Steigerungsfähig: Wie kommt die Energiewende voran? Was läuft gut, wo hakt es? „Profil“ hat dazu mit den Vorständen von zwei Energiegenossenschaften gesprochen.
Netzwerktreffen, Fachveranstaltung, Erfahrungsaustausch: Der Tag der bayerischen Energiegenossenschaften hat viele Facetten. Die vom Genossenschaftsverband Bayern (GVB) organisierte Veranstaltung richtet sich an Energiegenossenschaften, Kreditgenossenschaften mit Interesse an Erneuerbaren Energien, Netzbetreiber, Politik, Wissenschaft, Energiewirtschaft sowie Verbände und Organisationen, die sich zur Energiewende bekennen. Mit über 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch aus Berlin, Hessen, Baden-Württemberg und Südtirol war der diesjährige Tag der bayerischen Energiegenossenschaften Mitte Oktober 2026 auf Schloss Hohenkammer wieder sehr gut besucht.
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Entscheidend ist, was vor Ort geschieht
Über die Energiewende werde seit vielen Jahren sehr intensiv gesprochen. „Wir reden über Netze, Preise, Förderung, Regulierung und Ausbauziele. Entscheidend für den Erfolg ist aber, was vor Ort geschieht. Dort wird investiert, gebaut, finanziert und Verantwortung übernommen“, betonte GVB-Präsident Stefan Müller in seinem Eingangsstatement. Neben Müller war auch GVB-Vorstandsmitglied Alexander Leißl nach Hohenkammer gekommen, um die Bedeutung der Energiegenossenschaften für die Energiewende zu unterstreichen. „Sie sind keine Randerscheinung der Energiewende. Sie sind praktische Umsetzer vor Ort. Sie verbinden privates Kapital mit regionaler Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und Verantwortung“, betonte Müller.
Energiegenossenschaften machten aus Betroffenen Beteiligte, so Müller. „Wenn die Energiewende zum Laufen kommen und funktionieren soll, dann müssen diejenigen beteiligt werden, die vor Ort sind.“ So könnten Menschen mitentscheiden, mitinvestieren und unmittelbar erleben, dass sie selbst Teil der Energiewende sind. Gleichzeitig bleibe ein Teil der Wertschöpfung in der Region. Dadurch schafften Energiegenossenschaften auch Akzeptanz für Energiewende-Projekte bei der Bevölkerung. „Akzeptanz entsteht nicht allein durch Information. Sie entsteht besonders dort, wo Menschen einen nachvollziehbaren Nutzen sehen und selbst Teil eines Projektes werden können“, betonte Müller. All das sei bei Energiegenossenschaften gegeben.
Energiegenossenschaften brauchen belastbare Rahmenbedingungen
Energiepolitischer Erfolg dürfe nicht nur an installierter Leistung gemessen werden, forderte Müller weiter. Entscheidend sei, dass am Ende ein verlässliches, wirtschaftliches und bezahlbares Energiesystem entstehe. „Neue Projekte sind derzeit mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Energiegenossenschaften und auch deren finanzierende Banken brauchen belastbare Rahmenbedingungen und realistische Planungshorizonte. Planbarkeit, verlässliche Vergütung, schneller Netzausbau und Systemverantwortung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssen zusammen gedacht werden“, forderte der GVB-Präsident.
Risiken dürften nicht einseitig auf dezentrale Anlagen und deren Betreiber verlagert werden. Wer langfristige Investitionen erwarte, müsse auch die Bedingungen schaffen, unter denen langfristiges Investieren möglich sei. „Die Energiewende braucht mehr als gute Ideen. Sie braucht Genehmigungen, tragfähige Geschäftsmodelle und Kapital. An dieser Stelle gehören Energiegenossenschaften und Kreditgenossenschaften zusammen. Sie organisieren unternehmerisches Engagement vor Ort, kennen die Regionen, die Menschen und die Projekte und können Investitionen fachkundig begleiten. In dieser Verbindung sehe ich noch weiteres Potenzial“, betonte Müller, der die Volks- und Raiffeisenbanken dazu aufrief, sich noch stärker in die Energiewende einzubringen.
