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Bei Bayerns Genossenschaften laufen die Geschäfte rund. Beim Pressegespräch der genossenschaftlichen Waren- und Dienstleistungsunternehmen im Münchner Haus der bayerischen Genossenschaften im April konnten die Journalisten diesen Erfolg sogar schmecken. Blickfang im Raum war ein Tisch, auf dem Biere der 14 genossenschaftlichen Brauereien in Bayern standen. Zum anschließenden Imbiss wurden Kostproben ausgeschenkt.

„Genossenschaften sind ein lebendiger Bestandteil der bayerischen Gesellschaft“, sagte Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), vor den Besuchern. Die Brauereien stünden exemplarisch für die Genossenschaftsidee: „Menschen schließen sich zusammen und brauen gemeinsam ihr Heimatbier“, so Gros. Neben mehreren Jungbrauern gehören zu den bayerischen Genossenschaftsbrauereien auch traditionelle Unternehmen, die sich teilweise seit mehr als 100 Jahren am Markt behaupten. Drei von ihnen wurden erst im vergangenen Jahr gegründet. „Das Interesse an regionalen, handwerklich hergestellten Bieren nimmt zu“, sagte der Verbandspräsident. Zusammen produzieren die Genossenschaftsbrauereien im Freistaat mehr als 170.000 Hektoliter Bier in über 30 Sorten. „Das reicht aus, um die Einwohner von Ingolstadt und Passau ein Jahr lang mit Bier zu versorgen, wenn man den deutschen Pro-Kopf-Konsum zugrunde legt“, rechnete Gros vor.

Die 14 Brauereien sind nur ein kleiner Ausschnitt der insgesamt 1.053 genossenschaftlichen Waren- und Dienstleistungsunternehmen im Freistaat. Sie alle kennzeichnet ihre Vielfalt und die Förderung ihrer mehr als 620.000 Mitglieder durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb. „Die Unternehmen sind ein wesentlicher Teil der genossenschaftlichen Familie und als Partner der Landwirtschaft, als dezentrale Energielieferanten, regionale Nahversorger oder IT-Dienstleister fest im bayerischen Wirtschaftsleben verankert“, sagte Gros. In Summe setzten die Betriebe 12,7 Milliarden Euro um, das sind 1,5 Prozent mehr als 2017. Damit stieg der Umsatz das zweite Jahr in Folge. Gleichzeitig legte der Gewinn um 8 Prozent deutlich zu: 2018 erwirtschafteten die Genossenschaften ein Vorsteuerergebnis von 259,5 Millionen Euro. „Bayerns Genossenschaften haben 2018 erfolgreich gewirtschaftet. Sie sind erneut gewachsen und haben mehr verdient“, fasste Gros zusammen.

Die Waren- und Dienstleistungsunternehmen sind in 35 Branchen aktiv. Die Betriebe profitierten im vergangenen Geschäftsjahr von der anhaltend guten Binnenkonjunktur. Diese sorgte vor allem im Handel, im Handwerk und bei gewerblichen Genossenschaften aus dem IT-Bereich für Umsatzzuwächse. Außerdem hat die wachsende Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst oder Fleisch auch den ländlichen Genossenschaften ein Umsatzplus beschert, wie Gros sagte. Zudem gab es 2018 im Gegensatz zu den volatilen Vorjahren auf dem Milchmarkt kaum Preisausschläge. Damit blieben bei den Milchgenossenschaften preisbedingte Umsatzschwankungen aus.

 

Handelsgenossenschaften

Die umsatzstärkste Gruppe der genossenschaftlichen Waren- und Dienstleistungsunternehmen in Bayern sind die 46 Handelsgenossenschaften. Sie bündeln den Wareneinkauf und -verkauf ihrer Mitgliedsunternehmen, zum Beispiel bei Nahrungsmitteln, Spielwaren oder Arzneimitteln. Im vergangenen Jahr steigerten sie ihren Umsatz um 3 Prozent auf gut 4,7 Milliarden Euro. Damit haben die Handelsgenossenschaften in absoluten Zahlen den größten Anteil am Umsatzplus aller 1.053 bayerischen Waren- und Dienstleistungsunternehmen. Trotzdem sank ihr Ergebnis leicht auf 32,4 Millionen Euro (-0,9 Prozent). Das liegt unter anderem am intensiven Wettbewerb durch den Onlinehandel.

