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Die Skilifte Thaler Höhe laufen für Kinder der örtlichen Grundschule auch mal unter der Woche. Meist haben die beiden Schlepplifte und der Übungslift bei Wiederhofen auf dem Gebiet der Oberallgäuer Gemeinde Missen-Wilhams im Winter nur an den Wochenenden und in den Ferien geöffnet. Für Schulen oder Vereine aus der Region machen die Liftbetreiber gerne eine Ausnahme. Der Tourismus mag ein Standbein der Thaler Höhe sein. „Unsere Skilifte sollen aber vor allem den Menschen hier in der Region eine Freude machen“, erzählt Jochen Ansel. Er gehört dem Vorstand der Thaler Höhe an, die 2019 als Genossenschaft die Skilifte übernommen hat („Profil" berichtete über den Bürgerlift in der Ausgabe 02/2019). „In solch einem Fall haben wir an einem Tag bis zu 300 Personen hier bei uns“, freut sich Ansel. „Das erhöht die Akzeptanz vor Ort. Die Menschen aus der Region verlassen sich darauf, bei uns Skifahren zu können.“

Gemeinsam mit Bernhard Sontheim bildet Jochen Ansel den Vorstand. Die Vorsitzende des Aufsichtsrats ist die Erste Bürgermeisterin von Missen-Wilhams, Martina Wilhelm. „Das zeigt den Zusammenhalt von Gemeinde, Aufsichtsrat und der Genossenschaft“, sagt der Vorstand. „Dank dieser engen Zusammenarbeit sind Abstimmungen unkompliziert, die Wege kurz und schnell. Das ist der große Vorteil, wenn die Gemeinde und die Genossenschaft eng verzahnt sind.“ 

Gründungsberatung Genossenschaftsverband Bayern

„Wer eine Genossenschaft gründen will, braucht in jedem Fall eine Satzung und einen belastbaren Business-Plan“, sagt Max Riedl, Gründungsberater beim Genossenschaftsverband Bayern. Der GVB bietet bei einer geplanten Gründung vielfältige Unterstützungsleistungen an, zum Beispiel eine Mustersatzung. Der Verband unterstützt bei weiteren Fragen, die bis zur Gründung geklärt sein sollten. Wie sieht das Geschäftsmodell konkret aus? Wie muss sich die Genossenschaft personell und finanziell aufstellen, um den in der Satzung genannten Unternehmenszweck zu erfüllen? Wie finanziert sich die Genossenschaft? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Wie stellen sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Genossenschaft langfristig dar? Im Idealfall gibt es auch schon einen konkreten Zeit- und Vorhabenplan für das Projekt. 

Potenzielle Gründer können sich auf der Webseite des GVB umfangreich über die Rechtsform sowie die notwendigen Schritte bis zur Gründung informieren. Für junge Genossenschaften hat der GVB außerdem ein Handbuch mit Informationen, Checklisten und hilfreichen Links erstellt. 

Für weitere Informationen steht das GVB-Gründungsteam gerne zur Verfügung. 

Genaue Zahlen, inwiefern sich der Betrieb der Skilifte Thaler Höhe auf den Tourismus in Missen-Wilhams auswirkt, gebe es nicht. „Bei uns ist es so: Es sind hauptsächlich die Landwirte, die Ferienwohnungen an Gäste vermieten. Die profitieren davon, dass Familien bei uns zum Skifahren gehen können. Wir können also von einer Win-win-Situation sprechen“, sagt Ansel. Die Landwirte wiederum sind Mitglied in der Genossenschaft. Sie zeichnen nicht nur Anteile, sie unterstützen das Projekt durch ihre Mitarbeit. „Stehen bauliche Maßnahmen an, rekrutiert sich das helfende Team aus unseren Mitgliedern.“

„Wir waren uns schnell einig, dass die Bürgermeisterin auch Vorsitzende des Aufsichtsrats werden soll. Die Schnittstelle zwischen Kommune und Genossenschaft haben wir mit der Bürgermeisterin sehr gut besetzt.“

