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Joachim Koch von der VR-Bank Landsberg über die Finanzierung einer Windkraftanlage

Herzstück jeder Finanzierung einer Windkraftanlage ist die Kapitaldienstfähigkeit. Zu den weiteren Voraussetzungen, um eine Anlage zu finanzieren, gehört eine rechtssichere Bewertung, es geht um die erstrangige Dienstbarkeit und die Sicherheitsüberprüfung der Anlage. Zudem muss die Baukostensicherheit über ein Festpreisangebot geklärt sein. Ebenso müssen Unterlagen zur Genehmigung der Anlage sowie die Netzanschlusszusage und die Zusage der Bundesnetzagentur vorliegen. Zwei verschiedene Erstgutachten sind des Weiteren erforderlich.

Eine Windkraftanlage kann nur dann finanziert werden, wenn alle Unterlagen vollständig vorliegen. An dieser Stelle möchte ich daher auch auf die Anforderungsliste der DZ-Bank im Bankenportal verweisen.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Windkraftanlage kann mit einem Hausbankdarlehen, in der Regel bis zehn Jahre, finanziert werden. Für längere Zinsbindungen können auch die KfW und in Einzelfällen auch die landwirtschaftliche Rentenbank angesprochen werden. Über VR-Smart-Finanz können Teile finanziert werden, bisher wurde diese Finanzierungsmöglichkeit bei uns aber noch nicht in Anspruch genommen. Die Zinsbindung beträgt meist 15 bis 20 Jahre. Hausbankdarlehen scheiden bei uns im Hause bei einer Zinsbindung über zehn Jahre aus. SWAP/Cap-Lösungen scheitern bisher an der Handelslinie und deren Bepreisung.

Wie gehen regionale Banken mit den großen Projektvolumina um?

Da es bei der Windkraft um große Projektvolumina geht, ist es für eine regionale Bank naheliegend, diese Volumina gemeinsam mit anderen Banken zu stemmen. Erster Ansprechpartner ist die DZ-Bank. Hier bei uns im Hause haben wir auch sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Kontakt zu anderen VR-Banken, die eine Affinität bei Finanzierung von EE-Projekten haben, aufzunehmen. Die Finanzierung lässt sich auch über einen Parallelkredit und einen Sicherheitenpool bei einer anderen VR-Bank darstellen. Daher wäre es aus meiner Sicht wünschenswert und hilfreich, wenn es Plattform gäbe, die Banken, die in diesem Bereich bereits Erfahrung haben, auflistet.

Wie hoch ist meist das Eigenkapital?

Die Höhe des Eigenkapitals fällt unterschiedlich aus, die Bandbreite ist groß. Aus der Erfahrung heraus aber lässt sich sagen, dass wir von einer Spanne von fünf bis 30 Prozent sprechen. Grundsätzlich muss das Eigenkapital so ausgerichtet sein, dass der Kapitaldienstdeckungsgrad erfüllt ist. Zu erwähnen ist auch, dass die Vorleistung des Anlagenbauers als Eigenkapitaleinsatz gewertet werden kann.

Was sind die größten Risiken?

Risiken gibt es dennoch. Aktuell ist die Nullvergütung bei negativen Strompreisen nur schwer kalkulierbar. Weitere Risiken beziehen sich auf den Bau, die Fertigstellung sowie den Ertrag. Der beziehungsweise die Partner sind daher elementar, da ein technisches Risiko besteht. Und natürlich spielt der Wind eine Rolle.

„Es ist vorteilhaft, die Bürger und Bürgerinnen über eine Bürgerbeteiligung mit ins Boot zu holen. Das sorgt von Anfang an für Akzeptanz vor Ort.“

Joachim Koch

Ein weiteres großes und eben schwer kalkulierbares Risiko liegt in der Klagemöglichkeit Dritter, oft kommt es dazu erst nach der Errichtung der Anlage. Daher ist es vorteilhaft, die Bürger und Bürgerinnen über eine Bürgerbeteiligung mit ins Boot zu holen. Das sorgt von Anfang an für Akzeptanz vor Ort. Denn eine Klage kann den Betrieb der Anlage erheblich einschränken und die Rentabilität gefährden.

Wie lange dauert der Finanzierungsprozess?

In der Regel dauert der Finanzierungsprozess nach Zusage des Betreibers etwa sechs Wochen, wenn wie gesagt alle Unterlagen vorliegen. In diesem Fall müssen eben erst alle Gremien der Bank, auch der Aufsichtsrat, der Finanzierung zugestimmt haben.

Worin liegen die Chancen für Genossenschaftsbanken, Erneuerbare-Energien-Projekte zu ermöglichen?