Milchgenossenschaften

Die 146 Milchgenossenschaften in Bayern befinden sich weiterhin auf Konsolidierungskurs. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Liefergenossenschaften von 125 auf 118. Sie bündeln die Milch der Erzeuger, um diese gemeinsam zu vermarkten. Zudem lassen immer mehr Liefergenossenschaften ihre Milchumsätze nicht mehr über die eigenen Bücher laufen, um den Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Sie beschränken sich auf eine Vermittler- und Verhandlungsrolle. Dieser Wandel im Geschäftsmodell der Milchliefergenossenschaften wirkt sich auch auf die Umsatzentwicklung aus. Dieser ging um 5,1 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zurück – trotz stabiler Nachfrage am Weltmarkt und ganzjährig hoher Butterpreise.

Der Umsatzrückgang spiegelt sich im Ergebnis wider: Im Vergleich zum Vorjahr erwirtschafteten die Milchgenossenschaften 2018 nur noch 27,4 Millionen Euro (-18 Prozent). Dieser Wert liegt aber immer noch im langjährigen Durchschnitt (2013 bis 2018) von 27,8 Millionen Euro. „Das Vorjahresergebnis war aufgrund der Milchpreissteigerungen ein positiver Ausreißer, nun befinden wir uns wieder im Bereich der Normalität“, ordnete GVB-Präsident Jürgen Gros die Zahlen ein. 

Ländliche Genossenschaften

Neben den Milchgenossenschaften sind die 272 ländlichen Genossenschaften prägend für die Landwirtschaft in Bayern. Zu ihnen gehören zum Beispiel Vermarktungsverbünde von Viehhaltern oder Zusammenschlüsse von Gemüsebauern oder Winzern. Sie setzten im vergangenen Jahr zusammen 1,3 Milliarden Euro um. Mit 9,6 Prozent verzeichneten sie 2018 zudem das stärkste Umsatzplus aller bayerischen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Der Gewinn kletterte um 11 Prozent auf 21,8 Millionen Euro.

Das Wachstum geht größtenteils auf die genossenschaftlichen Vieh- und Fleischvermarkter zurück (plus 78 Millionen Euro). „Sie sind ein attraktives Modell für Viehhalter. Durch die gemeinsame Vermarktung stärken sie ihre Position gegenüber den großen Schlachtbetrieben und dem Lebenseinzelhandel“, sagte Gros. Zudem bedienen diese Genossenschaften die steigende Nachfrage nach regionalen Produkten, indem sie zum Beispiel Vieh aus bayerischen Betrieben mit einem hohen Grünlandanteil vermarkten. Die Verkaufszahlen legten beim Schlachtvieh um 305.000 Stück und beim Nutz- und Zuchtvieh um 155.000 Stück zu. Die Zahl der Mitglieder stieg um rund 2.400.

Auf ein gutes Jahr blicken auch die Winzergenossenschaften zurück. Sie verzeichneten ein Umsatzplus von 4,2 Millionen Euro. Gros: „Die sehr gute Ernte im Jahr 2017 mit hoher Qualität hat zu einem Umsatzplus geführt. Die Rekordernte 2018 lässt nun erneut auf einen hohen Absatz hoffen.“

Raiffeisen-Warengeschäfte

Der Umsatz der 97 Raiffeisen-Warengeschäfte (davon 48 eigenständige Unternehmen und 49 Kreditgenossenschaften mit Warengeschäft) legte um 1,4 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Die Unternehmen betreiben in ganz Bayern 249 Lagerhäuser, in denen sie rund ein Viertel der gesamten bayerischen Getreideernte erfassen. 2018 hatte das Wetter eine entscheidende Auswirkung auf die Ernte und die Geschäftsentwicklung: „In Südbayern gab es Top-Ernten und ein Umsatzplus. Die lang anhaltende Trockenheit in Nord- und Ostbayern sorgte in einigen Regionen hingegen für Umsatzeinbußen beim Handel mit Getreide, Dünger und Pflanzenschutzmitteln“, sagte Gros.

