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Braugenossenschaft Mainaschaff eG: Eine alte Tradition lebt wieder auf

Normalerweise werden in der Halle der DJK Mainaschaff bei Aschaffenburg Karate- und Gymnastikkurse angeboten, außerdem wird dort getanzt. An einem Samstag im Oktober 2026 jedoch ist die Halle Treffpunkt für viele Menschen, die – zumindest an diesem Tag – mit Sport nicht so viel am Hut haben. Es sind Mitglieder der Braugenossenschaft Mainaschaff, die dabei sein wollen, wenn mit der Verkostung der ersten Sude eine alte Brautradition wiederauflebt, die vor 166 Jahren am Ankerplatz in Mainaschaff ihren Ausgang genommen hat.

Am Ankerplatz in Mainaschaff wurde schon 1860 Bier gebraut

Am 28. Dezember 1859 beantragte Nikolaus Ofenstein, Wirt des Gasthauses „Zum Goldenen Anker“, die Konzession zum Bierbrauen. Die Konzession wurde genehmigt, und Ofenstein braute ab 1860 direkt am Ankerplatz sein eigenes Bier. Sein Anwesen Ankergasse 7 gibt es heute noch, die Brautradition endete jedoch spätestens mit Schließung des Gasthauses, ein genaues Datum ist nicht bekannt.

Die Erinnerung an die Gasthausbrauerei am Ankerplatz jedoch ist bei vielen Menschen in Mainaschaff noch präsent – etwa bei Sebastian Herrmann, Julian Dirnhofer, Volker „Fossi“ Koch, Thomas Schramm, Christian Glaab, Reiner Herrmann, Marius Wienand und auch bei Mainaschaffs Bürgermeister Moritz Sammer.

Ein Bier für Vereinsfeste und Veranstaltungen auf dem Ankerplatz

Auf dem Ankerplatz einen Maibaum aufzustellen, ist ebenfalls eine gute Tradition in Mainaschaff. 2025 nahm der Freundeskreis um Sebastian Herrmann und Julian Dirnhofer dies zum Anlass, für das Fest im kleinen Rahmen ein eigenes Bier zu brauen. Dirnhofer ist gelernter Braumeister, 2021 wurde er beim Bundesleistungswettbewerb der Brauer und Mälzer zum besten Nachwuchsbrauer gekürt.

Weil das Bier sehr gut ankam und das Bierbrauen allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht hat, kam noch auf dem Fest die Idee auf, eine Braugenossenschaft zu gründen, um auch in Zukunft bei Vereinsfesten und Veranstaltungen auf dem Ankerplatz und anderswo in Mainaschaff eigenes Bier ausschenken zu können.

Wie es der Zufall wollte, standen zu dieser Zeit am Ankerplatz 5 die Räume eines ehemaligen Pizza-Treffs leer – ideal, um dort eine kleine Braumanufaktur einzurichten. Sebastian Herrmann ergriff die Gelegenheit beim Schopf und kontaktierte den Eigentümer des Gebäudes, der sich dort eine Brauerei vorstellen konnte. „So kam eins zum anderen, und die Idee einer Braugenossenschaft nahm sehr schnell Fahrt auf“, erzählt Sebastian Herrmann. Dass für das Projekt nur die Rechtsform Genossenschaft infrage kommt, stand für den Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Herrmann von vorneherein fest. „Unser Ziel ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern wir wollen ein Bier für Mainaschaff brauen, das allen schmeckt und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt. Dafür eignet sich nun mal am besten die Genossenschaft, weil sie die Menschen über die Mitgliedschaft in der Genossenschaft in das Projekt einbindet. Darüber hinaus verfügt die Genossenschaft dank der Anteile der Mitglieder über eine gute Kapitalbasis, um zu investieren. Bei einem Verein wäre das so nicht möglich“, meint Herrmann.

