Zusammenhalt: Kommunen und Genossenschaften können gemeinsam bürgerschaftliches Engagement, soziale Infrastruktur und die Lebensqualität in einer Gemeinde stärken.
Ausgerechnet die Sonne, ohne die es das Energieareal Regensburg Ost (ERO) nicht geben könnte, macht sich zum Spatenstich rar. Eisig pfeift der Wind an diesem trüben Februarmorgen über den Acker, wo schon bald 17.778 Solarmodule auf einer Fläche von knapp 4,7 Hektar das Sonnenlicht in Strom verwandeln sollen. Bei den Projektpartnern ist die Laune trotzdem bestens. Denn mit dem offiziellen Baubeginn biegt nach zweijähriger Planungsphase ein Projekt auf die Zielgerade, das bereits als „Regensburger Modell“ die Runde macht.
Ab dem Sommer 2026 wird das neue PV-Kraftwerk mit einer installierten Gesamtleistung von elf Megawatt die auf dem Innovation Campus in Regensburg angesiedelten Unternehmen Aumovio, Schaeffler und Siemens mit günstigem Solarstrom versorgen. Genau genommen sind es drei PV-Anlagen, die individuell auf die Anforderungen der drei Unternehmen abgestimmt sind – angebunden jeweils mit einer eigenen Direktleitung, ohne Umweg über das öffentliche Stromnetz.
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Spatenstich für das Energieareal Regensburg Ost (ERO): „Profil“ war mit der Kamera vor Ort. Video: Florian Christner und Karl-Peter Lenhard (Schnitt), GVB
Bürger und Mitarbeitende an Solarpark beteiligt
Die Anlage wird mit modernen, bifazialen PV-Modulen bestückt, die beidseitig Strom erzeugen können. Damit wird die Stromausbeute auf gleicher Fläche im Vergleich zu älteren Anlagen nochmal deutlich erhöht. Eigentümerin des PV-Kraftwerks ist die Energiegenossenschaft Bürger Energie Region Regensburg eG (BERR eG). Sie verkauft den Solarstrom direkt an die drei Unternehmen, die dadurch kräftig Energiekosten sparen. Die Flächen für die PV-Anlagen hat die BERR eG von der Stadt Regensburg gepachtet. Die Bürgerinnen und Bürger Regensburgs sowie die Mitarbeitenden von Aumovio, Schaeffler und Siemens wiederum konnten sich an dem PV-Kraftwerk finanziell beteiligen, indem sie bei der BERR eG Mitglied wurden oder Nachrangdarlehen zeichneten. Den Bau und die technische Umsetzung der Anlage hat die BERR eG an die MaxSolar GmbH übertragen, die als Generalunternehmer auftritt. MaxSolar arbeitet auch mit anderen bayerischen Energiegenossenschaften intensiv zusammen.
Gemeinsam kommen die drei PV-Anlagen des Energieareals Regensburg Ost (ERO) auf elf Megawatt installierte Leistung. Jede Anlage ist mit einer Direktleitung mit einem der im benachbarten Innovation Campus angesiedelten Unternehmen Aumovio, Schaeffler und Siemens verbunden. Oben ist die Teststrecke von Schaeffler (früher Vitesco) zu sehen. Illustration: BERR eG
Die ganze Region profitiert
Von der Kooperation zwischen der Stadt Regensburg, den Unternehmen Aumovio, Schaeffler und Siemens sowie der Energiegenossenschaft BERR eG profitiert am Ende die ganze Region:
- Die Stadt stärkt die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Regensburg, indem sie günstige Energiepreise ermöglicht. Gleichzeitig setzt sie ein Zeichen für die nachhaltige Transformation des Standorts. Regensburg möchte bis 2035 klimaneutral werden und hat dafür einen eigenen Green Deal beschlossen. Auch darauf zahlt das Projekt ein.
- Den Unternehmen hilft günstige grüne Energie dabei, Kosten zu sparen und damit ihren Standort langfristig zu sichern. Außerdem reduzieren sie den Ausstoß von Treibhausgasen und tragen damit zum Gelingen der Energiewende bei. Das ist gut für das Image.
