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Herr Schwaiger, als Vorstand einer Genossenschaftsbank haben Sie einen direkten Einblick in viele Branchen. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen derzeit besonders häufig in Gesprächen mit Firmenkunden? Gibt es Branchen, die derzeit besonders unter Druck stehen? 

Reinhard Schwaiger: Unsere Firmenkunden bewegen sich derzeit in einem anspruchsvollen Umfeld. Viele Unternehmen müssen sich an Märkte anpassen, die sich immer schneller verändern. Gleichzeitig erschweren wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten langfristige Planungen und Investitionsentscheidungen. 

In unseren Gesprächen werden vor allem die große Bürokratie, langwierige Genehmigungs- und Entscheidungsprozesse sowie steigende Energiepreise und hohe Lohnnebenkosten als Belastung genannt. Hinzu kommen volatile Zinsen, der demografische Wandel und die digitale Transformation. Künstliche Intelligenz verändert Prozesse und Geschäftsmodelle in rasantem Tempo und eröffnet zugleich neue Chancen. 

Besonders spürbar sind die Auswirkungen in der Automobilindustrie. Davon betroffen sind nicht nur die Hersteller selbst, sondern vor allem viele Zulieferbetriebe und Partnerunternehmen in unserer Region, die eng mit Konzernen wie BMW oder Audi verbunden sind. Auch das Baugewerbe leidet weiterhin unter hohen Materialkosten. Projektentwickler und Bauträger stehen zusätzlich vor der Herausforderung, fertiggestellte Wohnimmobilien aufgrund der eingeschränkten Finanzierbarkeit nur schwer verkaufen zu können. 

Wo erleben Sie trotz aller Herausforderungen positive Entwicklungen? 

Schwaiger: Trotz aller Herausforderungen sehen wir in vielen Bereichen Anlass zur Zuversicht. Zahlreiche Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Sie erkennen darin großes Potenzial, Prozesse effizienter zu gestalten und Kosten zu senken. 

Positive Entwicklungen beobachten wir außerdem bei den erneuerbaren Energien und dem Ausbau der Energieinfrastruktur. Auch das Wissenschaftszentrum Weihenstephan mit der Technischen Universität München setzt wichtige Impulse in den Bereichen Forschung, Biotechnologie und nachhaltiger Entwicklung. 

Darüber hinaus erleben wir in einigen Branchen, etwa in der Lebensmittelindustrie oder im Versorgungssektor, weiterhin eine stabile Entwicklung. Auch der Wohnimmobilienmarkt zeigt sich im Vermietungsbereich robust. Gute Lagen erzielen nach wie vor eine hohe Nachfrage. 

„Es wird weiterhin investiert, allerdings sehr gezielt. Im Fokus stehen Investitionen zur Sicherung und Weiterentwicklung des bestehenden Geschäfts.“

Wie investieren die Unternehmen derzeit? Überwiegt Vorsicht oder erleben Sie weiterhin eine hohe Investitionsbereitschaft? 

Schwaiger: Insgesamt überwiegt derzeit die Vorsicht. Die aktuelle Mittelstandsstudie der DZ Bank zeigt, dass die Investitionsbereitschaft auf den niedrigsten Stand seit mehr als 30 Jahren gesunken ist. Hohe Energiepreise, zunehmende Bürokratie, fehlende Planungssicherheit, geopolitische Risiken und eine verhaltene Nachfrage bremsen viele Investitionsentscheidungen. 

Dennoch wird weiterhin investiert, allerdings sehr gezielt. Im Fokus stehen Investitionen zur Sicherung und Weiterentwicklung des bestehenden Geschäfts. Auch Maßnahmen zur Energieeinsparung, Photovoltaikanlagen und staatlich geförderte Projekte werden umgesetzt. 

Im Immobilienbereich besteht ebenfalls Investitionsbereitschaft. Das aktuelle Zinsniveau und die hohen Baukosten erfordern jedoch deutlich mehr Eigenkapital. Dieses steht vielen Investoren derzeit nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung. 

Wie unterstützt die Freisinger Bank Unternehmen in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten? 

Schwaiger: Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich der Wert langfristiger Partnerschaften. Durch unsere oft über viele Jahre gewachsenen Kundenbeziehungen kennen wir die Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle und ihre Entwicklung sehr genau. Dieses Vertrauen ermöglicht individuelle Lösungen. 

Im Rahmen einer verantwortungsvollen Kreditvergabe stehen wir unseren Firmenkunden weiterhin als verlässlicher Partner zur Seite – sei es mit Liquidität, Finanzierungslösungen oder einer umfassenden Beratung, beispielsweise auch bei Versicherungs- und Vorsorgethemen. Unser Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, auch schwierige Phasen erfolgreich zu meistern. 