140 Mitglieder zur Gründung im Februar 2026

Am 8. Februar 2026 wurde die Braugenossenschaft Mainaschaff eG gegründet. Bereits in der Gründungsversammlung zeichneten 140 Personen Anteile zu je 500 Euro. Der Gemeinderat unterstützte das Projekt ebenfalls und beschloss, zehn Anteile zu kaufen. Um keine Zeit zu verlieren, erwarb die Gruppe um Sebastian Herrmann zunächst aus privaten Mitteln eine kleine Brauanlage aus der Insolvenzmasse einer Brauerei in Düsseldorf.

Frühjahr, Sommer und Herbst gingen drauf für behördliche Genehmigungen, den Umbau des ehemaligen Pizza-Treffs und den Einbau der Brauanlage. Auch der Zoll musste sein OK geben, damit die Biersteuer korrekt abgeführt werden kann. Dafür musste die Genossenschaft jedoch im Genossenschaftsregister eingetragen sein.

Zwei helle Kellerbiere und ein Dunkles zum Auftakt

Als schließlich alle Auflagen erfüllt waren und die Anlage betriebsbereit, begannen Braumeister Julian Dirnhofer und Brauer Volker „Fossi“ Koch damit, erste Testsude zu brauen. Die ersten offiziellen Sude, zwei helle Kellerbiere mit leicht unterschiedlicher Bitternote und ein dunkles Bier, durften die Mitglieder der Genossenschaft zu Weißwürsten und Brezn exklusiv in der Halle der DJK Mainaschaff verkosten.

„Unser Bestreben war es, ein Bier zu schaffen, das immer verfügbar ist, möglichst vielen schmeckt und für alle zugänglich ist. Das war die Absicht hinter unserem hellen Lager. Es ist ein Kellerbier in Exportstärke“, berichtet Braumeister Dirnhofer. Das dunkle Bier sei eine Herzensangelegenheit von ihm. „Ich liebe dunkle Biere und finde dieses persönlich sehr gut trinkbar. Die Röstnote hinten raus gefällt mir sehr gut.“ In Zukunft soll es auch ein Bockbier und ein Weißbier geben. „Wir versuchen, immer aktuell zu bleiben und uns an der jeweiligen Jahreszeit zu orientieren“, verspricht der Braumeister.

Das Ergebnis einer großartigen Idee

Auch der Landkreis Aschaffenburg hat einen Anteil an der Braugenossenschaft Mainaschaff gezeichnet. Für Landrat Alexander Legler ist diese schon jetzt eine Erfolgsgeschichte. „Wir feiern heute das Ergebnis einer großartigen Idee. Und wir feiern die Menschen hinter dieser Idee und alle, die mitgezogen haben“, sagte er zur Verkostung der ersten Sude.

Wenn Menschen vor Ort bereit seien, eine gute Idee auch in die Tat umzusetzen, dann mache das etwas mit einer Gesellschaft. Die Braugenossenschaft Mainaschaff sei ein gutes Beispiel dafür. Statt individuelle Interessen zu verfolgen, lebe eine Genossenschaft davon, Menschen zusammenzubringen, die eine gemeinsame Idee verfolgen. „Diese Idee wurde in Mainaschaff zum Erfolg geführt in dem Sinne, dass wir das Ergebnis heute geschmacklich erleben dürfen“, lobte Legler das Bier der Braugenossenschaft.

Genossenschaften fördern Demokratie

Genossenschaften hätten noch eine weitere Eigenschaft, betonte der Landrat: „Sie haben etwas Demokratieförderndes.“ Demokratie erschöpfe sich nicht in Wahlen. „Demokratie lebt davon, dass sich Menschen ehrenamtlich engagieren. Und sie lebt davon, dass Menschen zusammenkommen. Wir brauchen immer wieder Orte, an denen Menschen sich wohlfühlen. Feste und Genossenschaften tragen dazu bei.“ Man könne auch mit kleinen Dingen Gutes bewirken. „Es kommt nicht allein aufs Geld an. Das erleben wir hier. Deswegen ist die Verkostung der ersten Sude ein guter Tag für die Demokratie, ein guter Tag für Mainaschaff und ein guter Tag für die Region“, lobte Legler.