- Attraktive Standorte bieten attraktive Jobs: Mitarbeitende, die davon ausgehen können, dass der Standort und damit ihr Job Zukunft hat, ziehen nicht weg, sondern bleiben in der Region. Außerdem erhalten sie Sicherheit für ihre Lebensplanung, wenn sie etwa eine Familie gründen wollen. Regionen mit einer hohen Dichte an Fachkräften machen wiederum den Standort für Unternehmen attraktiv.
- Weil sich die Bürger und die Mitarbeitenden über die BERR eG direkt an dem neuen Solarkraftwerk beteiligen können und auch Unternehmen und Zulieferer aus der Region an der Errichtung des Solarparks beteiligt sind, bleibt die Wertschöpfung vor Ort und die Bürger profitieren unmittelbar von der Energiewende. Bestes Beispiel ist Siemens selbst: Die Wechselrichter stammen von Kaco, einer Tochtergesellschaft von Siemens, Siemens Energy liefert die Transformatoren.
- Die Energiegenossenschaft BERR eG schließlich stellt nicht nur ihre Kompetenz unter Beweis, ein so großes Projekt zu schultern, sondern sie wird durch die Projektarbeit und die Medienberichterstattung über den neuen Solarpark viel stärker wahrgenommen.
Ein Leuchtturmprojekt für Regensburg
Bei den Reden zum Spatenstich wurde genau dieser Mehrwert für alle Beteiligten immer wieder erwähnt. Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer fokussierte sich auf den Dreiklang Standortpolitik, Wertschöpfung vor Ort und Einbezug der Bürgerinnen und Bürger. „Für die Stadt Regensburg ist es ein Leuchtturmprojekt und ein weiterer Meilenstein auf unserem Weg zur Erfüllung des Green Deals, der sich immer weiterentwickelt, damit unsere Stadt kein CO2 mehr ausstößt“, sagte Maltz-Schwarzfischer. Das Projekt sei aber noch viel mehr, nämlich aktive Standortpolitik. „Wir verbessern die Rahmenbedingungen am Standort Regensburg, indem unsere Unternehmen grünen und bezahlbaren Strom für ihre Produktion beziehen können.“ Ganz wichtig seien aber auch die 660 Bürgerinnen und Bürger, die Mitglied der BERR eG sind und mit ihrem finanziellen Engagement das Projekt ERO erst ermöglicht haben. „So bleibt die Wertschöpfung in der Region und wandert nicht irgendwo anders in fremde Geldbeutel.“ Bis zum Spatenstich sei sehr viel Vorarbeit nötig gewesen. „ERO ist ein tolles Projekt, das zeigt, wie es gehen kann. So werden wir weitermachen“, kündigte Maltz-Schwarzfischer an.
Im besten Sinne nachhaltig
Projekte wie ERO gebe es in Deutschland aktuell nur ganz wenige, wenn es überhaupt vergleichbare Vorhaben gebe, meinte Georg Barfuß, Wirtschafts- und Finanzreferent der Stadt Regensburg. „Was wir hier tun, ist im besten Sinne nachhaltig“, betonte er. Nachhaltigkeit solle Ökonomie, Ökologie und Soziales vereinen. Genau das gelinge beim Energieareal Regensburg Ost. „Wir werden durch den Solarstrom jedes Jahr rund 4.000 Tonnen CO2 einsparen und damit auf den Green Deal einzahlen. ERO ist sozial, weil das Projekt von den Bürgerinnen und Bürgern und der BERR eG getragen wird.“ Es sei entscheidend, die Menschen vor Ort mitzunehmen, auch das gelinge bei diesem Projekt.
Barfuß brachte dann noch einen vierten Punkt an: „In Zeiten, wo selbst die USA nicht mehr unsere Freunde, sondern bestenfalls Konkurrenten sind, ist es wichtig, bei der Energie ein Stück weit autark zu werden. Für jede Kilowattstunde Strom, die wir hier erzeugen, müssen wir nicht Kohle, Gas oder sogar Uran verbrennen. Das gibt uns etwas mehr Unabhängigkeit, die wir dringend benötigen.“
Naturschutz und Bodensanierung
Das Projekt ERO fördert auch den Naturschutz: Die Fläche wird durch Schafbeweidung naturnah bewirtschaftet, was die Bodenverdichtung, die durch die schweren Maschinen der Landwirtschaft entstand, auflockert und neues Leben in der Humusschicht, sowie für Insekten und Kleintiere fördert. Ein Gutachten bestätigt diese ökologische Verträglichkeit.
