werterhalt als wichtigstes Motiv, 32 Prozent kaufen gezielt zum Schutz vor Inflation. Mehr als 70 Prozent der Befragten sorgen sich seit Jahren konstant vor steigender Geldentwertung. Und: 92 Prozent der Goldkäufer sind mit ihrem Investment zufrieden. Wer in Gold investiert hat, fühlt sich bestätigt. Das ist für uns als Finanzdienstleister eine der spannendsten Erkenntnisse der gesamten Studie, denn Zufriedenheit dieser Größenordnung ist in der Vermögensanlage keine Selbstverständlichkeit.
Gesamter Goldbesitz der Deutschen in Tonnen: Durch den enormen Kursanstieg stieg das Goldvermögen der Deutschen von 2024 auf 2026 um 843 Milliarden Euro auf 1,44 Billionen Euro. Grafik: Reisebank AG
Der Süden liegt vorn – und Bayern ganz besonders
Es lohnt sich ein genauerer Blick auf die regionalen Ergebnisse. Der Süden Deutschlands weist mit durchschnittlich 89 Gramm physischem Gold pro Kopf – umgerechnet rund 12.700 Euro – den höchsten Wert der gesamten Untersuchung auf, deutlich über dem Bundesschnitt. Noch aufschlussreicher wird es, wenn man einzelne Bundesländer betrachtet: Bayern führt mit 28 Prozent die Liste jener Befragten an, die in der Vergangenheit bereits zu Anlagezwecken in Gold investiert haben – vor Baden-Württemberg mit 25 Prozent und noch deutlicher vor dem Bundesdurchschnitt. Auch bei der Kaufbereitschaft für die kommenden zwölf Monate gehört Bayern zu den aktivsten Regionen Deutschlands. Wenn mehr als jede vierte Person in Bayern bereits in Gold investiert hat, dann ist das für uns als genossenschaftliche Finanzgruppe kein Randphänomen, sondern ein zentrales Kundenthema.
Durchschnittlicher physischer Goldbesitz in Deutschland pro Person nach Regionen: Der Süden Deutschlands weist mit durchschnittlich 89 Gramm physischem Gold pro Kopf – umgerechnet rund 12.700 Euro – den höchsten Wert der gesamten Untersuchung auf, deutlich über dem Bundesschnitt. Grafik: Reisebank AG
Wissenslücke wird zur Beratungsaufgabe
Bei aller Begeisterung über die Wertentwicklung zeigt unsere Studie aber auch eine Schwachstelle, die uns als Branche etwas angeht: das steuerliche Wissen rund um Goldinvestments ist in der Breite erschreckend gering ausgeprägt. Vielen Anlegerinnen und Anlegern ist schlicht nicht bekannt, dass Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr in Deutschland vollständig steuerfrei sind, obwohl es einer der attraktivsten Vorteile dieser Anlageklasse überhaupt ist.
Für unsere Partnerbanken im Verbund lese ich daraus eine klare Botschaft: Wer diese Wissenslücke schließt, schafft echten Mehrwert und echte Kundenbindung. Gerade im bayerischen Markt, wo das Vertrauen in die Hausbank vor Ort traditionell hoch und die Beziehung zwischen Beratung und Kundschaft oft über Jahrzehnte gewachsen ist, liegt hier eine Chance, die kein digitaler Wettbewerber in dieser Form bieten kann: das persönliche, kompetente Gespräch über eine Anlageklasse, die Kundinnen und Kunden emotional und rational gleichermaßen bewegt.
Gold: Wachstumsfeld mit strategischer Relevanz
Als hundertprozentige Tochter der DZ Bank und Edelmetall-Kompetenzcenter für Volksbanken und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und weitere Institute des genossenschaftlichen Verbunds sehen wir als Reisebank unsere Aufgabe genau an dieser Schnittstelle: Wir liefern die Produkte, die digitale Infrastruktur und die fachliche Tiefe, damit unsere Partnerbanken vor Ort ihren Kundinnen und Kunden eine fundierte Goldberatung anbieten können.
Die Zahlen aus Bayern zeigen, dass dieses Angebot auf fruchtbaren Boden fällt. Wenn beinahe drei von zehn Bayern bereits Golderfahrung haben und die Kaufbereitschaft für die kommenden Monate überdurchschnittlich hoch bleibt, dann ist Gold für unsere genossenschaftlichen Partnerbanken ein Wachstumsfeld mit strategischer Relevanz. Aus unserer Sicht lohnt es sich, dieses Momentum zu nutzen und steuerliche Grundlagen in der Beratung präsent zu haben sowie Gold auch bei jüngeren Kundinnen und Kunden mitzudenken, die laut unserer Studie mit über 20 Prozent Goldanteil am Gesamtvermögen besonders aufgeschlossen sind.
Gold hat 2026 bewiesen, dass es mehr ist als ein Krisenmetall. Es ist für viele Bürgerinnen und Bürger, insbesondere hier in Bayern, zu einem festen Baustein der Vermögensbildung geworden. Es liegt an uns als genossenschaftliche Finanzgruppe, dieses Vertrauen mit Kompetenz zu beantworten.
Dr. Tilmann Gerhards ist seit Oktober 2021 Mitglied des Vorstands der Reisebank AG in Frankfurt. Der promovierte Wirtschaftsingenieur bringt jahrzehntelange internationale Erfahrung aus der genossenschaftlichen Finanzgruppe mit, unter anderem als Managing Director der DZ Bank Ireland. Zu seiner Expertise gehören Vertrieb, E-Commerce sowie Fremdwährungen und Edelmetalle als Anlageklasse.