Dank der guten Baukonjunktur brummte das Geschäft mit Baustoffen und auch der Handel mit Agrar- und Stalltechnik lief gut, weil die Landwirte 2018 in ihren Maschinenpark investierten.

Trotz des Umsatzzuwachses ging das Ergebnis um 1,3 Porzent auf 11, 8 Millionen Euro zurück. Der GVB-Präsident nannte dafür mehrere Gründe: So seien durch die Trockenheit in einigen Regionen die Getreidelager nicht ausgelastet gewesen. Das habe sich bei den Erträgen bemerkbar gemacht. Im Baustoffhandel lasse der Wettbewerb durch Internetanbieter die Margen schrumpfen. Außerdem verzeichneten die Raiffeisen-Unternehmen eine zunehmende Konkurrenz der Hersteller, die zum Beispiel Dünge- oder Pflanzenschutzmittel immer öfter direkt vertreiben.

Gewerbliche Genossenschaften

Die 144 Genossenschaften aus den Bereichen IT, Gesundheitswesen und weiteren Dienstleistungen erhöhten ihren Umsatz um 5,2 Prozent auf über 1,1 Milliarden Euro. Neben der guten Binnenkonjunktur profitierten insbesondere die Unternehmen aus der IT-Branche von der zunehmenden Digitalsierung der Wirtschaft. „Die Unternehmen investieren in ihre IT und den digitalen Wandel“, so Gros. Dafür bieten die genossenschaftlichen IT-Dienstleister Software an oder beraten andere Unternehmen bei der Digitalisierung. Unter dem Strich steigerten die gewerblichen Genossenschaften in Bayern ihren Gewinn um satte 19,4 Prozent auf rund 113 Millionen Euro.

Handwerksgenossenschaften

Auch die 45 bayerischen Handwerksgenossenschaften steigerten 2018 ihren Umsatz, und zwar um 3,9 Prozent auf 793 Millionen Euro. Diese Unternehmen bündeln unter anderem den Einkauf für Handwerksbetriebe, etwa für Dachdecker oder Gebäudetechniker, oder sie sind selbst im Handwerk tätig. Dazu gehören zum Beispiel die Brauereigenossenschaften, Bäcker, Metzger, Kaminkehrer, Schlosser oder Schreiner. Vor allem die Handwerksgenossenschaften rund um das Baugewerbe profitierten vom deutschen Immobilienboom und den hohen Investitionen in diesem Bereich. Unter anderem stieg dadurch die Nachfrage nach Baumaterial. Außerdem konnten sie bessere Margen erwirtschaften, indem sie ihren Einkauf weiter bündelten. Dass sich Umsatzwachstum auszahlt, zeigt das Ergebnis der Handwerksgenossenschaften. Sie steigerten 2018 ihren Gewinn vor Steuern um 11,6 Prozent auf 30,4 Millionen Euro.

Energiegenossenschaften

Der Umsatz der 262 bayerischen Energiegenossenschaften blieb 2018 mit 404 Millionen Euro insgesamt stabil (-0,4 Prozent). Wegen der Wetterbedingungen variierte die Entwicklung abhängig von den Energieträgern und dem Geschäftsmodell der Genossenschaft (Energieerzeuger oder -versorger). So sorgten die warmen Temperaturen dafür, dass im vergangenen Jahr weniger geheizt wurde. Viele Wärmegenossenschaften hielten ihren Umsatz trotzdem stabil, weil sie neue Mitglieder gewannen (seit 2014 plus 33 Prozent). Aufgrund des trockenen, niederschlagsarmen Sommers floss nicht so viel Wasser die bayerischen Bäche und Flüsse hinunter. Das merkten die Betreiber von Wasserkraftwerken.