GVB tritt Bayerischer Klima-Allianz bei
Der Tag der bayerischen Energiegenossenschaften bot auch den Rahmen für den Beitritt des GVB zur Bayerischen Klima-Allianz unter Federführung des Bayerischen Umweltministeriums. Umweltminister Thorsten Glauber war eigens nach Hohenkammer gekommen, um die Beitrittserklärung des GVB gemeinsam mit Müller zu unterzeichnen (siehe dazu auch die Meldung in der Rubrik „Im Fokus“ dieser Ausgabe sowie die Pressemitteilung des GVB).
GVB-Präsident Stefan Müller (li.) und Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber unterzeichnen beim Tag der bayerischen Energiegenossenschaften auf Schloss Hohenkammer den Beitritt des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) zur Bayerischen Klima-Allianz. Foto: GVB
Genossenschaften sind ein wichtiger Teil der Energiewende
Genossenschaften stünden für soziale Absicherung und das Recht auf Teilhabe, betonte Glauber. Mit diesen Stärken seien sie ein wichtiger Teil der Energiewende. Der Minister bekannte offen, dass gegensätzliche Entscheidungen in der Politik die Energiewende immer wieder ausgebremst hätten. „Rauf auf den Baum, runter vom Baum. Rein ins Feld, raus aus dem Feld. Das eine oder andere Haar ist darüber sicher grau geworden.“ Die Energiewende brauche Zeit, um erfolgreich zu sein. Viele Wahlen in kurzer Abfolge würden eine vernünftige politische Arbeit aber erschweren. „Dieses Land steht unter permanenter Dauerwahlwerbung. Wenn sich Politik nur noch nach Strömungen und Meinungen richtet, wird am Ende alles völlig beliebig“, beklagte sich Glauber.
Mit der Einführung der 10H-Regel durch die Bayerische Staatsregierung im Jahr 2014 habe die Energiewende „maximalen Schaden erlitten, so der Minister. Die Regel sah vor, dass eine Windkraftanlage zur nächsten Wohnbebauung den zehnfachen Abstand ihrer Gesamthöhe einhalten musste. Der Bau von neuen Windkraftanlagen kam dadurch nahezu zum Erliegen. Mit der Neuregelung im Jahr 2022 und der Reduzierung der Mindestabstände in bestimmten Gebieten sei Bayern nun wieder Spitzenreiter bei der Genehmigung von Windkraftanlagen. 2022 seien im Freistaat acht Windkraftanlagen genehmigt worden, 2025 seien es schon 200 gewesen, weitere 800 befänden sich im Genehmigungsverfahren. Allerdings sei eine Genehmigung noch kein Garant dafür, dass eine Windkraftanlage auch gebaut werde. Jetzt sei es auf Bundesebene erforderlich, dass bayerische Windenergieanlagen auch die Möglichkeit bekommen, bei EEG-Ausschreibungen einen Zuschlag zu erhalten, so Glauber.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber beim Tag der bayerischen Energiegenossenschaften 2026 auf Schloss Hohenkammer. Foto: GVB
Erneuerbare ausbauen, ohne die Netzstabilität zu gefährden
Aufgabe der Politik sei es nun, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehöre, die Erneuerbaren Energien auszubauen, ohne die Netzstabilität zu gefährden. Das sei politisch bisher nicht zusammen gedacht worden. „Wo wird Energie gebraucht, wo kann sie erzeugt werden, und was heißt das für die Stromnetze? Wir haben es nie geschafft, diese Dinge zu synchronisieren“, sagte der Minister. Als weiteres Beispiel für fehlende rechtliche Rahmenbedingungen nannte Glauber das bidirektionale Laden von E-Autos. Beim bidirektionalen Laden wird die Autobatterie zum Stromspeicher auf vier Rädern, der bei Bedarf Strom abgibt, etwa um das Netz zu stabilisieren. Aktuell fehlt dafür aber noch die gesetzliche Grundlage. Ein Ärgernis, findet Glauber. „Wir können es technisch, aber wir bekommen es mal wieder nicht geregelt.“
Glauber begrüßte den Beitritt des GVB zur Bayerischen Klima-Allianz ausdrücklich. Die genossenschaftliche Idee schaffe bei der Bevölkerung viel Akzeptanz für die Energiewende. „Schieben Sie an für die Energiewende“, gab der Minister den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Tags der bayerischen Energiegenossenschaften mit auf den Weg. „Wenn die Politik für verlässliche Rahmenbedingungen sorgt, dann werden wir es am Ende gemeinsam schaffen.“
Blick in den Tagungsraum des Tags der bayerischen Energiegenossenschaften 2026 auf Schloss Hohenkammer: Mit über 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die vom GVB organisierte Veranstaltung sehr gut besucht.