Das Interesse an der Braugenossenschaft reicht weiter über Mainaschaff hinaus

Mainaschaffs Bürgermeister Moritz Sammer, der wie Sebastian Herrmann, Thomas Schramm und Christian Glaab dem Aufsichtsrat der Braugenossenschaft angehört (Vorstände sind Reiner Herrmann und Marius Wienand), richtete ein großes Dankeschön an alle Mitglieder und Beteiligten der Braugenossenschaft. „Das Ganze ist nur möglich, weil jeder Einzelne von euch sich an diesem Vorhaben beteiligt hat.“ Er werde auch außerhalb von Mainaschaff viel auf die Braugenossenschaft angesprochen. „Man merkt, dass das Interesse weit die Gemeinde hinausgeht. Darauf können wir gemeinsam stolz sein“, sagte Sammer.

Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde

Als Überraschung hatte Sammer das Goldene Buch der Gemeinde Mainaschaff mitgebracht, in das sich die beiden Brauer Julian Dirnhofer und Volker Koch stellvertretend für die Braugenossenschaft eintragen durften. Dazu wird im Goldenen Buch ein Text stehen, den Sammer laut vorlas – und dem man sich nur anschließen kann:

„In Mainaschaff wird wieder Bier gebraut. Mit großer Freude halten wir diesen besonderen Moment im Goldenen Buch der Gemeinde fest. Die Wiederbelebung der Mainaschaffer Brautradition nach dem 19. Jahrhundert ist weit mehr als die Rückkehr eines traditionsreichen Handwerks. Sie steht für Heimatverbundenheit, Gemeinschaftssinn und den Mut, aus einer gemeinsamen Idee etwas Bleibendes zu schaffen.

Die Mitglieder sowie alle Unterstützerinnen und Unterstützer der Braugenossenschaft Mainaschaff haben mit Tatkraft, Ausdauer und großer Begeisterung dazu beigetragen, dass in unserer Gemeinde wieder eigenes Bier gebraut wird. Damit bereichern wir nicht nur das gesellschaftliche Leben, sondern schenken Mainaschaff auch ein Stück seiner Identität und seiner Geschichte zurück.

Möge das Mainaschaffer Bier viele Menschen zusammenbringen, Begegnungen ermöglichen und noch lange von der Kraft einer starken Gemeinschaft leben.

Auf die Braugenossenschaft, auf die wiederbelebte Brautradition, auf Mainaschaff. Zum Wohle von euch, von uns allen.“

Erster öffentlicher Ausschank auf dem Oscheffer Adventsmarkt

Ach ja, öffentlich wird das Bier der Braugenossenschaft Mainaschaff erstmals am 28. und 29. November 2026 im Hof des Alten Rathauses anlässlich des Oscheffer (Mainaschaffer) Adventsmarkts auf dem Ankerplatz ausgeschenkt. Wäre Nikolaus Ofenstein noch am Leben, hätte er sich bestimmt auf eine Halbe Bier dazugesetzt, um mit den heutigen Braugenossen die Wiederauferstehung einer alten Mainaschaffer Tradition zu feiern. Ab Dezember 2026 wird das Bier auch in Fässern zu 50, 30 und zehn Litern sowie in Zwei-Liter-Siphons verkauft.

Ottobräu: „Weil gutes Bier Gemeinschaftssache ist“

Gut 400 Kilometer oder vier Autostunden von der Braugenossenschaft Mainaschaff entfernt gibt es im Süden von München eine weitere neue Brauereigenossenschaft: die Ottobräu eG. 