Das außergewöhnliche Sonnenjahr im Freistaat bescherte jedoch den genossenschaftlichen Betreibern von Photovoltaik-Anlagen ein Rekordjahr. Sie speisten 2018 schätzungsweise 170.000 Megawattstunden Sonnenstrom in die öffentlichen Netze ein. Damit könnten rechnerisch rund 55.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden. „Das entspricht etwa der Größe der Stadt Erlangen, die also theoretisch ihren Strom allein von den bayerischen Photovoltaik-Genossenschaften beziehen könnte“, so GVB-Präsident Gros. Dank des Rekordjahres bei den Photovoltaik-Genossenschaften konnten die bayerischen Energiegenossenschaften insgesamt 2018 ihr Ergebnis um 9,5 Prozent auf 23,2 Millionen Euro steigern.

Viele Genossenschaften stellten wegen der gestiegenen Umsätze neue Mitarbeiter ein. Deren Zahl stieg um rund 1.700 auf über 20.000 Beschäftigte an. Vor allem die genossenschaftlichen IT-Dienstleister hatten zahlreiche freie Stellen zu besetzen. Inzwischen herrscht jedoch in einzelnen Bereichen akuter Personalmangel. „Besonders in der Transportlogistik bei Handelsgenossenschaften oder im Raiffeisen-Warengeschäft fehlt es an Lkw-Fahrern“, berichtete Gros. Das sei auch eine Folge der Abschaffung der Wehrpflicht. Früher hätten viele Wehrpflichtige ihre Zeit bei der Bundeswehr dazu genutzt, den Lkw-Führerschein zu machen. Das falle nun weg und mache sich bei den Betrieben bemerkbar.

„Finger weg von staatlichen Eingriffen in die genossenschaftlichen Lieferbeziehungen“

Jürgen Gros

Die politischen Entscheider in Berlin und Brüssel forderte Gros angesichts der bevorstehenden Europawahl auf, die Autonomie der genossenschaftlichen Milchlieferbeziehungen nicht anzutasten. „Die Abnahmegarantie in Kombination mit der Andienungspflicht bietet den Landwirten Planungssicherheit. Selbst bei schwierigen Marktbedingungen können die Landwirte ihre Milch bei ihrer Molkereigenossenschaft absetzen“, sagte Gros. „Diese Sicherheit darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Finger weg von staatlichen Eingriffen in die genossenschaftlichen Lieferbeziehungen, sagte Gros.

Erfolgreiches Geschäftsjahr 2018: GVB-Präsident Jürgen Gros (li.) und GVB-Vorstandsmitglied Alexander Büchel präsentierten die Zahlen der genossenschaftlichen Waren- und Dienstleistungsunternehmen in Bayern.
Ein gutes Dutzend Journalisten folgte den Ausführungen von GVB-Präsident Jürgen Gros beim Jahrespressegespräch der genossenschaftlichen Waren- und Dienstleistungsunternehmen in Bayern.

Angesichts von politischen Forderungen, den ökologischen Landbau in Bayern massiv auszuweiten, warnte Gros vor überzogenen Erwartungen. Bei der Bio-Milch zeige sich, dass der Markt derzeit zusätzliche Mengen kaum aufnimmt. Aktuell kommt rund ein Viertel der gesamten Bio-Milch in Deutschland von bayerischen Molkereigenossenschaften. Weitere Landwirte würden gerne auf Bio umstellen. Doch genossenschaftliche und private Molkereien sind zurückhaltend und führen momentan Wartelisten.

Entscheidender Faktor für den Erfolg von Bio-Milch sei der Preisaufschlag von 10 bis 12 Cent pro Kilogramm gegenüber konventioneller Milch, so der GVB-Präsident. Denn die Umstellung auf Bio lohnt sich nur, wenn die Landwirte mindestens ihre Mehrkosten decken können. Dem laufen die Bestrebungen des Lebensmitteleinzelhandels zuwider, Bio zu Discount-Preisen anzubieten. „Wenn die Politik ein schnellwachsendes Angebot an Bio-Produkten fordert, dann lässt sie die Marktmechanismen außer Acht. Das ist ein gefährlicher industriepolitischer Ansatz. Denn zu viel Ware drückt schon jetzt auf den Preis“, warnte Gros. Besserung bringe nur eine stärkere Nachfrage der Verbraucher. Außerdem müssten diese bereit sein, für Bio-Produkte angemessene Preise zu bezahlen.

