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Zwar füllen sich die Gasspeicher der Bundesrepublik schneller als erwartet. Dennoch fragen sich viele Bürger, wie es weitergeht mit der Energieversorgung. In der aktuellen Situation können Energiegenossenschaften ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Zukunft sein, findet GVB-Präsident Gregor Scheller.

Was machen Energiegenossenschaften anders?

Energiegenossenschaften verfolgen die Ziele ihrer Mitglieder. Das ist ihr genossenschaftlicher Auftrag. In diesem Fall besteht das Interesse vor allem in einer zuverlässigen und günstigen Energieversorgung. Sei es als Erzeugergemeinschaft, beispielhaft mit dem Betrieb eines gemeinsamen Windrads oder als Zusammenschluss, um gemeinsam Strom einzukaufen und an die Mitglieder zu verteilen. Die Gewinnmaximierung steht nicht im Mittelpunkt. Damit haben Energiegenossenschaften gegenüber Konzernen einen Vorteil, der in der jetzigen Situation besonders schwer wiegt: Sie sind ausschließlich der Versorgung ihrer Mitglieder verpflichtet. Externe Aktionäre oder sonstige Anteilseigner, die auf Rendite hoffen, spielen keine Rolle. Damit stehen viele Mitglieder von Energiegenossenschaften in der aktuellen Situation vergleichsweise gut da: Erzeugen sie selbst Strom, sind sie von den schwankenden und stetig steigenden Preisen an den Energiemärkten nur wenig betroffen. Und viele Einkaufs- und Verteilungsgenossenschaften haben sich langfristig mit Energie eingedeckt und können ihre Kosten, zumindest vorerst, stabil halten. Damit zeigt sich: Der regionale Zusammenschluss von Bürgern mit dem Ziel, gemeinsam Strom zu beziehen oder zu erzeugen, ist insbesondere in volatilen Zeiten wie den heutigen ein wahrer Stabilitätsanker.

Wieso braucht es Energiegenossenschaften für die Energiewende?

Schaut man auf die Marktanteile, wird klar, dass Energiegenossenschaften nicht den Großen der Branche die Stirn bieten können. Weder besitzen sie deren riesige Erzeugungskapazitäten noch kaufen sie derart große Energiemengen ein, dass sie eine Marktmacht haben. Dennoch besitzen Energiegenossenschaften ein nicht zu verachtendes Pfund: Sie geben der Energieerzeugung ein Gesicht. Während große Versorgungsunternehmen von vielen Menschen als anonyme Konzerne gesehen werden, zeigen regional engagierte Genossenschaften, wie dezentrale Energieerzeugung funktionieren kann. Damit sind sie im besten Sinne Werbung für die Energiewende und ein Beispiel dafür, wie bürgerschaftliches Engagement in heutigen Zeiten aussehen kann. Denn: Weiß man, dass das Windrad auf dem Feld hinter dem Haus Energie für das eigenen Dorf erzeugt oder eine Dividende für die Anwohner erwirtschaftet, stärkt das die Akzeptanz enorm. Kommt man ins Gespräch mit den Mitgliedern der Genossenschaft hilft das, Vorurteile über den Energiemarkt abzubauen.

Was braucht es für mehr Energiegenossenschaften und bürgerschaftliches Engagement?

In Bayern sind die geographischen und thermischen Gegebenheiten hervorragend, um die nachhaltige Energieerzeugung weiter auszubauen: Sowohl Wind als auch sonnenreiche Stunden sind vielerorts keine Mangelware. Dennoch hapert es beim Zubau. Insbesondere die oftmals umfangreichen Vorgenehmigungs-, Genehmigungs- und Pilotierungsphasen sorgen dafür, dass kleine und private Unternehmen vor den hohen Kosten zurückschrecken. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass sich beispielsweise die Kosten in der Planungsphase eines Windrads – also noch weit vor dem Bau – meist auf hohe, fünfstellige Summen summieren. Aus Angst davor, auf diesen Kosten sitzenzubleiben, überlassen Genossenschaften dann Konzernen das Feld. Es braucht deutliche Nachbesserung, um die dezentrale, genossenschaftliche Energieversorgung gegenüber den Großen der Branche nicht zu benachteiligen.

Außerdem hapert es bei dem „Rückgrat“ der Energieversorgung, den Verteilernetzen. Diese finanzieren sich immer noch über regional unterschiedlich bepreiste Entgelte, die der Stromkunde zahlt. Im Klartext bedeutet dies: In ländlichen Regionen, wo ein Großteil der Energieerzeugung stattfindet, sind die Netzentgelte höher, da hier die Infrastruktur oft weniger ausgebaut, aber stark genutzt wird. Der Großteil des erzeugten Stroms wird hingegen in urbaneren Gegenden genutzt, wo der Kunde entsprechend niedrigere Kosten zahlen muss. Eine Vereinheitlichung der Netzentgelte würde die derzeitigen Fehlanreize bei den Investitionen beseitigen und dafür sorgen, das Rückgrat der Energieversorgung zu stärken.
 

Gregor Scheller ist Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB).

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