Freitags wird die Ladefläche eines Oldtimer-Pritschenwagens in Ottobrunn zur Verkaufstheke: Dann gibt es dort Ottobräu, ein Bier gebraut von Ottobrunnern. Die Kundinnen und Kunden kommen längst nicht nur, um Bier zu kaufen. „Sie wollen ratschen, Fragen stellen und sich austauschen“, sagt Markus Prüsener, Vorstand der im Juni 2026 gegründeten Genossenschaft Ottobräu. Passend dazu lautet das Motto der Brauereigenossenschaft: „Weil gutes Bier Gemeinschaftssache ist.“

Gemeinschaft ist bei Ottobräu mehr als ein Motto. „Es ist nicht nur ein Spruch, dass wir die Menschen zusammenbringen wollen“, sagt Prüsener. Das zeigt sich jeden Freitag beim Rampenverkauf im Hof eines Ottobrunner Unternehmers : Neben der Stammkundschaft kommen auch viele Neugierige vorbei, um das Bier zu probieren, Fragen zu stellen oder mehr über die Genossenschaft zu erfahren.

Längst hat sich auch in den Nachbargemeinden im Landkreis München herumgesprochen, dass es hier freitags Ottobräu gibt. „Kundinnen und Kunden schätzen den direkten Austausch mit uns. Der Vorstand ist vor Ort, und besonders gern fachsimpeln die Menschen mit unserem Braumeister“, erzählt Prüsener. Musik trägt zusätzlich zur geselligen Atmosphäre bei. Für ihn entfaltet der Rampenverkauf deshalb eine besondere Wirkung: „Danach gehe ich oft richtig beflügelt nach Hause“, berichtet Prüsener. Und das liege nicht am Biergenuss, sondern an den vielen Begegnungen. „Ich glaube, ich habe bisher keinen einzigen Rampenverkauf verpasst, weil ich diese Begegnungen einfach schön finde.“

Vom Hobbykeller zur Brauereigenossenschaft

Die Wurzeln von Ottobräu liegen in einem privaten Hobbykeller: Dort brauen Prüsener und Braumeister Christian Kappeler seit rund zehn Jahren immer mal wieder gemeinsam ein Bier. „Bei einem Bier entstand schließlich die Idee, das Projekt größer aufzuziehen“, erzählt Prüsener. Den Beteiligten war dabei bewusst, dass der Bierkonsum zurückgeht und eine weitere konventionelle Brauerei kein Selbstläufer sein würde. Ihre Antwort darauf war: ein gemeinschaftlich getragenes Modell. 

Im Juni 2026 gründeten sie die Genossenschaft. Bei den zahlreichen rechtlichen und organisatorischen Fragen unterstützte sie der Genossenschaftsverband Bayern intensiv. „Wir haben diese Begleitung als sehr hilfreich und angenehm empfunden“, sagt Prüsener. Schon bald aber stand die Brauereigenossenschaft vor der Herausforderung, dass die bisherige Brauanlage angesichts der wachsenden Nachfrage an ihre Grenzen stieß. Ottobräu entschied sich daher für eine Zusammenarbeit mit der Privat-Brauerei Gut Forsting, die ebenfalls genossenschaftlich organisiert ist. 

Gelungener Start für Ottobräu

Nach dem ersten Sud luden die Initiatoren Vertreterinnen und Vertreter der mitgliederstärksten Ottobrunner Vereine zu einer Verkostung ein. Sie wollten wissen, wie ihr Bier ankommt – und erhielten Rückmeldungen zu Farbe, Schaum und Geschmack, die in die weitere Entwicklung einflossen. „Die ersten 200 Liter hat uns dann die Feuerwehr abgekauft“, erinnert sich Prüsener. Bereits beim dritten Sud hatte sich die Menge verdoppelt. „Ottobräu ist in Ottobrunn eingeschlagen wie eine Bombe – natürlich positiv gemeint. Die Resonanz bei den Bierfans und bei den Genossenschaftsmitgliedern hat unsere Erwartungen komplett übertroffen.“