Neue GVB-Mitglieder im Jahr 2018

14 neue Mitglieder aus zehn unterschiedlichen Branchen hat der GVB 2018 aufgenommen. Damit setzt sich das rege Gründungsgeschehen der vergangenen Jahre fort. Auch 2019 wurden bereits vier Gründungen abgeschlossen, vier weitere stehen vor der Eintragung in das Genossenschaftsregister.

Roxy Kitzingen eG

Drei Bürger aus Kitzingen haben sich zum Ziel gesetzt, das traditionsreiche Programmkino in der unterfränkischen Stadt wiederzubeleben. Dazu gründeten sie die Roxy Kitzingen eG. Die Genossen möchten das Lichtspielhaus, das über zehn Jahre leer stand, abermals zu einem zentralen Kulturgut der Stadt machen. Nach umfangreichen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten flimmern seit Ende Februar 2019 wieder Filme in den beiden Kinosälen über die Leinwand.

StreuBräu eG

Die Genossenschaft mit Sitz in Altenfurt im Südosten von Nürnberg hat ihren Ursprung in der Hausbrauerei von Hans Reißner. Da die Nachfrage nach seinen selbst erzeugten Biersorten im Freundes- und Bekanntenkreis schnell wuchs, stellte er sein Hobby auf eine professionelle Basis. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern gründete er im April 2018 die StreuBräu eG. Zur Gründungsveranstaltung kamen rund 200 Besucher, 100 wurden sofort Mitglied. Der Name leitet sich von der Straße „Streubuck“ ab. Dort steht das Haus, in dem die ersten Brauversuche unternommen wurden. „Profil“ berichtete in Ausgabe 11/2018.

ID eG

Die Genossenschaft mit Sitz im oberfränkischen Hirschaid ist ein Zusammenschluss von freien Finanzberatern. Sie versteht sich als IT-Systemdienstleister für ihre Mitglieder und bietet ihnen eine durchgängige Plattform für die Beratung ihrer Kunden. Das Besondere an der Lösung ist, dass die persönlichen elektronischen Daten nicht beim Dienstleister, sondern gebündelt beim Kunden in dessen „digitalen Raum“ liegen.

ÖkoRegio eG

Drei Landwirte im oberfränkischen Untersiemau haben sich zur ÖkoRegio eG zusammengeschlossen. Ihr Antritt: die auf ihren Bauernhöfen erzeugte Biomilch gemeinsam zu vermarkten. Dazu betreiben sie Biomilch-Tankstellen in Frischemärkten in der Region. Mittelfristig möchte die Genossenschaft im Sinne von Regionalität und nachhaltiger Landwirtschaft mit weiteren Supermärkten aus der Umgebung kooperieren und noch mehr Biolandwirte aus der Region mit ins Boot nehmen.

Genossenschaftsbräu Regensburg eG

In Holztraubach, einem Ort mit 160 Einwohnern zwischen Regensburg und Landshut, wird am Gerstensaft der Genossenschaftsbräu Regensburg eG experimentiert. Was zunächst als Freizeitspaß der neun Initiatoren begann, wurde zu einem ambitionierten Projekt: ein eigenes Bier herzustellen und zu vermarkten. Langfristig möchten die Mitglieder neben einer eigenen Brauerei eine Gaststätte in Regensburg betreiben und dort ihr Bier ausschenken. „Profil“ berichtete in Ausgabe 11/2018.

F/L Think Tank eG

Ihre Geschäftsausrichtung macht die neue Genossenschaft bereits im Firmennamen deutlich. Das Kürzel F/L stehen für „future of living“, also die Zukunft des Lebens. Denn neue Technologien verändern alle Bereiche des täglichen Daseins. Die F/L Think Tank eG hat sich zum Ziel gesetzt, die Komplexität, Vernetzung und Folgen dieser Technologien zu analysieren. Dazu organisiert die Münchner Genossenschaft Workshops und entwirft Zukunftsszenarien. Sie arbeitet dabei eng mit Universitäten oder Forschungsinstituten zusammen. „Profil“ berichtete in den Ausgaben 07/2018 und 02/2019.

