Mut zur Veränderung: Welche Rahmenbedingungen benötigt der bayerische Mittelstand, um weiter erfolgreich zu wirtschaften? Zwei Antworten aus zwei unterschiedlichen Branchen.
Frau Graeber, Sie sind seit gut einem Jahr Vorstandsvorsitzende der VEDES Gruppe. Wie fällt Ihr persönliches Resümee aus?
Julia Graeber, seit 1. Januar 2025 Vorstandsvorsitzende der VEDES AG. Foto: VEDES
Julia Graeber: Ich bin 2019 zur VEDES gekommen und seit 2022 im Vorstand, aber das erste Jahr als Vorstandsvorsitzende war schon nochmal besonders. Mein neues Amt war für mich ein Perspektivwechsel, der viel Verantwortung, aber auch viel Gestaltungsspielraum mit sich bringt. Wir haben strategisch wichtige Themen angestoßen sowie die richtigen Weichen für die Weiterentwicklung der VEDES gestellt. Gleichzeitig wünsche ich mir an der einen oder anderen Stelle mehr Geschwindigkeit bei der Umsetzung, was aber bei einem kooperativen Handelsverbund mit komplexen Rahmenbedingungen nicht ganz einfach ist. Denn der Handel insgesamt und auch die Spielwarenbranche befinden sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Das Umfeld ist anspruchsvoll, das muss man offen sagen. Umso wichtiger war es mir in meinem ersten Jahr als Vorstandsvorsitzende, zuzuhören, um ein Gespür für die wichtigen Themen zu bekommen. Im engen Austausch mit unseren Mitgliedern, Industriepartnern und auch unserem Team haben wir dann klare Prioritäten definiert. Im Vorstand arbeiten wir sehr partnerschaftlich und ressortübergreifend an den zentralen Zukunftsthemen der VEDES. Von daher ist mein Resümee klar: Der Spielwarenhandel bietet kein einfaches Umfeld, aber wir haben eine starke Basis, ein gemeinsames Verständnis und viele konkrete Ansatzpunkte, um die VEDES und ihre Mitglieder nachhaltig und zielgerichtet weiterzuentwickeln.
Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? Spielt es dabei eine Rolle, dass Sie eine Frau sind?
Graeber: Mein Führungsstil ist klar teamorientiert und partnerschaftlich. Die Themen, die wir aktuell bewegen, sind so komplex, dass sie auch nur gemeinsam sinnvoll vorangebracht werden können. Deswegen betone ich immer wieder die enge Zusammenarbeit nicht nur im Vorstand, sondern über alle Abteilungen hinweg, weil viele Themen miteinander verzahnt sind. Zudem ist es mir wichtig, transparent zu kommunizieren, Dinge offen anzusprechen und Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen. Ob ich eine Frau bin oder ein Mann, spielt für mich keine Rolle. Entscheidend sind Kompetenz, Verlässlichkeit und Haltung. Vielfalt in Führungsteams ist aber grundsätzlich ein Gewinn, weil unterschiedliche Blickwinkel auch die Qualität der Entscheidungen verbessern.
Zur Person
Julia Graeber hat Wirtschaftswissenschaften (Abschluss Diplom-Kauffrau) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie an der University of Hull in England studiert. 2005 fing sie als Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte an. 2019 wechselte sie als Leiterin Finanzen zur VEDES AG. 2022 wurde sie in den Vorstand der VEDES AG berufen. Seit 1. Januar 2025 ist sie Vorstandsvorsitzende des Unternehmens mit Sitz in Nürnberg. Die VEDES Gruppe ist eines der führenden Handelsunternehmen für Spiel, Freizeit und Familie in Europa. Rund 600 Fachhändler mit ca. 700 Standorten aus acht europäischen Ländern sind heute unter der Dachmarke VEDES vereint. Hinzu kommen über 3.500 Händler mit mehr als 7.000 Standorten, die vom konzerneigenen Großhandel bedient werden.
Welche zentralen Themen werden die VEDES in den kommenden Jahren beschäftigen?
