Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie unsere Seiten nutzen, erklären Sie sich hiermit einverstanden. Weitere Informationen

Ukraine-Krieg, steigende Preise, gestörte Lieferketten, Energiekrise – die Bayern bleiben von alldem weitgehend unbeeindruckt. Der Heimatindex der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken für den Sommer 2022 steigt auf 66 Punkte – drei Zähler mehr als noch vor einem Jahr. „So groß die Unsicherheit auch ist – viele scheinen offenbar die Ereignisse so weit wie möglich auszublenden“, kommentiert Gregor Scheller, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), die Ergebnisse der Befragung. Gleichzeitig sei die „Auswirkung der Inflation in der Stimmung in den Befragungszeiträumen im Mai und Juli wohl noch nicht so deutlich zu spüren“, sagt Scheller.

„Der erste unbeschwerte Corona-Sommer mit Urlaubsreisen, Konzert- und Stadionbesuchen hat die Laune der Menschen offensichtlich beflügelt“, meint Scheller. Das belegt auch der Teilindex „Freizeit, Kultur, Bildung“. Im Vergleich zur Befragung im Sommer 2021 legt dieser um zehn Zähler auf 67 Punkte zu, wobei vor allem die Kategorie „Kulturelle Angebote“ mit einem Plus von 14 Zählern auf 68 Punkte zu Buche schlägt. Besonders gut bewerten die Oberbayern den Teilindex „Freizeit, Kultur, Bildung“ mit 68 Punkten, es folgen Oberpfälzer und Schwaben mit je 67 Punkten, Niederbayern und Mittelfranken mit 66 Punkten. Oberfranken und Unterfranken vergeben je 65 Punkte.

Wiedergewonnene Freiheit im Privaten tut gut

Die Vernetzung mit Freunden und Familie ist den Bayern seit jeher besonders wichtig. Dieser Teilindex erhält traditionell die höchsten Werte im Heimatindex. Dies ist bei der Befragung im Sommer 2022 nicht anders – der Wert steigt im Vergleich zur Befragung vor einem Jahr um vier Zähler auf 76 Punkte. „Den Bayern tut die wiedergewonnene Freiheit im Privaten gut“, sagt Scheller. Der Wegfall von Restriktionen bei der Teilnehmerzahl von Treffen im persönlichen Umfeld wirkt sich entsprechend aus. Um sechs Zähler auf jetzt 75 Punkte steigt die Kategorie „Freundes- und Bekanntenkreis“. Die Vernetzung mit Freunden und Familie scheint in Oberfranken von besonderer Bedeutung zu sein: Dort steigt der Teilindex sogar auf 80 Punkte. Es folgen Oberbayern und Oberpfalz mit 77 Punkten und Niederbayern mit 76 Punkten. In Unterfranken vergeben die Befragten 75 Punkte, in Mittelfranken und Schwaben sind es je 74 Punkte.

Einen Sprung um ebenfalls vier Zähler macht der Teilindex „Technische Infrastruktur und Grundversorgung“, der auf 57 Punkte steigt. Fast alle Teilkategorien können zulegen, so wird die Gesundheitsvorsorge mit 58 Punkten (plus sechs Zähler), die Einkaufsmöglichkeiten mit 62 Punkten (plus fünf Zähler), die Finanzinfrastruktur mit 49 Punkten (plus neun Zähler) und die Verfügbarkeit und Geschwindigkeit der Anbindung an das Internet mit 56 Punkten (plus einen Zähler) bewertet. Lediglich die Bewertung der Verkehrsinfrastruktur wird mit einem Minus um drei Zähler auf jetzt 60 Punkte schlechter eingestuft. „Der Wegfall von Pandemie-bedingten Einschränkungen hat auch hier eine positive Wirkung auf die Menschen. Einkaufen und Restaurantbesuche ohne Maske und ein funktionierender Gesundheitssektor beflügeln das Lebensgefühl“, interpretiert Scheller die Zahlen.

Den Teilindex „Technische Infrastruktur und Grundversorgung“ bewerten die Oberbayern mit 58 Punkten etwas besser als der Durchschnitt, Oberfranken und Schwaben vergeben 57 Punkte, Niederbayern und Mittelfranken 56 Punkte, Oberpfälzer 55 Punkte und Unterfranken 54 Punkte.