Genossenschaft zur Stärkung der gesundheitlichen Versorgung im Lkr. Dachau eG

Die medizinische Versorgung im Landkreis Dachau durch ein starkes regionales Netzwerk verbessern – das ist das Ziel der Genossenschaft. 35 Ärzte, Apotheker, Hebammen und Vertreter von Kliniken sowie Pflegeeinrichtungen haben sich zusammengeschlossen, um eine staatlich geförderte „Gesundheitsregion Plus“ zu etablieren. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf drei Handlungsfelder: regionale Gesundheitsförderung und -versorgung sowie Prävention. „Profil“ berichtete in Ausgabe 02/2019.

GeQo eG – Genossenschaft für Quartiersorganisation

Aus dem Quartier – für das Quartier: Die GeQo eG möchte im Neubaugebiet Prinz-Eugen-Park im Münchner Stadtteil Bogenhausen eine Informations- und Anlaufstelle für alle Bewohner des Quartiers schaffen. Dazu entsteht eine Quartierszentrale mit Gemeinschaftsräumen, Gästeappartements und Nachbarschaftscafé. Die Genossenschaft wird darüber hinaus Fahrräder an die Bewohner verleihen, haushaltsnahe Dienstleistungen vermitteln, einen Paket-Shop mit Lieferservice anbieten oder Vernetzungstreffen organisieren. „Profil“ berichtete in Ausgabe 02/2019.

NAWARO Luttenwang eG, Bioenergie Luttenwang eG, Biogas Luttenwang eG

Gleich drei Energiegenossenschaften auf einen Schlag haben sich 2018 in dem kleinen Ortsteil der oberbayerischen Gemeinde Adelshofen gegründet: die Biogas Luttenwang eG, die NAWARO Luttenwang eG und die Bioenergie Luttenwang eG. Im Mittelpunkt steht eine Biogasanlage, die mittlerweile Strom für rund 1.250 Haushalte produziert. Die Betreiber führten die Anlage zunächst in der Rechtsform GbR. Unter anderem aufgrund der getätigten Investitionen firmierten sie ihr Unternehmen in eine Kleinstgenossenschaft um. Die Abwärme, die die Biogasanlage produziert, wird in ein Nahwärmenetz eingespeist. Um die Landwirte, die Grüngut und Mais für die Biogasanlage zuliefern, ebenfalls mit einzubeziehen, gründeten die Anlagenbetreiber die NAWARO Luttenwang eG.

Remonte Bräu Schleißheim eG

Im April 2018 haben 23 Bürger die Brauereigenossenschaft Remonte-Bräu Schleißheim gegründet. Die Genossen der oberbayerischen Gemeinde knüpfen damit an eine jahrhundertealte Brautradition an. Denn in Oberschleißheim wurde über 300 Jahre – von 1598 bis 1912 – ein eigener Gerstensaft hergestellt. Da die Genossenschaft noch keine eigene Braustätte besitzt, lässt sie das Bier nach eigenem Rezept bei der genossenschaftlichen Privat-Brauerei Gut Forsting östlich von München produzieren. „Profil“ berichtete in den Ausgaben 06/2018 und 02/2019.

Versorgungsnetz Steingaden Fohlenhof eG

32 engagierte Bürger haben die Genossenschaft im Landkreis Weilheim-Schongau gegründet, um gemeinsam ein Nahwärmenetz in der Ortsmitte von Steingaden zu errichten. Die Wärme stammt von einer gemeindeeigenen Hackschnitzelheizung im Ortsteil Fohlenhof. Die Anlage versorgt bereits etliche Gebäude der Gemeinde. Sie spart jedes Jahr 100.000 Liter Heizöl.