Jochen Ansel, Vorstand der Genossenschaft Thaler Höhe

„Die Gemeinde allein zeichnet 25 Anteile“, sagt der Vorstand der Thaler Höhe. So habe es sich auch ergeben, dass Martina Wilhelm, als sie das Amt der Bürgermeisterin übernahm, nicht nur in den Aufsichtsrat der Genossenschaft „reingerutscht“ sei. „Wir waren uns schnell einig, dass die Bürgermeisterin wie ihr Vorgänger Hans-Ulrich von Laer auch Vorsitzende des Aufsichtsrats werden soll. Die Schnittstelle zwischen Kommune und Genossenschaft haben wir mit der Bürgermeisterin sehr gut besetzt.“

Den Oberallgäuern ist es mit der Gründung der Genossenschaft gelungen, die zwei Schlepplifte und den Übungslift vor Ort zu erhalten. Um Expansionspläne oder die Umsetzung weiterer Projekte – außerhalb der Wintermonate – geht es ihnen nicht. „Im Sommer gehören die Wiesen der Alpwirtschaft, daher haben wir über die Wintermonate hinaus keine weiteren Pläne“, sagt Ansel. Der Vorstand der Genossenschaft kommt eher auf die Vorteile zu sprechen, die sich aus der bestehenden Kooperation der Genossenschaft mit der Kommune ergeben: „Zum Beispiel gibt es den Parkplatz der Gemeinde, den wir nutzen dürfen, dafür kümmern wir uns um die Instandhaltung und Pflege“, berichtet er. „Wer sich einen Skipass kauft, kann die gezahlte Parkplatzgebühr verrechnen lassen“, erklärt Ansel und fügt hinzu: „Wieder zeigt sich: Diese Art der Kooperation ist eine Win-win-Situation.“

Soziales Netz für bürgerschaftliches Engagement

In Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Landkreis München ist die Mehrgenerationen-Genossenschaft Hand-in-Hand aktiv, die in ihrer Region ein soziales Netz für bürgerschaftliches Engagement etabliert hat. „Unsere Mitglieder können sich dank der Rechtsform Genossenschaft unkompliziert gegenseitig helfen“, fasst Aufsichtsratsvorsitzende Mindy Konwitschny zusammen. Ob es sich um Hilfe bei der Gartenarbeit handelt oder ein Helfender für jemand Älteren das Schneeräumen vor dessen Haustür übernimmt – dank der Genossenschaft sind sozial engagierte Akteure vernetzt.  „Die gegenseitige Hilfe unter Nachbarn ist rechtlich und versicherungstechnisch abgesichert. Wir vermitteln Helfende an Hilfesuchende, die für ihre Unterstützung einen Obolus erhalten“, erklärt Konwitschny. 

Konwitschny sitzt als Privatperson dem Aufsichtsrat der Sozialgenossenschaft vor, wie sie im Gespräch betont. Bei der Gründung vor ein paar Jahren war sie Zweite Bürgermeisterin, mittlerweile ist sie Erste Bürgermeisterin von Höhenkirchen-Siegertsbrunn. „Von dieser Doppelfunktion profitiert die Genossenschaft“, berichtet die SPD-Politikerin. „Als Bürgermeisterin bin ich immer auf dem Laufenden, wo gerade der Schuh drückt. Ich kann einschätzen, wofür aktuell Hilfe gebraucht wird und wo am Ort etwas fehlt. Da ich die Gemeinde und die Region gut kenne, habe ich Zugang zu vielen relevanten Informationen und kann somit abschätzen, welche Lösungen sich anbieten.“

Das Besondere bei der Sozialgenossenschaft Hand-in-Hand ist überdies, dass Vertreterinnen und Vertreter von Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas, dem AWO Kreisverband München-Land und der BRK Kreisverband München entscheidende Posten übernommen haben. Gabriele Stark-Angermeier und Michael Germayer bilden den Vorstand. Im Aufsichtsrat sitzen neben Konwitschny Monika Jahn und Spiri Schnabel. „Mit der Gründung unserer Genossenschaft sind wir nie in Konkurrenz zu bereits bestehenden Angeboten getreten. Wir wollen Bindeglied sein“, betont die Aufsichtsratsvorsitzende. „Die Angebote sind da. Mit unserer Genossenschaft machen wir lediglich bereits bestehende Unterstützungsangebote bekannter. Da die Fäden in der Genossenschaft ein Stück weit zusammenfließen, arbeiten wir gemeinsam daran, Lücken zu schließen und erreichen mit vereinten Kräften mehr.“