Graeber: Die zentralen Themen ergeben sich direkt aus der Marktentwicklung. Der Handel steht unter Druck, das Kundenverhalten ändert sich und gleichzeitig steigen die Kosten. Deswegen setzen wir auch unsere Arbeitsschwerpunkte in diesen drei Bereichen. Erstens stärken wir den Fachhandel durch konkrete Services von der Logistik über die IT und den Einkauf bis zum Marketing. Zweitens entwickeln wir unsere Omnichannel-Strategie konsequent weiter, weil die Kunden heute kanalübergreifend unterwegs sind. Und drittens treiben wir die Vernetzung voran, indem wir zum Beispiel unsere Händler über unser Zukunftsnetzwerk und andere Austauschformate zusammenbringen.
Was hat es mit dem Zukunftsnetzwerk auf sich?
Graeber: In unserem Zukunftsnetzwerk bringen wir angehende und zukunftsorientierte Führungskräfte zusammen, die den Spielwarenhandel der Zukunft aktiv mitgestalten möchten. Es ist eher wie ein Experimentierlabor angelegt, der Workshop-Charakter steht im Vordergrund. Dort tritt das klassische Business bewusst in den Hintergrund. Im Mittelpunkt steht der Blick über den Tellerrand: Welche Trends prägen den stationären Einzelhandel von morgen? Wie verändern sich die Erwartungen der Kundschaft? Und welche Strategien helfen dabei, langfristig erfolgreich zu bleiben? In einem offenen, praxisnahen Austausch auf Augenhöhe wird diesen Fragen Raum gegeben. Diese Gruppe ist von einer Offenheit und Energie geprägt, die deutlich macht: Das ist ein Netzwerk, das etwas bewegen will.
Impulsgeber von morgen: Das VEDES Zukunftsnetzwerk verbindet fachlichen Austausch mit gemeinsamen Erlebnissen – denn gute Ideen entstehen oft abseits des Konferenztischs. Foto: VEDES
Welche Formate nutzen Sie noch zum Austausch mit Ihren Mitgliedern?
Graeber: Wir stehen in kontinuierlichem Austausch mit unseren Mitgliedern, sei es auf digitalem Wege oder in Präsenzveranstaltungen, wie etwa bei unseren regelmäßigen Regionaltagungen oder unseren Hausmessen. Dort stehen vor allem operative Themen im Fokus, also Sortimente, IT, Warenwirtschaft, Marketing und aktuelle Fragestellungen. Darüber hinaus laden wir ausgewählte Händler zweimal im Jahr zum Marketingausschuss ein, um zusammen zielgerichtete Werbestrategien zu erarbeiten. Und in unseren Musterungskommissionen werden gemeinsam Neuheiten und Highlights gesichtet, um unser Sortiment noch attraktiver zu gestalten. Der enge Austausch mit unseren Fachhändlern ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Denn wertvolle Praxiserfahrungen aus dem Handel helfen uns, Strategien gezielt weiterzuentwickeln und die Bedürfnisse unserer Zielgruppen noch besser zu treffen.
„Der enge Austausch mit unseren Fachhändlern ist ein zentraler Erfolgsfaktor.“
Im Marketingausschuss bringen die Händler ihre Praxiserfahrungen ein, um Werbestrategien weiterzuentwickeln und die Bedürfnisse der Zielgruppen noch besser zu treffen. Foto: VEDES
Haben Sie Trendscouts oder ein Trendradar, um Trends, wie zum Beispiel die Labubus im vergangenen Jahr, frühzeitig zu identifizieren und Ihre Mitglieder rechtzeitig mit der passenden Ware zu versorgen?
Graeber: Ja, wir haben in der Zentrale viele Spezialisten, die den Markt kontinuierlich beobachten. Sei es unsere eigene Marktforschung, die permanent Branchendaten analysiert, oder unsere erfahrenen Einkäufer, die bestens vernetzt und weltweit auf Messen unterwegs sind, wo frühzeitig neue Produkte präsentiert werden, bevor sie bei uns überhaupt bekannt werden. Außerdem profitieren wir von unserer heterogenen Struktur im Einkauf. Dabei vereinen wir erfahrene Kolleginnen und Kollegen mit jüngeren Talenten, die neue Impulse ins Team bringen und Trends zum Beispiel auf Plattformen wie TikTok identifizieren. So konnten wir unsere Mitglieder zum Beispiel im letzten Jahr auch mit den echten Labubus versorgen, während viele andere Händler leer ausgegangen sind.