Die Bewertung des Wohnumfelds stagniert nahezu mit einem leichten Minus um einen Zähler bei 64 Punkten. Das „engere Wohnumfeld“ bewerten die Bayern mit 78 Punkten einen Zähler schlechter, ebenso die Kategorie „Sicherheit vor Kriminalität und Verbrechen“ der ebenfalls einen Zähler auf 55 Punkte nachgibt – genauso wie die Beurteilung des Zustands der Umwelt, hier sinkt der Wert um einen Zähler auf 60 Punkte. Auch in der Betrachtung der Regierungsbezirke gibt es wenig Bewegung. Das Wohnumfeld bewerten Niederbayern, Oberpfälzer, Oberfranken und Schwaben mit 65 Punkten, Oberbayern, Mittelfranken und Unterfranken vergeben 64 Punkte.

Ebenso praktisch Stagnation findet sich im Teilindex „Arbeitsplatz und persönliche finanzielle Situation“, der einen Zähler auf 63 Punkte nachgibt. Bei den Oberbayern kommt dieser Teilindex auf 64 Punkte, bei Niederbayern und Oberpfälzern auf je 63 Punkte. Mittelfranken, Unterfranken und Schwaben vergeben je 62 Punkte – Oberfranken 60 Punkte.

Bayerns Lebenszufriedenheit hebt sich deutlich vom Bundestrend ab

Bei der allgemeinen Lebenszufriedenheit stellt Bayern einmal mehr seine Sonderstellung unter Beweis. Während die Bayern hier mit 68 Punkten lediglich einem Zähler weniger vergeben als vor Jahresfrist, bricht diese Bewertung im Bundesdurchschnitt regelrecht ein. Die Deutschen vergeben hier mit nur noch 53 Punkten ganze 14 Zähler weniger als noch vor einem Jahr. „Die geopolitische Gesamtsituation scheint die Deutschen insgesamt deutlich heftiger zu bewegen als die Bayern“, resümiert der GVB-Präsident.

Besonders gut bewerten ihre allgemeine Lebenszufriedenheit die Niederbayern. Sie vergeben 72 Punkte – vier Zähler mehr als der Durchschnitt. Es folgen Oberbayern und Schwaben mit je 69 Punkten und Mittelfranken mit 68 Punkten. Weniger Punkte als der Durchschnitt vergeben Unterfranken mit 67 Punkten sowie Oberpfälzer und Oberfranken mit je 66 Punkten.

Innerhalb der unterschiedlichen Altersgruppen ergeben die Ergebnisse der aktuellen Befragung ein weitgehend harmonisches Bild mit nur wenigen signifikanten Ausreißern. Insgesamt zeigt sich: Je älter die Menschen sind, umso zufriedener sind sie auch. Den Heimatindex insgesamt bewertet die Kohorte 60-Plus mit 67 Punkten um einen Zähler besser als der Durchschnitt – bei den 18- bis 24-Jährigen erreicht er mit 64 Punkten zwei Zähler weniger als der Durchschnitt. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Betrachtung der allgemeinen Lebenszufriedenheit. Die 60-Plus-Generation vergibt hier mit 69 Punkten einen Zähler mehr als der Durchschnitt, die 18- bis 24-Jährigen zwei Zähler weniger (66 Punkte). Besonders zufrieden sind die 35- bis 44-Jährigen, die 70 Punkte und damit zwei Zähler mehr vergeben als der Durchschnitt.

Die größte altersbezogene Abweichung weist der Heimatindex lediglich in der Kategorie „Familiäre Situation“ auf. Die 18- bis 24-Jährigen bewerten diesen um sieben Zähler schlechter als der Durchschnitt (70 statt 77 Punkte). „Von zu viel an familiärer Nähe sind die jungen Menschen offenbar etwas genervt“, fasst Scheller das Ergebnis zusammen.
 

Der Heimatindex der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken wird halbjährlich im Rahmen einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage vom Meinungsforschungsinstitut GMS Dr. Jung GmbH ermittelt. Dazu bewerten die Befragten einzelne Aspekte der Kategorien „Allgemeine Lebenszufriedenheit“, „Vernetzung mit Freunden und Familie“, „Freizeit, Kultur und Bildung“, „Arbeitsplatz und persönliche finanzielle Situation“, „Wohnen, Umwelt und Sicherheit“ sowie „Technische Infrastruktur und Grundversorgung“ mit 0 bis 100 Punkten. Aus diesen Teilergebnissen wird der Index berechnet. Für den Heimatindex wurden insgesamt 2.008 Teilnehmer in zwei Wellen vom 25. Bis 30. Mai 2022 und vom 20. bis 27. Juli 2022 befragt.

Artikel lesen
Positionen