Auch bei örtlichen Veranstaltungen wie dem Ottobrunner Sommer oder dem Ottostraßenfest sammelte die Brauereigenossenschaft erste Erfahrungen mit einem eigenen Verkaufsstand. „Obwohl unser Bier aufgrund der kleineren Produktionsmenge teurer war als andere Sorten, ist es weggegangen wie warme Semmeln“, sagt Prüsener. Als Nächstes steht der Verkauf auf dem örtlichen Christkindlmarkt an. Zugleich baut Ottobräu den Vertrieb in der Gastronomie aus: Erste Restaurants in der Umgebung bieten das Bier bereits an. „Sogar eine Gaststätte in München hat Ottobräu in ihr Sortiment aufgenommen“, berichtet Prüsener.

Gemeinsam wächst Ottobräu

Veranstaltungen stellen für Ottobräu nicht nur willkommene Verkaufsgelegenheiten dar. Sie bieten der Genossenschaft auch die Möglichkeit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und ihnen die Idee hinter dem gemeinschaftlich gebrauten Bier näherzubringen. „Es hat sich in Ottobrunn und in der Umgebung herumgesprochen, dass es uns gibt“, sagt Prüsener. Auf diese Weise gewinnt Ottobräu neue Mitglieder und Unterstützer – und erschließt zusätzliche Verkaufsstellen, etwa einen Getränkemarkt oder eine Tankstelle. Dabei profitiert die junge Genossenschaft besonders von den Kontakten ihrer Mitglieder: Sie empfehlen mögliche Partner und stellen Verbindungen her. „Man merkt, dass die genossenschaftliche Idee um sich greift.“

„Die Bausteine fügen sich jetzt Stück für Stück zusammen“, berichtet Prüsener weiter. Unter Druck setzen lassen sich die Mitglieder der Genossenschaft dabei nicht. Zunächst gehe es darum, den Nachschub so zu organisieren, dass ihnen das Bier nicht ausgeht. „Wir wollen uns langsam, aber sicher weiterentwickeln“, sagt der Ottobräu-Vorstand. 

Nah an den Kundinnen und Kunden

Als nächsten Schritt möchte Ottobräu einen wettergeschützten Ort finden, an dem der Rampenverkauf auch in den Wintermonaten stattfinden kann. Auch hier setzt die Genossenschaft auf ihr Netzwerk. „Das Schöne an einer Genossenschaft ist: Es gibt Mitglieder, die sagen: Warte mal, da kenne ich jemanden.“ 

Der freitägliche Verkauf ist inzwischen fest etabliert. Dabei erfährt Ottobräu unmittelbar, was sich Kundinnen und Kunden wünschen. „Wir haben zum Beispiel mitbekommen, dass einige Kundinnen zwar Bier kaufen, aber keinen ganzen Kasten abnehmen und tragen möchten. Deshalb haben wir Sixpacks angeschafft – und die kommen sehr gut an“, sagt Prüsener.  Der direkte Kontakt sei für die Genossenschaft besonders wertvoll. „Die Menschen kommen auf uns zu, weil sie die Idee toll finden. Das macht unglaublich viel Spaß.“

Zwar ist das ehrenamtliche Engagement mit erheblichem Aufwand verbunden. Doch die Freude am gemeinsamen Projekt überwiegt. „Die Stimmung in Vorstand und Aufsichtsrat ist super. Jeder hilft mit“, freut sich Prüsener. Gerade in Zeiten, in denen er im Berufsleben viel Anspannung erlebe, empfinde er die Arbeit für Ottobräu als wohltuenden Ausgleich.

Ein Name mit regionalen Wurzeln

Bei der Wahl des Namens setzte sich „Ottobräu“ schnell durch. Der Name stellt leicht einen regionalen Bezug zur Gemeinde Ottobrunn her. Zugleich sei der Name nicht eng auf Ottobrunn begrenzt, betont Prüsener. 