Bei einer Genossenschaft profitieren Bürgerinnen und Bürger sowohl als „Nutzerinnen und Nutzer der angebotenen Leistungen als auch als Mitglieder oder Kapitalbeteiligte“, stellt Thorsten Wiesel, Direktor des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität Münster, hervor. „Neben dem Zugang zu Infrastrukturleistungen bestehen Informations-, Mitwirkungs- und Kontrollrechte. Dies erhöht Transparenz, Akzeptanz und langfristige Bindung“, sagt Wiesel und verweist darauf, dass bundesweit im genossenschaftlichen Sektor über 20 Millionen Mitgliedschaften bestehen. „Diese Zahl übersteigt die Anzahl der individuellen Mitglieder deutlich, da Mehrfachmitgliedschaften verbreitet sind. Unsere repräsentative Bevölkerungsbefragung „Was weiß Deutschland über Genossenschaften?“ zeigt, dass rund ein Fünftel der Bevölkerung Mitglied in mindestens einer Genossenschaft ist und sich Mitgliedschaften typischerweise auf mehrere Bereiche – insbesondere Banken, Wohnen sowie zunehmend Energie und soziale Angebote – verteilen. Dies spricht für eine hohe praktische Akzeptanz genossenschaftlicher Organisationsformen im Alltag.“

Stabile Netzwerke in der Kommune

Tragen Genossenschaften somit zum sozialen Zusammenhalt von Bürgerinnen und Bürgern in ihrer Kommune bei? „Genossenschaften fördern Kooperation und Selbstorganisation auf lokaler Ebene“, sagt Wiesel weiter. „Durch die gemeinsame Trägerschaft wirtschaftlicher Aktivitäten entstehen stabile Netzwerke zwischen Mitgliedern, Unternehmen und kommunalen Akteuren, die insbesondere in strukturschwächeren oder ländlichen Regionen zur Sicherung von Infrastruktur und Beschäftigung beitragen können.“ Als Beispiel führt der Professor aus Münster das Programm „Zukunftsbauer“ der Molkerei Berchtesgadener Land („Profil“ berichtete in der Ausgabe 02/2026) an: „Die genossenschaftlich organisierte Molkerei unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe bei Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien und bündelt hierfür Fördermittel in Millionenhöhe. Solche gemeinschaftlich organisierten Investitionen stärken die wirtschaftliche Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe und tragen damit zur Stabilisierung regionaler Strukturen bei.“

Das erlebt auch Bürgermeisterin und Hand-in-Hand-Aufsichtsratsvorsitzende Konwitschny: „Bei unseren Sitzungen fällt auf: Da jedes Mitglied gleich viel Stimmrecht hat, herrscht das Gefühl vor, dass jeder und jede gleichermaßen berechtigt ist, mitzureden, mitzubestimmen und sich einzubringen“, berichtet sie. Es kämen stets gute Anregungen von allen Beteiligten. Denn: „Jedes Mitglied fühlt sich gleich wichtig.“ Davon profitiere die Genossenschaft – und auch die Kommune, in der die Genossenschaft wirkt. 

Eine Sozialgenossenschaft wie Hand-in-Hand ermöglicht nicht nur eine moderne Form der Nachbarschaftshilfe. Sie fördert Demokratie: „Beteiligung und Verantwortungsübernahme werden institutionell verankert und demokratische Entscheidungsprozesse praktisch eingeübt“, fasst Wiesel vom Institut für Genossenschaftswesen zusammen. Genossenschaften würden mehrheitlich mit demokratischer Führung und Mitgliederförderung assoziiert, so auch ein Ergebnis der Studie „Was weiß Deutschland über Genossenschaften“.

