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Das Jahr 2026 ist noch jung. Aber schon die ersten Wochen haben uns eindrücklich vor Augen geführt: Es wird nicht ruhiger auf der Welt. Internationale Turbulenzen werden uns weiter begleiten. In diesem Umfeld ist es naturgemäß schwer, Prognosen abzugeben. Dennoch möchte ich versuchen, anhand von vier Thesen wesentliche Herausforderungen für die bayerischen Genossenschaften und die mittelständische Wirtschaft zu skizzieren. Denn Unsicherheit darf nicht dazu führen, dass wir in Schockstarre verharren oder aufhören, uns auf die Zukunft vorzubereiten.

1. Geopolitische Verwerfungen begleiten uns 2026 weiter – und müssen Eingang in Risikomodelle finden

Die Intervention der USA in Venezuela und das Gerangel um Grönland haben die Weltwirtschaft in den ersten Wochen des Jahres in Atem gehalten. Spätestens als Strafzölle für einzelne Länder der EU, darunter Deutschland, im Raum standen, war klar: Die geopolitischen Verwerfungen können schnell unmittelbare Auswirkungen auf die heimische mittelständische Wirtschaft haben.

Deshalb wird der Aufbau geopolitischer Resilienz ein wichtiger Faktor für den Geschäftserfolg. Die politischen Konflikte von heute sind die finanziellen Herausforderungen von morgen. Deshalb müssen wir akzeptieren, dass geopolitische Unsicherheiten zum „New Normal“ gehören und unsere Strategien entsprechend anpassen. Geopolitische Risiken müssen in die strategische Planung bei Risikobewertung, Krediten und Portfoliomanagement integriert werden.

Die neue Weltlage birgt aber auch Chancen für die heimische Wirtschaft: Angesichts der globalen Unsicherheit könnte Regionalität noch mehr zu einem Wettbewerbsvorteil werden: Die VR-Bank vor Ort, der Zulieferbetrieb aus der Heimat: Wenn das Vertrauen in die globale Stabilität sinkt, wächst das Sicherheitsbedürfnis, auf bekannte Partner von nebenan zu setzen.

2. Die deutsche Wirtschaft erholt sich 2026 endlich. Doch das Wachstum ist durch Staatskonsum gestützt und fragil

Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose für Deutschland für dieses Jahr auf 1,1 Prozent angehoben. Deutschland ist damit nicht mehr das europäische Schlusslicht. Auch andere Institute sind vorsichtig optimistisch. Je nach Institut rechnet man aktuell mit 0,7-1,3 Prozent Wachstum. Das ist nicht viel, aber zumindest ein Hoffnungsschimmer nach mehreren Rezessionsjahren.

Die Forschungsinstitute begründen ihre Prognosen damit, dass in diesem Jahr der positive Effekt der schuldenfinanzierten Ausgabepolitik der Bundesregierung einsetzen wird. Die Frage ist allerdings: Wie lange hält dieser Effekt an? Es steht zu befürchten, dass die zusätzlichen staatlichen Ausgaben nur kurzfristig wirken und die Wirkung schnell wieder verpufft.

Die Politik ist nicht gut beraten, wenn sie sich auf den staatlichen Konsum verlässt. Wenn sie langfristige und nachhaltig positive Effekte erzielen will, muss sie Maßnahmen ergreifen, um die Privatwirtschaft anzukurbeln, die Konsumlaune zu steigern und die Investitionsbereitschaft zu erhöhen. Weniger Steuern, weniger Abgaben, weniger Bürokratie und niedrigere Energiepreise – das sind die Hebel, um die Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Wenn es gelingt, spürbar Entlastung für die Menschen und die Wirtschaft zu schaffen, ist das das beste Konjunkturprogramm.

3. Die expansive Fiskalpolitik trägt kurzfristig zum Wachstum bei, aber die Anleihemärkte könnten der Party 2026 ein Ende setzen

Staatsanleihen – sie galten immer als der sichere Hafen für Anleger. Inzwischen hört man von institutionellen Investoren, die mittlerweile lieber auf sichere Unternehmensanleihen setzen – weil sie weniger risikoreich seien als viele Staatsanleihen. Der Markt ist volatil und nervös.

Die massive Aufnahme neuer Schulden für das Fiskalpaket der Bundesregierung kann die Nervosität potenziell weiter erhöhen. Aktuell bewerten die Ratingagenturen die deutsche Neuverschuldung noch einigermaßen positiv. Aber sie werden genau beobachten, ob das „Investitionspaket“ seinem Namen gerecht wird und das Geld tatsächlich in Investitionen fließt. Außerdem erwarten die Märkte, dass die Bundesregierung ihren Ankündigungen Taten folgen lässt und nicht nur Geld ausgibt, sondern strukturelle Reformen anpackt. Ohne Strukturreformen bei Rente, Steuer- und Sozialsystemen wird das Vertrauen der Märkte weiter abnehmen. Und dann ist die Party irgendwann zu Ende.

4. 2026 wird entscheidend für Künstliche Intelligenz

Über Künstliche Intelligenz (KI) ist im vergangenen Jahr schon fast alles gesagt worden. Unter anderem wurde auch wiederholt davor gewarnt, dass bald die „KI-Blase“ platzen werde.

Es mag sein, dass einzelne Aktientitel aktuell überbewertet sind. Insgesamt glaube ich aber: Das Thema KI ist noch lange nicht an seinem Zenit – und ganz sicher nicht auf dem absteigenden Ast. Wir sind bei KI erst ganz am Anfang, was die Nutzung in Unternehmen und die Integration in Prozesse angeht. Hier müssen wir alle noch dazulernen und uns fragen, wie KI uns helfen kann, wettbewerbsfähiger zu werden. KI ist kein Hype, sondern ein Tool, das wir zielgerichtet nutzen müssen. Sonst überholen uns andere, die damit umgehen können.

Stefan Müller ist Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern.
Zu seinem Profil auf LinkedIn.

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