Impuls: Mit welchen Herausforderungen müssen die bayerischen Genossenschaften in diesem Jahr rechnen? Vier Thesen von GVB-Präsident Stefan Müller.
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Finanzielle Bildung ist keine Nebensache. Sie ist eine Schlüsselkompetenz – für Eigenverantwortung, für finanzielle Unabhängigkeit und für gesellschaftliche Stabilität. Dennoch kommt sie im schulischen Alltag bislang zu kurz. Das ist ein Befund, den wir seit Jahren kennen. Und den wir uns nicht länger leisten können.
Unsere Lebens- und Finanzwelt wird komplexer. Digitale Zahlungsangebote, „Buy now, pay later“-Modelle oder neue Anlageformen sind längst Teil des Alltags – auch für junge Menschen. Wer hier ohne grundlegende finanzielle Kenntnisse unterwegs ist, trifft Entscheidungen mit weitreichenden Folgen. Für den Einzelnen ebenso wie für die Gesellschaft insgesamt.
„Wer sich schon in der Schulzeit mit Haushaltsplanung, Sparen, Vorsorge oder Schuldenprävention beschäftigt, handelt später vorausschauender und verantwortungsbewusster.“
Umso wichtiger ist es, dass finanzielle Bildung frühzeitig und systematisch vermittelt wird. Studien zeigen klar: Wer sich schon in der Schulzeit mit Haushaltsplanung, Sparen, Vorsorge oder Schuldenprävention beschäftigt, handelt später vorausschauender und verantwortungsbewusster. Finanzielle Bildung wirkt – messbar und nachhaltig.
Vor diesem Hintergrund begrüße ich ausdrücklich einen aktuellen Antrag im Bayerischen Landtag, der darauf zielt, die finanzielle Bildung an allen Schularten zu stärken und dauerhaft in den Lehrplänen zu verankern. Er setzt an der richtigen Stelle an: bei der Schule als Ort gleicher Chancen für alle jungen Menschen – unabhängig von Herkunft oder familiärem Hintergrund. Zugleich erkennt er realistisch an, dass Schulen Unterstützung brauchen. Kooperationen mit externen, fachkundigen Partnern sind deshalb kein Zusatz, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor.
Hier kommen die genossenschaftlichen Banken ins Spiel. Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken engagieren sich seit vielen Jahren für finanzielle Bildung – vor Ort, praxisnah und zielgruppengerecht. Sie bringen genau das ein, was gute Finanzbildung braucht: Fachkompetenz, regionale Verwurzelung und das Verständnis für die Lebensrealität der Menschen. Dieses Engagement ist Ausdruck unseres genossenschaftlichen Förderauftrags – und aktueller denn je.
„Finanzielle Bildung schafft Selbstvertrauen im Umgang mit Geld – eine Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.“
Finanzielle Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Sie stärkt junge Menschen in ihrer Entscheidungsfähigkeit, beugt Überschuldung vor und fördert private Vorsorge. Vor allem aber schafft sie Selbstvertrauen im Umgang mit Geld – eine Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.
Mein Appell an unsere Mitgliedsbanken lautet daher: Unterstützen wir gemeinsam Initiativen zur finanziellen Bildung. Bringen wir unsere Erfahrung, unser Wissen und unsere Haltung ein. Denn finanzielle Bildung ist nicht nur ein bildungspolitisches Thema. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – und eine, bei der die genossenschaftliche Idee ihre ganze Stärke entfalten kann.
Stefan Müller ist Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern.
Zu seinem Profil auf LinkedIn.