Medizinische Versorgung sicherstellen

Knapp 5000 Einwohnerinnen und Einwohner wohnen in Mömlingen, einer Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg. „Als Bürgermeister bin ich mit dafür verantwortlich, die Versorgung des täglichen Bedarfs sicherzustellen“, sagt Erster Bürgermeister Siegfried Scholtka. Dazu gehört auch eine gute medizinische Versorgung. 

Bis vor Kurzem gab es in Mömlingen vier Ärzte, die in drei Arztpraxen tätig waren. Die größte Praxis schloss indes im Dezember 2023. So wurde die Gemeinde aktiv, gründete die Genossenschaft Gesundheitsnetz Mümlingtal und kaufte Räumlichkeiten, um diese einem Medizinischen Versorgungszentrum zur Verfügung zu stellen. „Für unser MVZ benötigen wir zwei Ärzte. Derzeit gibt es für die zweite, noch unbesetzte Stelle eine aussichtsreiche Kandidatin. Es geht also voran“, berichtet Scholtka, der auch Vorstand der Genossenschaft Gesundheitsnetz Mümlingtal ist. „Als Bürgermeister bekomme ich seit einigen Jahren am sogenannten Gesundheitsstammtisch mit, wo die Schwierigkeiten für Ärzte liegen, eine Praxis zu betreiben.“ Es geht um Zeit für die Verwaltung und natürlich um Geld. „Dank eines Förderprojekts konnten wir als Gemeinde nun 1,2 Millionen Euro in das MVZ-Projekt investieren“, fährt der Bürgermeister fort. 

Ein genossenschaftlich betriebenes MVZ kann Ärztinnen und Ärzte von den vielen anfallenden administrativen Aufgaben entlasten. „Ich bin seit 18 Jahren Bürgermeister. Wie bei so vielen Projekten kämpfen wir auch hier mit der Bürokratie. Ein Aufgeben gibt’s aber nicht, wir suchen auch in diesem Fall nach Lösungen“, sagt Scholtka und zeigt großes Verständnis dafür, dass ein solcher Kampf und derartige Aufgaben nicht unbedingt zum Berufsalltag eines Mediziners gehören sollten. Als Kommune sei man dagegen schon seit Längerem gewohnt, immer mehr Aufgaben zu schultern. Dabei gebe es immer wieder Hindernisse, die es erst zu überwinden gelte, um ein Projekt erfolgreich zu realisieren. 

Komplett ehrenamtlich engagiert sich Scholtka seit ein paar Jahren in einer weiteren Genossenschaft, der Bürgerenergie Mömlingen. „Bei dieser Genossenschaft ist alles ehrenamtlich organisiert“, betont er. „Mir war das Mitwirken bei der Bürgerenergie wichtig, um ein zusätzliches Netzwerk in der Bürgerschaft zu haben und damit ehrenamtliches Engagement zu fördern. Die Genossenschaft hat 225 Mitglieder, bei den Sitzungen ergibt sich so eine gute Kontaktmöglichkeit zur Bevölkerung. Ganz abgesehen davon, dass wir hier vor Ort die Energiewende gemeinsam voranbringen wollen.“

Gemeinsam etwas in der Region bewirken

Liegt die Energiewende in Bürgerhand, herrscht der Gedanke vor, gemeinsam etwas regional zu bewirken. Ähnliche Potenziale bestehen in der sozialen und digitalen Infrastruktur, etwa bei der Quartiersentwicklung, gemeinschaftlichen Betreuungs- und Pflegeangeboten sowie Bildungs- und Kulturprojekten. Wiesel vom Institut für Genossenschaftswesen zählt so auch Dorfläden und Mehrfunktionshäuser auf, die häufig mit kommunaler Anschubfinanzierung entstehen oder davon profitierten, dass Kommunen bei der Bereitstellung von Immobilien helfen. In Malgersdorf im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn gab es zum Beispiel für die örtliche Bäckerei keinen Nachfolger. Die Gemeinde suchte nach einer Lösung.