Für das Design des Logos standen begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung. Wichtiger war den Genossenschaftsmitgliedern, das vorhandene Geld für das Bier selbst zu nutzen, anstatt es in eine aufwendige Markenentwicklung zu stecken. Doch auch hier fand sich eine Lösung innerhalb der Genossenschaft: Ein kreativ interessierter Unterstützer und das für Marketing zuständige Mitglied entwickelte einen ersten Logo-Entwurf. Das Ergebnis ist bewusst schlicht und modern. Kleinere Anpassungen kann sich Prüsener vorstellen, doch grundsätzlich seien sie mit dem derzeitigen Etikett sehr zufrieden.

Sollte Ottobräu im Laufe der Zeit weitere Biersorten entwickeln, könnte sich Prüsener vorstellen, die Mitglieder der Brauereigenossenschaft in die Gestaltung einzubeziehen – etwa durch einen Wettbewerb für ein neues Logo. Auch darin zeigt sich der Wunsch, die Genossinnen und Genossen nicht nur finanziell, sondern kreativ an der Entwicklung zu beteiligen.

Engagement über das Bier hinaus

Dass Mitwirkung und gemeinschaftliches Engagement gut ankommen, zeigt sich für Prüsener am anhaltenden Zuspruch zum Rampenverkauf. „Obwohl es unser Bier inzwischen auch in Geschäften gibt, lässt der Andrang nicht nach. Das zeigt: Die Menschen kommen gerne zusammen.“

Überdies zeigt sich, dass nicht nur Interesse daran besteht, sich innerhalb der Genossenschaft zu engagieren, sondern dass Ottobräu den gemeinschaftlichen Anspruch hat, sich darüber hinaus sozial zu engagieren. „Wir haben stets unseren Hopfen-Otti dabei, eine Spendensau, in die Besucher ihre Pfandmarken werfen können. Wir sammeln die Pfandmarken, legen als Brauerei noch etwas drauf und spenden das Geld für Projekte vor Ort.“

Bei der ersten Aktion kamen auf diese Weise 700 Euro für das Clemens-Maria-Kinderheim in Putzbrunn zusammen. Ein anderes Mal wurde für die Kinder- und Jugendabteilung des TSV Ottobrunn gesammelt. 

Prüsener betont, dass aus Begegnungen rund um die Brauerei immer wieder spontane Ideen für gemeinsame Aktionen und Unterstützungsprojekte entstehen. Dieses Zusammenspiel macht für ihn einen wesentlichen Teil des genossenschaftlichen Charakters aus.

Der Erfolg macht Lust auf mehr

„Die Dimensionen sind jetzt schon größer, als wir ursprünglich geplant hatten“, freut sich Prüsener. „Die Resonanz bei den Bierfans und bei den Genossenschaftsmitgliedern hat unsere Erwartungen komplett übertroffen.“ Auf den ersten Sommer schaut die Brauereigenossenschaft zufrieden zurück und erlaubt sich, weiter zu träumen. „Eine eigene Brauerei ist unser nahes Fernziel“, sagt der Vorstand. Doch er weiß auch, dass dies eine große Herausforderung ist. Dennoch sucht die Genossenschaft aktiv nach Möglichkeiten.

Seinem persönlichen Ziel ist Prüsener jedoch bereits jetzt sehr nah. „Eine eigene Brauerei war immer ein Kindheitstraum von mir. Und als Genosse ist man schließlich Teilhaber einer Brauerei.“ Dass Ottobräu innerhalb kurzer Zeit eine hohe Bekanntheit in der Region erreicht hat, zeigen für Prüsener auch zwei Begegnungen, wie er schmunzelnd erzählt: Ausgerechnet auf dem Münchner Oktoberfest sei er an einem einzigen Tag gleich zweimal erkannt und angesprochen worden. Für Prüsener ein deutliches Zeichen dafür, wie schnell sich Ottobräu über den engeren Kreis hinaus einen Namen gemacht hat.

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