Kapitalmärkte 2026: Tobias Schmidt von Union Investment wagt einen Ausblick auf das kommende Jahr.
In den ersten Wochen des Iran-Kriegs ab Ende Februar 2026 bestand die aus damaliger Sicht durchaus berechtigte Hoffnung, dass US-Präsident Donald Trump auf ein schnelles Ende der Kampfhandlungen drängen würde. Angesichts der erratischen und oft widersprüchlichen Kommunikation aus dem Weißen Haus drängt sich der Verdacht auf, dass man mit einem schnellen Erfolg à la Venezuela gerechnet hatte. Dieser hat sich aber nicht eingestellt, im Gegenteil: Das Regime im Iran sitzt weiterhin fest im Sattel und weiß sich zu wehren. Der Ölpreis handelt, je nach aktueller Nachrichtenlage, zwischen 98 und120 Dollar pro Barrel. Auch die Gaspreise sind signifikant gestiegen.
Sonja Marten ist seit 1. Januar 2026 Chefvolkswirtin der DZ BANK. Foto: DZ BANK
Der Druck auf Trump wächst. Anfang der letzten Märzwoche überraschte der US-Präsident dann mit der Meldung, man stünde in „konstruktiven“ Verhandlungen mit dem Iran. Gar von einem 15-Punkte Plan war auf seinem Kanal Truth Social zu lesen. Der Iran dementiert. Man wird sehen, was daraus wird. Doch auch ein baldiges Ende der Kampfhandlungen wäre nicht gleichzustellen mit einer schnellen Rückkehr zur Normalität.
Beeindruckende wirtschaftliche Machtdemonstration
Das iranische Regime musste in den vergangenen Wochen empfindliche Rückschläge einstecken: Die oberste Führungsschicht wurde gleich zu Kriegsbeginn eliminiert, das Militär ist dramatisch geschwächt und das Raketen- und Drohnenprogramm deutlich dezimiert. Das Regime dürfte sich dennoch als Sieger sehen: schließlich haben sie der militärischen Übermacht der USA und Israels erfolgreich standgehalten und mit der de facto Sperrung der Straße von Hormus eine beeindruckende wirtschaftliche Machtdemonstration geliefert. Dieses Druckmittel werden sie nicht mehr aufgeben, eine vollumfängliche Öffnung der Passage ist also nur noch schwer vorstellbar. Allein die andauernde Bedrohungslage dürfte dies verhindern.
„Es kann Monate dauern, die Öl- und Gasproduktion wieder komplett hochzufahren. All dies wird in länger anhaltend hohen Energiepreisen münden.“
Erschwerend kommt hinzu, dass in der vorletzten Märzwoche zunehmend Öl- und Gasproduktionen angegriffen wurden. Nicht nur dürften also die Lieferrouten durch den Persischen Golf eingeschränkt bleiben, auch die Produktion wird sich nicht schnell von den entstandenen Schäden erholen können. Dies triff im Übrigen auch auf Ölfelder zu, die zwar nicht beschädigt wurden, deren Produktion jedoch aufgrund fehlender Lagerkapazitäten gedrosselt oder gar eingestellt wurde. Es kann Monate dauern, diese Produktionen wieder komplett hochzufahren. All dies wird in länger anhaltend hohen Energiepreisen münden.
Inflationsgefahren durch gestörte Lieferketten
Doch nicht nur aus dem Energiesektor drohen Inflationsgefahren. Wie problematisch gestörte Lieferketten sein können, haben wir während der Corona-Pandemie schmerzlich erfahren. Ähnliche Dynamiken drohen nun erneut: Nebenprodukte der Öl- und Gasförderung wie Helium und Düngemittel werden knapper und teurer, Transportkosten steigen, Lieferketten werden neu organisiert. Höhere Inflation und schwächeres Wachstum sind die unvermeidliche Folge – wie ausgeprägt diese Effekte ausfallen, hängt von der Dauer des Konflikts ab. Verhindern lassen sie sich nicht mehr. Das macht auch die jüngste Entwicklung des ifo-Index deutlich. Deutschlands wichtigstes Wirtschaftsbarometer rauschte im März 2026 deutlich nach unten.