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Freising hat es geschafft. Der Furtner ist noch da! Möglich gemacht haben das die Freisingerinnen und Freisinger, die die Zukunft ihres traditionsreichen Gasthauses selbst in die Hand genommen haben. „Vergangenes Jahr im April haben wir eine Genossenschaft zur Rettung des Furtners gegründet“, erzählt Vorstand Hans Huss. „Im Mai sind wir dann an die Öffentlichkeit gegangen.“

Zunächst sei ungewiss gewesen, ob sich genügend Menschen in Freising für das Vorhaben gewinnen lassen. Diese Sorge erwies sich als völlig unbegründet. „Inzwischen zählt die Genossenschaft rund 1.800 Mitglieder. Es ist eine großartige Eigendynamik entstanden“, freut sich Huss. Der große Zuspruch zeigt, welche Bedeutung der Furtner als Treffpunkt für die Menschen in Freising hat. Der Furtner ist ein Ort, den sie gemeinsam mit Leben füllen können. 

Das historische Gebäude steht mitten in der Freisinger Innenstadt. „Wir sprechen von mehr als 500 Jahren Tradition – und wir waren kurz davor, all das zu verlieren“, sagt Reinhard Fiedler, ebenfalls im Vorstand der Furtnerbräu. Dass sich die Menschen in Freising für den Furtner einsetzen, hat Tradition: Bereits vor rund 14 Jahren belebte Fiedler gemeinsam mit anderen das damals leerstehende Wirtshaus mit viel Eigenleistung neu. 

Zum Furtner gehören zudem Obergeschosse, ein ehemaliges Hotel und die weitgehend erhaltene ehemalige Brauerei. Die Genossenschaft will nicht nur die Gaststätte erhalten, sondern auch weiterhin Räume für Kunst und Kultur anbieten, damit der Furtner ein lebendiger Ort der Begegnung bleibt. 

Denn der Furtner ist weit mehr als eine Gaststätte: Konzerte, Lesungen und Volkstanz machen ihn zu einem festen Kulturort in Freising. „Das hat oft einen volksfestähnlichen Charakter“, schwärmt Huss. Dieses Programm bringt unterschiedliche Menschen zusammen. Mit der geplanten Sanierung der Obergeschosse könnte das kulturelle Angebot künftig noch erweitert werden: Unter anderem könnten dort Ateliers und Ausstellungsräume entstehen.

Im Oktober 2026 schloss die Genossenschaft einen Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von 99 Jahren und erwarb zugleich das Gebäude. „Dass dies möglich wurde, verdanken wir auch dem Eigentümer, der uns mit einem reduzierten Erbbauzins entgegengekommen ist“, sagt Vorstand Huss. 

Der Furtner soll der Furtner bleiben

Die ersten Sanierungsarbeiten haben bereits begonnen. „Wir haben eine neue Stromleitung verlegen und schadhafte Abwasserleitungen erneuern lassen“, berichtet Huss weiter. „Vor allem die Toiletten der Gaststätte müssen dringend hergerichtet werden.“ Eine umfassende Modernisierung ist jedoch nicht geplant. Vielmehr soll der besondere Charakter des Hauses erhalten bleiben. Dabei folgt die Genossenschaft dem Grundsatz „So viel Erneuerung wie nötig, so viel Erhalt wie möglich“. Der Furtner soll der Furtner bleiben. 

„Als Nächstes steht die Sanierung des Dachs an. Danach folgen Fassade, Fenster und die beiden Obergeschosse“, sagt Huss. „Diese wollen wir wie gesagt für Kulturschaffende öffnen.“ Unterschiedliche Nutzungen sind denkbar. 

„Ein weiterer Bereich ist die historische Brauerei“, erzählt der Vorstand weiter. „Auch hier machen wir uns Gedanken, wie es weitergehen kann.“ Dazu führt die Genossenschaft intensive Gespräche mit der Technischen Universität München in Weihenstephan, die aufgrund ihrer Brauexpertise Interesse an einer möglichen Nutzung gezeigt hat. Darüber hinaus sind Führungen, ein kleines Brauerei- und Furtner-Museum sowie Veranstaltungen oder Bierverkostungen denkbar. Langfristig könnte dort sogar wieder ein eigenes Bier gebraut werden.

Führungen wecken Begeisterung

Ins Gespräch kommen, informieren über die Pläne, einen Rückblick auf die Historie geben und möglichst viele Interessierte teilhaben lassen – das gelingt den ungefähr zehn Personen, die den harten Kern der Genossenschaft bilden, indem sie Wochenende für Wochenende Führungen durch das Gebäude anbieten. „Für diese kann man sich über unsere Webseite anmelden“, sagt der Vorstand. Die Führungen seien zwar mit viel Aufwand verbunden, stießen jedoch auf große Resonanz: Sie stärken das Gemeinschaftsgefühl und tragen dazu bei, weitere Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen, um gemeinsam das jahrhundertealte Gasthaus zu retten.

Vom mittelalterlichen Gasthaus zum stadtbildprägenden Anwesen

Der Furtnerbräu wurde 1513 erstmals erwähnt und zählt damit zu den traditionsreichsten Gastwirtschaften Freisings. Die rückwärtigen Brauereigebäude gehen teilweise auf das 18. Jahrhundert zurück.