Franz Josef Weber, Erster Bürgermeister, wusste um die Bedeutung des Dorfladens für Malgersdorf. Um die Lebensqualität, gerade auch für ältere Leute, zu sichern, musste schnell eine Lösung her: Die Gemeinde kaufte das Gebäude, in dem die Bäckerei war, und verpachtete dieses an eine Genossenschaft, die es schnell zu gründen galt. Der Bürgermeister wurde Vorstand, später übergab er das Amt und wechselte in den Aufsichtsrat. Den Erfolg sichert auch die Gemeinschaft: „Jeder im Dorf sollte sich beteiligen können“, sagte Weber im Gespräch mit „Profil" für die Ausgabe 10/2024. „Wir boten sogar die Möglichkeit an, den Anteil in Raten zu zahlen.“ Malgersdorf hielt und hält zusammen. Backwaren, Kaffee und belegte Semmeln gibt es nach wie vor beim „da Beck“ in der Ortsmitte. 

„Besonders verbreitet und wirksam ist die Zusammenarbeit von Genossenschaften und Kommunen in Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge.“

Professor Thorsten Wiesel vom Institut für Genossenschaftswesen der Universität Münster

In anderen Fällen werden Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv und richten in Eigenregie ihr lokales Dorfheim wieder her – wie im oberbayerischen Pischelsdorf, wo die Dorfgemeinschaft mit der Renovierung der ehemaligen Wirtschaft  „Fanni“ wieder einen Raum für Begegnungen, Treffen, Feiern und Versammlungen geschaffen hat.

Staatspreis für die Rettung des Wirtshauses „Fanni“

Ende 2025 wurden die Pischelsdorfer aus dem Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm von der für die ländliche Entwicklung zuständigen bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber dafür ausgezeichnet, dass sie nach 40 Jahren Leerstand das ehemalige Wirtshaus „Fanni“ hergerichtet und wiederbelebt haben („Profil“ berichtete in den Ausgaben 01/2025 und 12/2023 darüber). Fünf private und sechs öffentliche Bauherrinnen und Bauherren aus dem Freistaat wurden mit dem Staatspreis für „Dorferneuerung und Baukultur" ausgezeichnet.  

„Besonders verbreitet und wirksam ist die Zusammenarbeit von Genossenschaften und Kommunen in Bereichen der kommunalen Daseinsvorsorge“, fasst Wiesel zusammen. Typisch sei eine arbeitsteilige Struktur: „Genossenschaften übernehmen unternehmerische Aufgaben, während Kommunen planerische, infrastrukturelle oder koordinierende Funktionen einbringen.“

Der Direktor des Instituts für Genossenschaftswesen ist der Meinung, dass Genossenschaften zunehmend „regional verankerte Lösungen bereitstellen“ können. „Vor dem Hintergrund von Energie- und Wärmewende, demografischem Wandel, regionaler Wertschöpfung und dem Wunsch nach stärkerer Bürgerbeteiligung ist von einer zunehmenden Bedeutung genossenschaftlicher Modelle auszugehen“, sagt Wiesel und ergänzt, dass neben den traditionellen Schwerpunkten Banken und Wohnen sowie dem Energiebereich auch der soziale Bereich sichtbar an Bedeutung gewinnen werde. 

Zurück zum geplanten Versorgungszentrum in Mömlingen: Die Genossenschaft könnte eine weiterhin gute medizinische Versorgung in der Gemeinde gewährleisten. „Wir stellen einen Geschäftsführer ebenso wie das medizinische Personal an. Unser MVZ ist ein wirtschaftlicher Betrieb“, sagt Bürgermeister Scholtka. „Mit dem Vorteil: Administrative und bürokratische Tätigkeiten werden den Ärztinnen und Ärzten abgenommen. Zudem werden wir von Synergieeffekten profitieren“. 

Überdies tritt kein externer Investor in Erscheinung, vielmehr übernimmt eine gemeinwohlorientierte Genossenschaft das MVZ. Diese schafft nicht nur attraktive Rahmenbedingungen für ärztliche Tätigkeiten in einer ländlichen Region, sondern fördert den Sinn für Gemeinschaft. Zusammen können Bürgerinnen und Bürger in ihrer eigenen Gemeinde etwas bewirken und verändern.

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