Im neuen VEDES Markenclaim wird Spielen als verbindendes Element verstanden, das Generationen, Lebenswelten und Menschen miteinander vereint. Foto: VEDES
Die Marke VEDES ist in der Spielwarenbranche etabliert. Was verbinden Sie mit der Marke VEDES?
Graeber: Die Marke VEDES steht für mich in erster Linie für Vertrauen, Verlässlichkeit und Gemeinschaft. Sie ist seit Jahrzehnten fest in der Spielwarenbranche verankert und gleichzeitig eng mit dem Fachhandel verbunden. Das ist eine große Stärke – und gleichzeitig auch eine Verantwortung. Mit unserem neuen Claim „Spielen verbindet“ bringen wir sehr klar zum Ausdruck, wofür die Marke VEDES heute steht. Spielen ist weit mehr als ein Produkt oder ein Anlass zum Kauf. Es verbindet Generationen, schafft gemeinsame Erlebnisse und ist gerade in einer zunehmend digitalen Welt ein wichtiger sozialer und kreativer Gegenpol. Dieser Gedanke richtet sich ganz bewusst auch an den Endverbraucher. Wir wollen zeigen, welchen Wert analoges Spielen für Kinder, Familien und auch für Erwachsene hat – emotional, gesellschaftlich und entwicklungsbezogen. Gleichzeitig transportiert der Claim nach innen, wofür unser Verbund steht: für Zusammenarbeit, Partnerschaft und ein starkes Miteinander von Fachhändlern, Herstellern und Zentrale.
Wie wollen Sie die Marke VEDES weiterentwickeln und positionieren, damit sie auch in Zukunft ihre Strahlkraft behält?
Graeber: Unser Anspruch ist es, die Marke VEDES behutsam, aber konsequent weiterzuentwickeln. Wir bauen auf ihrer hohen Bekanntheit und Glaubwürdigkeit auf und übersetzen diese Werte in eine zeitgemäße, klare Kommunikation. Dabei öffnen wir die Marke bewusst über die klassische Kinderzielgruppe hinaus. Neben Familien rücken auch neue Zielgruppen wie die sogenannten Kidults stärker in den Fokus. Gleichzeitig bleibt der Fachhandel das Herz der Marke – als Ort der Beratung, der Inspiration und der emotionalen Produkterlebnisse. Entscheidend ist, dass unsere Marke nicht nur sichtbar, sondern auch erlebbar wird. Deshalb setzen wir auf eine konsequente und einheitliche Markenführung über alle Kanäle hinweg und auf Formate, die Gemeinschaft und Identifikation fördern – intern wie extern. So bleibt VEDES relevant, nahbar und zukunftsfähig.
„Die VEDES steht für Gemeinschaft, Partnerschaft und die Überzeugung, dass man gemeinsam stärker ist als allein.“
Hinter der VEDES steckt eine Genossenschaft. Wofür steht diese starke Verbundgruppe?
Graeber: Die VEDES steht für Gemeinschaft, Partnerschaft und die Überzeugung, dass man gemeinsam stärker ist als allein. Unsere Mitglieder sind selbstständige Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihre Individualität bewahren wollen, gleichzeitig aber von einem starken Verbund profitieren möchten. Die VEDES verfolgt keinen Selbstzweck, sondern sie dient ihren Mitgliedern und das seit ihrer Gründung 1904 sehr erfolgreich. Sie schafft Einkaufsvorteile, bietet umfassende Services und eine Plattform für den gemeinsamen Austausch. Und sie verleiht den Fachhändlern eine gemeinsame Stimme. In einem Umfeld, das von zunehmender Konzentration geprägt ist, ist das heute wichtiger denn je.
Was macht Genossenschaften wie die VEDES Ihrer Meinung nach erfolgreich? Und was tun Sie, damit das auch in Zukunft so bleibt?