Im September 1886 zerstörte ein schwerer Brand das alte Gasthaus; die Brauerei wurde stark beschädigt. Bereits wenige Wochen später wurde der Gastbetrieb im Neubau eröffnet, eine weitere Eröffnungsfeier folgte im Oktober 1887. Mit seiner repräsentativen Fassade im Stil von Renaissance und Barock prägt das Gebäude bis heute die Obere Stadt in Freising.

Anfang der 1960er-Jahre wurde das Gasthaus umgebaut und der Eingang in die Mitte des Gebäudes verlegt. 1967 wurde der Braubetrieb eingestellt. Die historischen Brauereigebäude blieben dennoch weitgehend unverändert erhalten.

Doch gerettet heißt noch lange nicht fertig: Mit dem Notartermin hat die Genossenschaft einen entscheidenden Meilenstein erreicht, weitere Schritte folgen. „Das Interesse an den Führungen ist ungebrochen“, berichtet Vorstand Huss. Das ist von großer Bedeutung, denn nun gilt es, die Sanierung und den dauerhaften Betrieb des Hauses zu sichern. Deshalb wirbt die Genossenschaft weiterhin um neue Mitglieder.

Kleine Beträge, gemeinsames Ziel

Eine wichtige Säule des Finanzierungskonzepts sind Unterstützer-Abos, die der Genossenschaft regelmäßige Einnahmen sichern. Das niedrigschwellige Modell kostet zehn Euro im Monat. Im Gegenzug erhalten die Unterstützerinnen und Unterstützer monatlich einen Gutschein im Wert von fünf Euro für den Furtner. Damit finanziert die Genossenschaft unter anderem den Erbbauzins, Kredite und die laufenden Gebäudekosten. Derzeit gibt es bereits mehr als 2.600 solcher Abos. Außerdem tragen Mitgliederdarlehen zur Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen bei. Die Botschaft der Furtnerbräu lautet daher: „Gemeinsam haben wir jetzt die Grundlage geschaffen. Je mehr Menschen auch den nächsten Schritt mittragen, desto solider kann der Furtner in die Zukunft gehen.“

Bereits jetzt zeigt sich, dass die Menschen in Freising bereit sind, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Darin liegt die Stärke des genossenschaftlichen Modells: Es ist nicht auf kurzfristige Rendite ausgerichtet, sondern auf den dauerhaften Erhalt eines Ortes, der für die ganze Stadt von Bedeutung ist. Dabei gilt das genossenschaftliche Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“ – unabhängig davon, wie viele Anteile jemand gezeichnet hat. 

Zugleich eröffnet es die Möglichkeit, das gesamte Anwesen behutsam weiterzuentwickeln – nicht nur das Wirtshaus im Erdgeschoss zu sichern, sondern auch die Obergeschosse und die ehemalige Brauerei Schritt für Schritt wieder nutzbar zu machen. So lässt sich der Furtner für die Zukunft rüsten, ohne seinen besonderen Charakter zu verlieren. „Der Furtner soll bleiben, wie man ihn kennt, und zugleich so ertüchtigt werden, dass er auch in Zukunft bestehen kann“, sagt Huss.

Ein Treffpunkt soll bleiben

Die Kneipe hat derzeit im „Notbetrieb“ geöffnet, während um den Gastraum herum viel gewerkelt und renoviert wird. „Es soll so schnell wie möglich wieder im Normalbetrieb weitergehen“, sagt Huss. Realistisch sei jedoch erst die Faschingszeit 2027. Verpachtet ist der Furtner an die bisherigen Wirte, Franzi Kreuter und Ludwig Dinzinger, die seit rund 14 Jahren den Furtner prägen. 

„Die Menschen sehen, dass sie die Chance haben, ihre Stadt mitzugestalten“, fasst der Vorstand der Furtnerbräu-Genossenschaft zusammen. Freising habe bereits einiges getan, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern. „Doch abends ist hier nicht viel los.“ Vielen sei es deshalb wichtig, ihre Stadt mit mehr Leben zu füllen. Damit knüpfen sie an die jahrhundertealte Geschichte des Furtners an: Generationen haben hier gegessen, getrunken und gefeiert. Ihr Engagement führt diese Tradition fort: Der Furtner soll nicht nur das Stadtbild prägen, sondern ein Treffpunkt bleiben.

Noch stehen Sanierung und Rettung im Mittelpunkt. Doch das Ziel der Genossenschaft ist erreicht, wenn die Geschichte des Furtners weitergeht und ein Abend so aussieht: Die Tür geht auf, jemand kommt herein, entdeckt ein bekanntes Gesicht und setzt sich dazu. Der Furtner ist noch da.

Furtnerbräu in Freising

Öffnungszeiten: Der Furtner an der Oberen Hauptstraße 42 in Freising hat derzeit Montag bis Donnerstag jeweils von 18 bis 1 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr sowie von 18 bis 2 Uhr geöffnet. 

Führungen: Bei einem rund 90-minütigen Rundgang durch das frühere Hotel und die historische Brauerei erhalten Besucherinnen und Besucher Einblicke in die Geschichte des Hauses und die Zukunftspläne für den Furtner. Es wird jedoch um eine Spende in Höhe von mindestens fünf Euro gebeten. Eine vorherige Online-Anmeldung ist erforderlich. Weitere Informationen gibt es hier. 

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