Die alte Energiewelt ist Geschichte
Anregungen für eine effiziente Transformation des Energiesystems gab Dietrich Gemmel, Vorstand der Lechwerke AG mit Sitz in Augsburg. Sein Eingangsstatement: Die alte Energiewelt, in der große Kraftwerke Strom produzieren, der über die Netze verteilt wird, sei endgültig vorbei. „Heute sind wir in einem sehr anspruchsvollen Zusammenspiel verschiedenster Akteure.“ Doch die Transformation des deutschen Energiesystems sei noch lange nicht am Ende. Während die Erneuerbaren Energien im Jahr 2025 am deutschen Stromverbrauch bereits einen Anteil von 56 Prozent gehabt hätten, seien es beim gesamten Primärenergieverbrauch nur 21 Prozent gewesen, wie Gemmel darlegte. Seine Schlussfolgerung daraus: „Die Stromwende ist schon weit, die Energiewende noch nicht.“
Die nächste Herausforderung sei, deutlich mehr erneuerbaren Strom bereitzustellen und sicher über Netze, Speicher und flexible Verbraucher in das Gesamtsystem zu integrieren. Gemmel betonte auch, wie wichtig Energie als Wirtschaftsfaktor für Deutschland ist. „Energie ist der Schlüsselmarkt und Basis aller Wertschöpfung. Ohne Energie funktioniert praktisch nichts.“ Allein die Stromwirtschaft erzeuge jährliche Branchenumsätze von rund 600 Milliarden Euro, deutlich mehr als etwa die Automobilindustrie oder der Maschinenbau.
Die Lechwerke AG verfügen laut Gemmel in Bayerisch-Schwaben über 37.000 Kilometer Stromnetz, 120 Umspannwerke, 10.000 Trafostationen. „Wir haben ein starkes Verteilnetz mit Platz für mehr erneuerbare Energien“, betonte der Vorstand. Der Netzausbau in der Region werde durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien getrieben, für das Jahr 2026 erwartet er einen Zubau von über 600 Megawatt Leistung bei den Erneuerbaren Energien. Noch stärker sei die Dynamik allerdings beim Zubau von Stromspeichern. Die Lechwerke hätten für Speicher mit total 1.000 Megawatt Leistung Anschlusszusagen erteilt, Anfragen lägen dagegen für Speicher mit insgesamt 15.000 Megawatt Leistung vor.