Training-Beratung-Servicegemeinschaft TBSG eG

Die Training-Beratung-Servicegemeinschaft ist ein Netzwerk von regional tätigen Anbietern von Trainings- und Dienstleistungsprodukten in Deutschaland, Österreich und der Schweiz. Sie alle bieten unter dem Markennamen „BEITRAINING“ maßgeschneiderte Erwachsenenbildung für Unternehmen an. Die Bezeichnung steht für „Business Education International“. Die Genossenschaft gibt ihren Mitgliedern unter anderem die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zum günstigen Einkauf von IT- und Marketing-Dienstleistungen für deren Marktauftritt. Trotz der Verlegung des Unternehmenssitzes nach Bremen hat sich die TBSG für eine Betreuung durch den GVB entschieden.

Gros sprach gegenüber den Journalisten auch die Zukunft der Energieversorgung im Freistaat an. Dazu hat das bayerische Wirtschaftsministerium einen „Energiedialog“ gestartet, an dem sich der GVB als Vertreter der 262 bayerischen Energiegenossenschaften beteiligt. Diese leisten mit Strom aus Sonne, Wind und Wasser, als Netzbetreiber oder Wärmeversorger einen wichtigen Beitrag zur dezentralen Energieversorgung in Bayern. Im Rahmen des Dialogs setzt sich der Verband dafür ein, bürokratische Hemmnisse für Energiegenossenschaften abzubauen. Aktuell läuft dazu eine Mitgliederbefragung, deren Ergebnisse in den Energiedialog eingespeist werden sollen.

Dazu gehört beispielsweise, dass Mitglieder von Energiegenossenschaften beim Eigenverbrauch des mit einer Gemeinschaftsanlage produzierten Stroms bislang die volle EEG-Umlage abführen müssen, machte Gros deutlich. Von Privatpersonen und anderen Unternehmen wird bei der Eigenversorgung hingegen nur eine reduzierte Umlage verlangt. Gros: „An dieser Stelle werden Genossenschaften benachteiligt. Diese Unwucht bei der EEG-Umlage gehört abgeschafft. Sie vermindert die Attraktivität von Energieprojekten für Genossenschaften und verhindert damit Investitionen in dezentrale und umweltfreundliche Anlagen zur Stromerzeugung.“

Genossenschaft als Lösung für die Unternehmensnachfolge

In Bayern stehen in den nächsten Jahren fast 30.000 Betriebe vor einem Generationswechsel. „Die Lösung des Nachfolgeproblems ist eine wichtige Zukunftsfrage für die bayerische Wirtschaft“, sagt GVB-Präsident Jürgen Gros. Der GVB hat deshalb ein Konzept entwickelt, wie Unternehmen in Genossenschaften fortgeführt werden können. Drei Wege sind möglich:

  • Formwechsel: Der bestehende Betrieb wird in eine eG umgewandelt. Die neue Genossenschaft kann dann weitere Mitglieder aufnehmen, zum Beispiel Mitarbeiter, Kommunen oder Lieferanten.
  • eG als Holding: Mitarbeiter gründen eine eigene Genossenschaft, die sich am bestehenden Unternehmen beteiligt. Alt-Gesellschafter können als Teil-Inhaber bleiben, aber die Mitarbeiter sind am Unternehmen beteiligt.
  • Geschäftsübernahme: Eine Mitarbeiter-Genossenschaft übernimmt das operative Geschäft und die Vermögenswerte des Unternehmens. Die Alt-Gesellschaft wird aufgelöst.

„Ob und welches genossenschaftliche Modell geeignet ist, hängt letztlich von der spezifischen Situation eines Unternehmens ab“, sagt Gros. Erste Projekte  hätten aber gezeigt, dass das Konzept funktionieren kann. So hat der GVB in den vergangenen Jahren sieben Genossenschaftsgründungen als Unternehmensnachfolge erfolgreich begleitet. Weitere Informationen zur Unternehmensform Genossenschaft und zu ihrer Gründung gibt es auf der GVB-Webseite. Bei Fragen geben die GVB-Gründungsexperten gerne Auskunft.

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