Graeber: Genossenschaften sind erfolgreich, wenn sie nah an ihren Mitgliedern sind und einen echten Mehrwert liefern. Das heißt: zuhören, Bedürfnisse ernst nehmen und Lösungen anbieten, die im unternehmerischen Alltag funktionieren. Für die VEDES bedeutet das konkret: Wir entwickeln unsere Services kontinuierlich weiter – von Logistik und Einkauf über Marketing bis hin zu digitalen Lösungen – und schaffen gleichzeitig Räume für den Austausch. In einem komplexen Marktumfeld wird es für die Händler immer schwieriger, alle Aufgaben selbst abzudecken. Hier übernimmt die VEDES Zentrale gezielt Aufgaben und entlastet ihre Mitglieder. Entscheidend ist, dass Veränderungen aus Überzeugung entstehen. Unsere Rolle als Genossenschaft besteht darin, Orientierung zu geben, Impulse zu setzen und unsere Händler bei der Weiterentwicklung zu unterstützen. Wenn sie dann sehen, dass neue Ansätze funktionieren und einen echten Nutzen bringen, entsteht nachhaltige Veränderung – aus eigener Motivation und im Miteinander.
Auf vielen Kanälen aktiv: Mit digitalen Terminals können VEDES Fachhändler ihr Sortiment vor Ort mit Online-Angeboten verknüpfen. Foto: VEDES
Sie haben das dynamische und komplexe Marktumfeld bereits mehrfach angesprochen. Woran wird dieser grundlegende Wandel der Spielwarenbranche deutlich und was heißt das für die VEDES Gruppe?
Graeber: Ein zentrales Element des Wandels ist die digitale Transformation. Sie verändert das Konsumverhalten der Menschen grundlegend und damit auch die Anforderungen an den Handel. Für die VEDES bedeutet das, dass wir uns konsequent als Omnichannel-Plattform verstehen: stationär, digital und logistisch eng verzahnt. Unsere Aufgabe als Zentrale ist es, digitale Infrastruktur, Prozesse und Tools bereitzustellen, die den Fachhandel entlasten und stärken. Das stationäre Fachgeschäft bleibt dabei der emotionale Anker – ergänzt durch digitale Services, die den Kunden dort erreichen, wo er ist.
Wie begleiten Sie die digitale Transformation der Spielwarenbranche? Wo setzen Sie eigene Akzente?
Graeber: Wir begleiten die digitale Transformation mit einem klar pragmatischen Ansatz. Es geht nicht um Digitalisierung um ihrer selbst willen, sondern um Lösungen, die den Händleralltag konkret erleichtern und wirtschaftlich tragfähig sind. Eigene Akzente setzen wir vor allem in der Verzahnung von Großhandel, Logistik und digitalen Vertriebskanälen. Themen wie Dropshipment, hohe Warenverfügbarkeit, effiziente Prozesse und datenbasierte Sortimentssteuerung spielen dabei eine zentrale Rolle. Wir stellen Strukturen bereit, die unsere Händler nutzen können, ohne jede Entwicklung selbst stemmen zu müssen. Deshalb haben wir uns beispielsweise dem KI-Park in Berlin angeschlossen. Das ist ein Ökosystem, das Start-ups und etablierte Unternehmen zusammenbringt mit dem Ziel, pragmatische, lösungsorientierte und vor allem auch finanzierbare Anwendungen zu entwickeln und einzusetzen. Hier gehen wir bewusst in den Wissenstransfer, den wir dann an unsere Händler weitergeben. Wir sehen uns als Partner, der Orientierung gibt, Erfahrungen teilt und den Fachhandel Schritt für Schritt bei der digitalen Weiterentwicklung begleitet.
Zu welchen Themen und Ideen tauschen Sie sich im KI-Park aus?
Graeber: Die Spielwarenbranche ist durch eine enorme Produktvielfalt geprägt. Wir führen über 300.000 Spiel- und Freizeitprodukte in unserem Warenwirtschaftssystem – dahinter steht eine große Menge an Artikelstammdaten, die im E-Commerce spezifischen Anforderungen entsprechen müssen. Bei der VEDES führen wir die unterschiedlichen Daten der Hersteller zusammen und stellen sie dann unseren Mitgliedern in einheitlicher Qualität zur Verfügung – das ist mit einem hohen Aufwand verbunden. Dieses Thema haben wir beispielsweise in den KI-Park getragen. Dort sind wir im Austausch mit Software-Unternehmen und Start-ups, die entsprechende KI-Lösungen entwickeln. Wenn wir dort passende Lösungen identifizieren, reduzieren wir den manuellen Aufwand bei der Datenpflege und setzen Ressourcen gezielter ein. Wir schauen uns in unterschiedlichsten Bereichen KI-Einsatz an, etwa im Marketing oder zur weiteren Automatisierung unserer Geschäftsprozesse.