Kraftwerke und Speicher intelligent kombinieren
Die vervielfachte Einspeisung erneuerbarer Energien erfordere einen Netzausbau historischen Ausmaßes, betonte Gemmel. Ziel müsse sein, grüne Energie effizient, schnell und planbar ins Netz zu integrieren. Dazu müssten PV- und Windkraftanlagen mit netzneutralen Batteriespeichern intelligent kombiniert werden. Wenn sich PV- und Windkraftanlagen sowie Batteriespeicher einen Netzanschlusspunkt teilen, ließen sich erhebliche Kosten einsparen, so Gemmel. Diese sogenannte Überbauung von Netzanschlusspunkten erhöhe zudem die Netzkapazitäten für die Erneuerbaren Energien um ein Vielfaches, da Windkraftanlagen und PV-Anlagen selten zur gleichen Zeit den Anschluss allein auslasten würden.
Am Vortag der eigentlichen Veranstaltung auf Schloss Hohenkammer besichtigten rund die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Tags der bayerischen Energiegenossenschaften verschiedene Erneuerbare-Energien-Anlagen der Bürger Energie Genossenschaft Freisinger Land eG, unter anderem das Bürger-PV-Speicherkraftwerk Marzling. In die Anlage integriert ist ein Batteriespeicher mit 2,5 Megawatt Leistung und einer Speicherkapazität von 5 Megawattstunden. Er kann sowohl Strom aus der PV-Anlage als auch aus dem Netz speichern und hilft so, das Stromnetz stabil zu halten. Foto: GVB
Bundesregierung strebt grundlegenden Systemwechsel bei Erneuerbaren an
René Groß, Leiter Strategie und Politik der Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) in Berlin, gab einen Überblick über die geplanten Änderungen durch das Netzanschlusspaket und die EEG 2027-Novelle sowie die Eckpunkte des Wärmenetzpakets. Politisch stehen die ersten beiden Gesetzesnovellen für einen grundlegenden Systemwechsel von einer staatlich garantierten Förderung hin zu einer netz- und marktgesteuerten Regulierung. So sollen zukünftig in kapazitätslimitierten Gebieten der unbedingte Netzanschlussanspruch entfallen, sodass Betreiber für einen Netzzugang vertraglich auf Entschädigungen bei Abregelungen verzichten müssen. Kapazitätslimitierte Gebiete sind Regionen, in denen im Vorjahr mehr als fünf Prozent des produzierten Stroms aus Erneuerbaren Energien in Folge des Einspeisemanagements abgeregelt werden musste. Zugleich sind im EEG weitreichende Kürzungen der finanziellen Förderung bei den Solardachanlagen geplant. So soll die feste Einspeisevergütungen bei Solaranlagen bis 25 Kilowatt installierter Leistung (kWp) auslaufen und die Pflicht zur Direktvermarktung von Strom aus Anlagen unter 100 kWp geplant ausgeweitet werden.
Auch für andere Technologiefelder wie die Windenergie an Land und Biomasse-Anlagen enthalten die Gesetzesnovellen Änderungen. Bis Mitte November sollen diese Gesetzgebungsverfahren im Bundestag abgeschlossen sein, so dass ab dann eine Bestandsaufnahme durchgeführt werden kann, um zu sehen, was die finalen Änderungen für die Geschäftsfelder der Energiegenossenschaften bedeuten. Zusätzlich hat der Gesetzgeber Eckpunkte für ein neues Wärmenetzpaket vorgelegt, das Relevanz für neue und bestehende genossenschaftliche Wärmenetze hat.