Als Genossenschaftsbank sehe ich uns als idealen und verlässlichen Partner, um regionale Projekte – und dies idealerweise mit Bürgerbeteiligung – aktiv mitzugestalten. So leisten wir einen Beitrag zur wirtschaftlichen, ökologischen, nachhaltigen und sozialen Entwicklung der Region und fördern die regionale Kaufkraft. Der Anlagenbauer hat zudem einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort. Das sorgt für kurze Wege – in der Ansprache bei Problemen und der Baubegleitung. Indem wir als regionale Bank die Finanzierung einer Windkraftanlage vor Ort ermöglichen, nehmen wir Einfluss auf die regionale Wirtschaft, fördern die Energieunabhängigkeit und positionieren uns für die Zukunft.

Dennoch sollte sich eine Genossenschaftsbank, die erwägt, in die Windkraft einzusteigen, zunächst folgende Fragen stellen. Passt es überhaupt zur jeweiligen Strategie – einmalig oder dauerhaft? Hat die jeweilige Bank die Manpower, das heißt die passende Expertise, im Haus? Fehlt das Know-how, sollte man eine Anfrage allerdings nicht sofort ablehnen, sondern die Möglichkeit in Erwägung ziehen, mit einer anderen Genossenschaftsbank, die in diesem Bereich bereits Erfahrung hat, Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam ein Angebot zu erarbeiten. Gegebenenfalls kann die DZ-Bank da eingebunden werden. Auf diese Weise kann wiederum neues eigenes Fachwissen aufgebaut werden.

Bei der Finanzierung von Erneuerbarer Energie können wir definitiv unsere genossenschaftliche Stärke nutzen. Was einer nicht schafft, das schaffen viele.

Robert Kurz von der VR-Bank Taufkirchen-Dorfen über die partnerschaftliche Umsetzung einer Agri-PV-Anlage

Als Gemeinschaftsprojekt wurde vor Kurzem eine Agri-PV-Anlage in Wies bei Dorfen von der VR-Bank Taufkirchen-Dorfen mit der VR-Bank Rottal Inn realisiert. Gemeinsam konnte 2025 eine der größten Agri-PV-Anlage Bayerns finanziert werden. Auf einer Fläche von fast 19 Hektar wurden über 34.000 Solarmodule verbaut. Die Investitionskosten lagen bei 14,5 Millionen Euro. Eigentümer der Flächen ist ein Landwirte-Ehepaar. Projektpartner ist das Unternehmen Anumar aus Ingolstadt, das die Anlage gebaut und gepachtet hat.

Robert Kurz, Landwirtschaftsberater bei der VR-Bank Taufkirchen-Dorfen, berichtet über die Zusammenarbeit.

Welche Schritte waren bei der Umsetzung von besonderer Bedeutung?

Die langfristige Begleitung der Kunden ist besonders wichtig. Die Planung dieses Projekts hat sich über einige Jahre gezogen. Wir waren von Anfang an „an Bord“ und konnten damit das Projekt sehr gut einschätzen und gegebenenfalls schnell Entscheidungen treffen.

Welche Stolpersteine kann es bei der Umsetzung eines solchen Projekts geben?

Von der Idee bis zur Umsetzung des Projekts ist es ein langer Weg für den Kunden. Als Hürden können das komplizierte Ausschreibungsverfahren für die PV-Förderung oder das deutlich veränderte Zinsniveau während der Planungsphase genannt werden.

Wie kam es zur partnerschaftlichen Umsetzung mit der VR-Bank Rottal-Inn?

Unsere beiden Banken arbeiten seit vielen Jahren in verschiedenen Bereichen vertrauensvoll zusammen. Daher war uns bekannt, dass die VR-Bank Rottal-Inn über eine große Expertise im Bereich der Finanzierung Erneuerbarer Energien verfügt. Nachdem das Gesamtprojekt für unser Haus allein zu groß war, hat sich die Kooperation mit der VR-Bank Rottal-Inn angeboten.

Worin liegen die Chancen, ein Projekt in Partnerschaft mit einer anderen Bank zu finanzieren?

Der Vorteil von gemeinsamen Finanzierungen mit einer anderen Bank liegt darin, sich an Projekten zu beteiligen, die für uns als einzelne Bank zu groß wären. Auch der gegenseitige Austausch zwischen den kooperierenden Banken ist für beide Seiten sehr positiv.

Warum ist es von besonderer Bedeutung, als Genossenschaftsbank Projekte im Bereich Erneuerbare Energien zu finanzieren?

Das Thema Nachhaltigkeit hat für uns als Genossenschaftsbank eine große Bedeutung. zudem erwarten wir im Bereich der Erneuerbaren Energien deutliche Wachstumsraten in den kommenden Jahren. Für uns ist es wichtig, uns in diesem strategisch wichtigen Bereich gut aufgestellt und vertreten zu sein.

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