„Gerade in einem anspruchsvollen Marktumfeld ist finanzielle Stabilität Voraussetzung dafür, die Zukunft aktiv gestalten zu können.“
Die VEDES AG hat eine Anleihe über 12,5 Millionen Euro zum 17. November 2025 vorzeitig gekündigt und getilgt. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Graeber: Die vorzeitige Kündigung und vollständige Tilgung der Anleihe war eine bewusste strategische Entscheidung. Mir war es wichtig, die Finanzierungsstruktur der VEDES aktiv weiterzuentwickeln und den Handlungsspielraum des Unternehmens langfristig zu vergrößern. Gerade in einem anspruchsvollen Marktumfeld ist finanzielle Stabilität Voraussetzung dafür, die Zukunft aktiv gestalten zu können. Durch unsere solide wirtschaftliche Entwicklung und den Aufbau neuer, langfristig ausgerichteter Bankenpartnerschaften konnten wir die Anleihe vorzeitig ablösen. Damit haben wir uns bewusst von einem kapitalmarktbasierten Instrument getrennt, das für eine frühere Wachstumsphase gedacht war. Die vorzeitige Ablösung der Anleihe verschafft uns den Handlungsspielraum und bildet die Grundlage dafür, gezielt in Zukunftsthemen wie Digitalisierung, die Weiterentwicklung unserer Logistikprozesse und den Ausbau unserer Omnichannel-Strategie zu investieren. Gleichzeitig ist es mir wichtig, den Anlegerinnen und Anlegern für ihr langjähriges Vertrauen zu danken.
„Ich sehe die VEDES klar als stabilisierende und gestaltende Kraft im Markt.“
Wie sieht die neue Finanzierungsstruktur der VEDES Gruppe aus und was erwarten Sie sich davon?
Graeber: Die neue Finanzierungsstruktur basiert im Wesentlichen auf langfristigen Darlehen von drei namhaften Banken mit Laufzeiten bis 2031 sowie der Verlängerung der stillen Beteiligung der BayBG. Damit ist unsere Finanzierung heute breiter aufgestellt und weniger abhängig von einzelnen Instrumenten. Damit schaffen wir vor allem Verlässlichkeit und Planbarkeit. Die langfristige Ausrichtung der Finanzierung gibt uns Stabilität über mehrere Jahre und reduziert finanzielle Risiken. Gleichzeitig gewinnen wir an Flexibilität, weil die Struktur besser zu unserem operativen Geschäft und zu den Zyklen des Handels passt. Das ist ein wichtiger Baustein, um die VEDES robust aufzustellen – nicht nur für kurzfristige Herausforderungen, sondern mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens im Sinne unserer Mitglieder und Partner.
Wenn Sie zum Abschluss nach vorne blicken: In welcher Rolle sehen Sie die VEDES in einem Spielwarenmarkt, der gerade einem fundamentalen Wandel unterworfen ist?
Graeber: Ich sehe die VEDES klar als stabilisierende und gestaltende Kraft im Markt. Der Spielwarenhandel steht vor großen Herausforderungen und gleichzeitig vor echten Chancen. Unsere Aufgabe ist es, unseren Mitgliedern Sicherheit und Orientierung in einem volatilen Umfeld zu geben. Als Verbundgruppe verbinden wir wirtschaftliche Stärke mit genossenschaftlichen Werten. Wir bündeln Kompetenzen, schaffen Strukturen und ermöglichen es so unseren Mitgliedern, sich weiterzuentwickeln, ohne ihre Identität zu verlieren. Gleichzeitig verstehen wir uns als verbindendes Element zwischen Industrie und Handel, aber auch als Brücke zum Endverbraucher. Wenn wir diese Rolle konsequent partnerschaftlich, zukunftsorientiert und nah an den Menschen ausfüllen, wird die VEDES auch in einem veränderten Marktumfeld eine zentrale Rolle spielen.
Frau Graeber, herzlichen Dank für das Interview!