Auf der Besichtigungstour am Vortag des Tags der bayerischen Energiegenossenschaften 2026 stand auch das Bürger-Windrad Kammerberg der Bürger Energie Genossenschaft Freisinger Land eG auf dem Programm. Die Windkraftanlage wurde 2015 in Betrieb genommen und liefert 6,2 Millionen Kilowattstunden Stromertrag pro Jahr. Studentinnen und Studenten bemalten den Fuß der Windkraftanlage mit bunten Figuren und Sprüchen pro Energiewende. Vorher war der Fuß des Turms durch Graffiti-Schmierereien verunstaltet. Foto: GVB
Herausforderungen bei der Finanzierung der Energiewende
Christian Haberger, Vertriebsdirektor Firmenkunden, Agrar und Erneuerbare Energien bei der VR-Bank Rottal-Inn, ging auf die Herausforderungen bei der Finanzierung von Erneuerbare-Energien-Anlagen und Infrastruktur ein. Eine Bank achte sehr auf sichere Zahlungsströme, ein geringes Risiko und eine angemessene Verzinsung, betonte Haberger. Aber auch die Investoren legten Wert auf ein geringes Risiko und eine hohe Rendite, genauso wie der Stromvermarkter. Deshalb müsse die Risikoverteilung vertraglich klar geregelt sein. Ebenso bedeutend seien der Kapitaldienstdeckungsgrad und die vorhandenen Reserven sowie die Qualität der Investoren.
Jede Projektfinanzierung in Windkraft, Photovoltaik, Batteriespeicher, Umspannwerke oder Kombinationen daraus berge ihre eigenen Risiken, berichtete Haberger. Bei PV-Anlagen seien dies etwa sinkende Erlöse und die gegenseitige Kannibalisierung von Projekten, Baukosten- und Lieferkettenrisiken sowie steigende Zinslasten. Bei Batteriespeichern hingegen sei wegen der rasanten technischen Entwicklung noch gar nicht klar, wie stark deren Leistungsfähigkeit über die angedachte Finanzierungslaufzeit sinke. Das alles mache eine Kalkulation sehr schwer. Die Finanzierung von Umspannwerken und Netzinfrastruktur sei wiederum unter anderem wegen langer Genehmigungen, einem hohen Kapitalbedarf und hoher regulatorische Anforderungen herausfordernd.
Insgesamt träfen die Anforderungen sicherer Zahlungsströme auf unsichere Erlösstrukturen, berichtete Haberger. Erfolgsfaktoren für eine Bankfinanzierung von Erneuerbare-Energien-Projekten seien ein gesicherter Netzanschluss, die frühe Strukturierung der Stromvermarktung, robuste Verträge und Garantien sowie realistische Business Cases. „Die Bankfähigkeit von Erneuerbare-Energien-Projekten wird bereits in der Projektentwicklung entschieden. Finanzierung entsteht durch planbare Zahlungsströme“, betonte Haberger.
Vorbereitete Fläche für eine von zwei Windkraftanlagen des Bürger-Windparks Hohenkammer der Bürger Energie Genossenschaft Freisinger Land und der BürgerEnergie HaPeVi eG. Im Wald bei Hohenkammer werden zwei Windkraftanlagen vom Typo Enercon E-175 mit 175 Meter Nabenhöhe errichtet. Geplante Inbetriebnahme ist Dezember 2027. Die Einwohner von Hohenkammer konnten sich bevorzugt an dem Bürger-Windpark beteiligen, wenn sie Mitglied der Genossenschaft werden. Rund zehn Prozent der Bürgerinnen und Bürger aus Hohenkammer sind nach Angabe von Vorstand Werner Hillebrand-Hansen mittlerweile Mitglied der BEG Freisinger Land, die den Bau der Windkraftanlagen unterstützen.
Von Geothermie bis zur Windparkplanung
In mehreren parallellaufenden Vorträgen ging es beim Tag der bayerischen Energiegenossenschaften schließlich um Energy Sharing, Windparkplanung vom ersten Gespräch bis zum fertigen Projekt, Geothermie zur Wärmeerzeugung, Kooperationsmöglichkeiten von Energiegenossenschaften sowie um das EU-Forschungsprojekt PRISMA zu marktorientierten Lösungen für die Energiewende, vorgestellt von Professor Haresh Vaidya von der Hochschule Ansbach.