Zahl der BERR-Mitglieder steigt um ein Drittel
Auch für die BERR eG ist das Energieareal Regensburg Ost ein großer Entwicklungsschritt, an dem sie aber auch gewachsen ist. In den vergangenen 14 Jahren nahm die BERR eG PV-Anlagen mit einer gesamten installierten Leistung von fünf Megawatt in Betrieb. Sobald im Sommer das ERO-Solarkraftwerk mit elf Megawatt installierter Leistung in Betrieb geht, verdreifacht sich die Gesamtleistung aller BERR-Anlagen auf einen Schlag. Und auch bei den Mitgliedern verzeichnet die Energiegenossenschaften einen starken Zuwachs: „Vor einem Jahr haben wir das 500. Mitglied bei uns in der Genossenschaft begrüßt, heute sind wir schon bei über 660 Mitglieder. Wir haben also mehr als 30 Prozent neue Mitglieder gewonnen, weil das Projekt ERO immer bekannter geworden ist und wir fleißig Werbung gemacht haben, damit sich die Bürger an dem Projekt beteiligen“, sagt BERR-Vorstandsvorsitzender Joachim Scherrer.
Das Solarkraftwerk für das Energieareal Regensburg Ost ist das 69. Projekt der Bürger Energie Region Regensburg eG. Doch dabei will es Scherrer nicht bewenden lassen. „Wir sind zuversichtlich, bald das 70. Projekt verkünden zu können“, sagt er. Damit die Wertschöpfung vor Ort bleibt und Wirtschaft, Gemeinden und Bürger von der Energiewende profitieren.
Das sagen die Projektpartner zum Energieareal Regensburg Ost
Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Oberbürgermeisterin der Stadt Regensburg:
Gertrud Maltz-Schwarzfischer unterstreicht die Bedeutung des Projektes über den Energie- und Umweltaspekt hinaus: „Mit dem Spatenstich startet nun die Realisierung eines Schlüsselprojekts des Green-Deal Regensburg. Das Projekt ERO setzt ein sichtbares Zeichen für die nachhaltige Transformation und stärkt die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts.“
Prof. Dr. Georg Barfuß, Wirtschafts- und Finanzreferent der Stadt Regensburg:
Prof. Dr. Georg Barfuß betont die Bedeutung Erneuerbarer Energien für die Wirtschaft, indem er alle Aspekte zusammenführt: „Das Projekt ERO schafft eine moderne Energiebasis vor Ort und beweist, dass wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung Hand in Hand gehen. “
André Kühnle, Leiter Schaeffler Regensburg und Deutschland:
André Kühnle hat die BERR eG vor über zwei Jahren die BERR eG für das Projekt gewonnen. Er betont: „Nachhaltigkeit bedeutet für Schaeffler, Verantwortung zu übernehmen – ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Mit dem Energieareal Regensburg Ost starten wir am Standort Regensburg eine neue Ära der Energieversorgung, die diesen Anspruch in die Realität umsetzt und die Energiewende vor Ort konkret gestaltet.“
Axel Kagerer, Standortleiter Siemens Gerätewerk Regensburg:
Axel Kagerer blickt zuversichtlich auf den entstehenden Solarpark ERO. „Der Spatenstich für das Energieareal Regensburg Ost ist ein Meilenstein für die Energiezukunft des Standorts. Die neue Solaranlage wird uns nicht nur mit regional erzeugtem grünem Strom versorgen, sondern auch unsere Klimaziele entscheidend voranbringen. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus – im Gegenteil: Sie machen unseren Standort wettbewerbsfähiger und fit für die kommenden Herausforderungen.“
Alexandra Bornemann, Standort- und Werkleiterin Aumovio Regensburg:
Alexandra Bornemann freut sich auf die Anlage für ihr Werk: „Mit dem Spatenstich für das ERO-Projekt setzen wir ein starkes Zeichen für die Zukunft unseres Standorts. Dieses Projekt ist nicht nur ein Meilenstein für Aumovio Regensburg, sondern auch für die gesamte Region. Besonders freut mich, dass unsere Mitarbeitenden die Möglichkeit hatten, sich auch finanziell an diesem Zukunftsprojekt zu beteiligen. Gemeinsam mit unseren Partnern gehen wir damit einen wichtigen Schritt.“