Hat sich Ihre Beratung in den vergangenen Jahren verändert? 

Schwaiger: Die Grundhaltung unserer Beratung ist unverändert geblieben: Wir begleiten unsere Firmenkunden partnerschaftlich und auf Augenhöhe. Die Themen, über die wir sprechen, sind jedoch deutlich vielfältiger geworden. Heute betrachten wir Unternehmen noch ganzheitlicher. Neben klassischen Finanzierungsfragen stehen die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz stärker im Fokus. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir Lösungen, die langfristig Bestand haben. 

„Vertrauen, persönliche Nähe und kurze Entscheidungswege ermöglichen es uns, unsere Firmenkunden flexibel und passgenau zu begleiten.“

Was macht eine regionale Genossenschaftsbank in solchen Phasen möglicherweise anders? Welche Bedeutung hat die enge Verankerung vor Ort gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten? 

Schwaiger: Unsere regionale Verankerung ist ein großer Vorteil. Wir kennen die wirtschaftlichen Strukturen, die Menschen und die Unternehmen in unserem Geschäftsgebiet oft seit vielen Jahren. Dadurch können wir Situationen besser einordnen und individuelle Entscheidungen treffen, statt ausschließlich standardisierten Prozessen zu folgen. 

Vertrauen, persönliche Nähe und kurze Entscheidungswege ermöglichen es uns, unsere Firmenkunden flexibel und passgenau zu begleiten. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schafft diese Partnerschaft Sicherheit und eröffnet Lösungen, die nur durch das gegenseitige Verständnis möglich werden. 

Der Unternehmertag der Freisinger Bank hat sich zu einer festen Größe im regionalen Wirtschaftskalender entwickelt. Welche Idee steckt hinter dem Format? 

Schwaiger: Mit dem Unternehmertag möchten wir aktuelle Herausforderungen der regionalen Wirtschaft aufgreifen und gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern diskutieren. Die Themen orientieren sich bewusst an den Anliegen der Unternehmen und werden von ihnen mitpriorisiert. Gleichzeitig schaffen wir Raum für Austausch, Vernetzung und neue Impulse. Viele Herausforderungen lassen sich leichter bewältigen, wenn Erfahrungen geteilt und Perspektiven gemeinsam entwickelt werden. 

„Wir erleben bei den Unternehmerinnen und Unternehmern eine große Bereitschaft, Veränderungen aktiv anzugehen.“

Welche Signale nehmen Sie aus den Gesprächen beim Unternehmertag mit? 

Schwaiger: Die Gespräche zeigen deutlich, dass sich Wirtschaft und Gesellschaft in einem tiefgreifenden Wandel befinden. Wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten sowie hohe Volatilitäten erschweren langfristige Planungen erheblich. Gleichzeitig erleben wir bei den Unternehmerinnen und Unternehmern eine große Bereitschaft, Veränderungen aktiv anzugehen. Der Wille, neue Wege zu finden und Chancen zu nutzen, ist trotz aller Herausforderungen ungebrochen. Dieser Pragmatismus und Optimismus machen Mut. 

Welche politischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wären aus Ihrer Sicht jetzt besonders wichtig? 

Schwaiger: Unternehmen brauchen vor allem Verlässlichkeit. Klare politische Entscheidungen, Planungssicherheit und der Mut zu notwendigen Reformen sind entscheidend, damit wieder investiert werden kann. Dazu gehören aus meiner Sicht nachhaltige Reformen im Sozial- und Steuerbereich sowie Maßnahmen zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. 

Ebenso wichtig ist eine Stabilisierung der geopolitischen Lage. Friedliche Lösungen internationaler Konflikte und verlässliche Rahmenbedingungen für den Welthandel würden Unternehmen wieder mehr Sicherheit für ihre langfristigen Entscheidungen geben. 

Wie blicken Sie auf die kommenden zwölf Monate: Überwiegt Optimismus oder Vorsicht? 

Schwaiger: Als Genossenschaftsbanken blicken wir auf mehr als 160 Jahre Geschichte zurück. Unsere Wurzeln liegen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. In dieser langen Geschichte haben wir viele Krisen erlebt und gemeinsam mit unseren Mitgliedern und Kunden erfolgreich gemeistert. Deshalb ist Optimismus fest in unserer genossenschaftlichen DNA verankert. Gleichzeitig gehört verantwortungsvolle Vorsicht zu unserem Selbstverständnis. Nur wer Risiken realistisch einschätzt, kann nachhaltig handeln. Für mich schließen sich Optimismus und Vorsicht deshalb nicht aus. Eine ausgewogene Balance aus beidem ist die Grundlage für verantwortungsvolle Entscheidungen und eine erfolgreiche Zukunft. 

Herr Schwaiger, vielen Dank für das Interview!

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