Handlungsfähigkeit von Genossenschaften durch Kooperation sichern
Magdalena Eisenmann vom GVB thematisierte in einer Podiumsdiskussion mit Thomas Kaindl und Frank Dietzel von der BürgerEnergie Niederbayern eG sowie Monika Kötzinger von der EGW Dienstleistungs-GmbH die Möglichkeiten, wie Energiegenossenschaften ihre Zukunft durch Verschmelzung oder Kooperationen sichern können. Energiegenossenschaften stünden vor wachsenden Herausforderungen, wie Eisenmann darlegte: Der demografische Wandel, fehlende Nachfolger für das Ehrenamt, steigender Verwaltungsaufwand, die zunehmende regulatorische Komplexität in der Projektplanung sowie Kosten- und Erlösdruck machten vielen Genossenschaften zu schaffen. Kooperation könne ein Weg sein, die Zukunfts- und Handlungsfähigkeit zu sichern. Das Spektrum reiche dabei vom Erfahrungsaustausch über vertragliche Kooperationen und Joint Ventures bis hin zur Verschmelzung. „Entscheidend ist eine klare und überlegte Gestaltung der Zusammenarbeit: gemeinsame Ziele, passende Partner sowie eine klare Verteilung von Aufgaben, Ressourcen, Kosten und Nutzen“, betonte Eisenmann. Unabhängig vom gewählten Weg gelte: Jede Genossenschaft sollte sich frühzeitig und aktiv damit auseinandersetzen, wie sie langfristig zukunftsfähig aufgestellt sein kann.
Energy Sharing als Chance für Genossenschaften
Energy Sharing war das Thema von Barbara von der Ropp, Vorständin der Energiegenossenschaft Fünfseenland. Beim Energy Sharing können Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen regional erzeugten Strom über das öffentliche Netz an regionale Verbraucher liefern, die von reduzierten Strompreisen profitieren. Die Initiative dazu stammt von der EU, die mit Energy Sharing eine Möglichkeit schaffen wollte, die Bürgerinnen und Bürger stärker und direkter an der Energiewende zu beteiligen. Seit 1. Juni 2026 ist Energy Sharing auch in Deutschland erlaubt.
Die Energiegenossenschaft Fünfseenland ist gerade dabei, eine eigene Genossenschaft für Energy Sharing zu gründen, die regenos eG. „Energy Sharing ist der Einstieg in ein regional verantwortetes Energiesystem. Mit der neu entstehenden regenos eG schaffen wir weit mehr als eine technische Plattform: Wir wollen Energiegenossenschaften, Kommunen, Unternehmen und Bürgerinnen zusammenbringen, ihre Zusammenarbeit orchestrieren und durch genossenschaftliches Community Building regionale Energiegemeinschaften aufbauen“, berichtete Barbara von der Ropp. Energy Sharing ermögliche es den Mitgliedern der Genossenschaft, den Strom aus erneuerbaren Energieanlagen, in die sie selbst investiert haben, auch gemeinsam vor Ort zu nutzen. „So bleiben Energie und Wertschöpfung in der Region und der genossenschaftliche Förderzweck wird unmittelbar erlebbar“, wie die Vorständin betonte. Der Leitgedanke der neuen Genossenschaft: Energie aus der Region – für die Region.
Eine digitale Plattform soll bei der regenos eG Messung, Zuordnung und Abrechnung der gelieferten Strommengen übernehmen. „Die Digitalisierung aller Komponenten schafft Transparenz über Erzeugung und Verbrauch, macht regionale Flexibilitäten sichtbar und ermöglicht deren intelligente Nutzung. Damit entstehen neue regionale Vermarktungs- und Erlösmodelle als Alternative zur klassischen EEG-Vergütung und wirtschaftliche Anreize für zusätzliche Investitionen in erneuerbare Energien, Speicher und Flexibilität“, betonte von der Ropp.
Save the Date
Der nächste Tag der bayerischen Energiegenossenschaften findet am 22. und 23. April 2027 statt. Die GVB-Mitglieder werden rechtzeitig über Programm und Anmeldemöglichkeiten informiert.